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23.05.2013

14:11 Uhr

Joachim Starbatty

AfD gewinnt prominenten Euro-Gegner

VonDietmar Neuerer

„Euro-Fighter“ gehört zu den Spitznamen des Volkswirtschaftlers, weil er 1998 mit drei Kollegen gegen die Euro-Einführung klagte. Jetzt ist der Tübinger Ökonom Joachim Starbatty der neuen Anti-Euro-Partei beigetreten.

Joachim Starbatty. Reuters

Joachim Starbatty.

BerlinBislang galt Joachim Starbatty lediglich als Mitinitiator der Alternative für Deutschland (AfD). Er fungierte dort vor allem als wissenschaftlicher Berater. Jetzt ist der Tübinger Volkswirtschaftler der AfD (Landesverband Baden-Württemberg) beigetreten, da er sich, wie es in einer Mitteilung der Partei heißt, innerhalb der deutschen Parteienlandschaft allein von der Alternative für Deutschland angemessen vertreten fühle.

„Alle Parteien im Deutschen Bundestag vertreten die Euro-Rettungspolitik, die nur tiefer in den gemeinsamen Schuldensumpf führt, mit einer schwarz-gelben nur drei Monate später als mit einer rot-grünen Regierung“, begründete Starbatty seine Entscheidung. „Die AfD zeigt eine sinnvolle und liberale Alternative zu der falschen und fälschlich für alternativlos erklärten Politik aller etablierten Parteien.“

Europas Vermächtnis sei nicht die falsch konstruierte Währungsunion, betont der Wissenschaftler, sondern der Rechtsstaat, die freiheitliche Demokratie und die freundschaftliche Begegnung souveräner Staaten. Dafür wolle er sich innerhalb der AfD einsetzen. Seinen Eintritt in die AfD verbindet Starbatty zugleich mit einem Angebot an Spitzenpolitiker der CDU. Weil diese verlauten ließen, die Vorstellungen der AfD seien bedrohlich für den Wirtschaftsstandort Deutschland, wolle er den Standpunkt der AfD im direkten Gespräch erläutern. „Ich biete als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der AfD an, diese Behauptung mit jedem Repräsentanten der CDU/CSU zu diskutieren - wo auch immer und wann auch immer.“

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Starbatty war und ist einer der schärfsten Kritiker des Euro. Schon vor dessen Einführung hat er zusammen mit drei Kollegen vor dem Bundesverfassungsgericht dagegen geklagt - ebenso erfolglos wie dann 2010 gegen das Euro-Rettungsprogramm. Für ihn wurde der Euro nicht nur überhastet und mit den falschen Ländern eingeführt. Vielmehr sind seit seiner Einführung auch zentrale europäische Prinzipien aufgegeben worden.

In seinem jüngst erschienenen Buch „Tatort Euro“ legt er dar, warum die Währungsunion nie ein politisches Fundament hatte, welche Folgen sie für das Vermögen der Deutschen hat, wer vom Euro profitiert und warum Rettungsfonds, Vergemeinschaftung von Haftung und Anwerfen der Notenpresse Irrwege in den Schuldensumpf sind.

Kommentare (128)

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Account gelöscht!

23.05.2013, 14:36 Uhr

Zumindest dürfte das "Professörchen" bessere Grammatik- und Rechtschreibkenntnisse als kah7 haben

AxelSiegler

23.05.2013, 14:37 Uhr

... ich finde es immer wieder erschreckend, nur Vor- oder Nachteile für andere Länder zur Massgabe deutscher Politik zu machen, wie dies auch wieder bei diesem Hrn Horn anklingt. Die deutsche Politik hat ausschliesslich deutsche Interessen zu vertreten - und sowenig bspw. spanische Interessen wie die Spanier deutsche Interessen vertreten! Die spanischen Interessen werden schon von den Spaniern vertreten, da muss sich nicht noch Hr Horn'reinsühlen! Und nun soll man mir nicht damit kommen, dass unsere Exporte zurückgehen, wenn die Spanier kein Geld haben: ja, aber wenn ich denen erst Geld schenken soll, mit dem die dann eventuell die Gnade besitzen unsere Exporte zu bezahlen, kann ich sehr gern auf diese Exporte verzichten - die unter'm Strich dann sowieso nichts weiter als Schenkungen sind! Wir sind doch nicht das Aportierhündchen für die anderen Europäer. Exporte machen nur Sinn, wenn sie mit perspektifisch mit ebenso wettbewerbsfähigen Produkten abgegolten werden können - Geld ist da nur ein temporärer Schuldschein. Und "sozial"staatliche Massnahmen (insbesondere natürlich auf Kosten anderer) begünstigen nur die faule Bequemlichkeit - die Aussicht auf konkurrierende Produkte aber wird dadurch unwiderbringlich geschmählert. Sosehr die Südstaaten bislang über ihre Verhältnisse gelebt haben, sosehr müssen sie künftig unter den selbigen vegitieren - alles andere ist ungerecht! Siesta is OVER!

RoiBavarois

23.05.2013, 14:40 Uhr

Endlich kommt hier Schwung in die Debatte. Herrn Starbatty's Beitritt zur AfD finde ich in diesem Zusammenhang großartig. Ich würde mir wünschen, dass Europa demokratischer würde und rechtsstaatliche Prinzipien wieder zur Geltung kommen. Die Einführung einer Gemeinschaftswährung in Deutschland ohne Volksabstimmung über etwas so wesentliches war in der Tat Landesverrat. Heute knechtet diese Gemeinschaftswährung Euro den Kontinent. Geldpolitik funktioniert nicht mehr. Wettbewerbsdifferenzen können nicht mehr einfach durch Abwertung beseitigt werden. Deutsche Sparer verlieren schleichend ihr Geld. Die private Altersvorsorge stockt durch die Nullzinspolitik. Der Euro, wenn wir ihn denn in dieser Form beibehalten, wird die Menschen in Deutschland viel mehr kosten als ein geordneter Ausstieg!

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