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06.01.2012

09:43 Uhr

Job gefährdet

Wenn Wulff Vorstandschef wäre

VonMartin Dowideit

Chefsessel in der Wirtschaft sind immer auch Schleudersitze. Könnten Vorwürfe wie diejenigen im Fall von Bundespräsident Christian Wulff einen Konzernboss zu Fall bringen? Experten antworten.

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DüsseldorfNicht nur Bundespräsident Christian Wulff, auch Vorstandschefs großer Aktiengesellschaften stehen oft unter Druck, sich zu Affären oder vermeintlichem Fehlmanagement im Konzern zu äußern - sei es gegenüber dem Aufsichtsrat oder der Öffentlichkeit. Das Staatsoberhaupt zieht wegen der Vorwürfe gegen ihn unter anderem die Konsequenz, dass es die „Transparenz weiter treiben muss“.

„Besonders günstige Kredite und andere gewährte Vorteile können auch Vorstände zu Transparenz drängen. Die entsprechenden Vorschriften für die Vorstände börsennotierter Aktiengesellschaften sind weitreichend“, sagt Stefan Galla, Experte für Compliance bei der Rechtsanwaltskanzlei Luther - Compliance bezeichnet die Einhaltung von Verhaltensregeln und rechtlichen Vorgaben.

Seit 2002 gibt es den Deutschen Corporate Governance-Kodex, der ein Regelwerk für gute Unternehmensführung schafft und noch vor Verstößen gegen Aktiengesetz oder Strafgesetzbuch greift. Ziel des Kodex ist es, vor allem ausländischen Investoren deutsche Unternehmensstrukturen transparent zu machen. Die von einer Regierungskommission aufgestellten Regeln, sollen von Aktiengesellschaften befolgt werden. Artikel 3.4 des Regelwerks lautet etwa: „Der Vorstand informiert den Aufsichtsrat regelmäßig, zeitnah und umfassend über alle für das Unternehmen relevanten Fragen (...) der Compliance“.

Zu diesen Verhaltensregeln zählt auch Artikel 4.3.2 des Kodex, der in einem Szenario wie der Affäre Wulff in einer Aktiengesellschaft große Bedeutung hätte: „Vorstandsmitglieder und Mitarbeiter dürfen im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit weder für sich noch für andere Personen von Dritten Zuwendungen oder sonstige Vorteile fordern oder annehmen oder Dritten ungerechtfertigte Vorteile gewähren."

Corporate Governance Kodex

Regeln für Unternehmensführung

Der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) ist ein von einer deutschen Regierungskommission erarbeitetes Regelwerk, das Vorschläge für eine gute Corporate Governance, also ethische Verhaltensweisen von Mitarbeitern und Führungen von Unternehmen und Organisationen beschreibt.

Transparenz zum Ziel

Mit dem DCGK soll das die in Deutschland geltenden Regelwerk für die Unternehmensleitung für nationale und internationale Investoren transparent gemacht werden. Das Vertrauen in die Unternehmensführung deutscher Gesellschaften und somit auch in den deutschen Kapitalmarkt soll zudem gestärkt werden. Ziel ist auch, eine Vereinheitlichung der Maßnahmen zur Erfüllung einer guten Corporate Governance zu erreichen.

Normen und Werte

Außerdem will der DCGK deutschen Unternehmen Normen und Werten für eine verantwortungsvolle Unternehmensführung liefern. Hierzu gehört vor allem, dass die Unternehmen ihre Unternehmensziele langfristig ausrichten und diese der Organisation selbst, ihren Eigentümern, aber auch externen Interessengruppen dienen.

Verpflichtende Regeln und Empfehlungen

Der deutsche Kodex gilt für börsennotierte Gesellschaften und enthält: verbindliche Regelungen, Soll-Regelungen, von denen abgewichen werden kann, wenn dies öffentlich bekannt gemacht wird, nicht verbindliche Empfehlungen.

Jährliche Überprüfung

Die Regierungskommission besteht seit 2002 und prüft jährlich, ob die von ihr gesetzten Regeln zeitgemäß sind und unter Umständen Ergänzungen nötig geworden sind. Die jüngsten Änderungen stammen aus Mitte 2010.

Die Regierungskommission

Vorsitzender der Kommission mit 13 Mitgliedern ist derzeit Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef der Commerzbank. Zu den Mitgliedern zählen weitere Aufsichtsräte von Konzernen wie BASF, aber auch Professoren sowie Gewerkschaftsvertreter und Aktionärsschützer.

CG 7

Die elfte Konferenz zu guter Unternehmensführung auf Einladung der Regierungskommission findet am 13. und 14. Juni 2012 in Berlin statt. Auf der Tagesordnung wird unter anderem eine Bewertung der Richtlinien anlässlich deren zehnjährigen Bestehens stehen.

Bundespräsident Wulff sieht sich unter anderem mit dem Verdacht konfrontiert, er könnte Freunden politische Gefallen geleistet haben, da diese ihm bei der Hausfinanzierung behilflich waren oder kostenlos Urlaub in Ferienhäusern machen ließen. Diesen Vorwurf hatten die Anwälte Wulffs am Donnerstag zurückgewiesen. „Die privaten Freundschaften von Herrn Wulff haben seine Amtsführung nicht beeinflusst“, hieß es in einer Erklärung. Das Staatsoberhaupt veröffentlichte zur Verteidigung Details zu Reisen und einer Immobilienfinanzierung.

Kommentare (23)

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unternehmer

06.01.2012, 10:10 Uhr

wulff wäre auf wiedervorlage gestellt, wobei: für frühstücksdirektoren haben wir keine mittel.
bei uns jedenfalls wäre wulff geblieben was er ist: sachbearbeiter.

wanze1958

06.01.2012, 10:32 Uhr

Ein Hauptübel in der Politik. Die Damen und Herren brauchen keine Ausbildung für Ihren Job. Das merkt man auch bei den Politikern. Wie ''Unternehmer'' richtig festgestellt hat ist er eben nur ein Sachbearbeiter. Echte Einsicht fehlt diesem Herrn leider total. Wie oft will er sich noch entschuldigen? Wenn ich das nächste Mal im Straßenverkehr eine Verfehlung begehe werde ich mich auch einfach entschuldigen. Das wird beim einfachem Bürger wie mir jedoch nicht funktionieren. Wetten das? Wulff bleibt am Ende nur noch der Rücktritt. Das wird er bei seiner Salamitaktik am Ende doch noch merken. Das offene Verhältnis zur Presse stellt er durch sein erneutes Verhalten bezüglich ''Veröffentlichungsverbot gerade wieder unter Beweis. Er kann seinen Job nicht und wirds auch nicht mehr lernen. Rücktritt wäre der einzige Weg so schnell wie möglich um das Amt des BP nicht noch mehr der Lächerlichkeit Preis zu geben.

Revisor

06.01.2012, 10:37 Uhr

Was denn jetzt, liebe Handelsblatt -Boulevard-Klatschpresse.... Wulff nicht mehr als Top-Schlagzeile???

Kleiner Anfall von Schwächeln in der Hetz-Kampagne?? Gibt's etwa wieder was Wichtiges zu berichten??

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