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22.09.2015

15:51 Uhr

Jobmotor Gründerszene

Deutsche Startups sind „raus aus den Kinderschuhen“

VonKathrin Witsch

Die Startup-Szene in Deutschland ist jung, ehrgeizig und international. Das geht aus dem jährlich erhobenen Startup-Monitor des Bundesverbands Deutscher Startups hervor. Nur die Frauen kommen dabei etwas zu kurz.

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BerlinAls Jobmotor wollen Startups im nächsten Jahr knapp 50.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Und die Gründer schauen positiv in die Zukunft. Das geht aus dem „Deutschen Start-up Monitor 2015“ hervor, der am Dienstag vorgestellt wurde.

Nur die Politik bekommt einen kleinen Dämpfer von Florian Nöll, dem Vorsitzenden des Bundesverbands Deutscher Startups: „Der große Schritt ist nicht erkennbar. Es ist wenig greifbares bis jetzt passiert“, fasste er die Startup-Politik der großen Koalition zusammen. Die Politik müsse endlich anfangen diesen Wirtschaftszweig zu verstehen. Denn Startups seien „der Mittelstand von morgen“.

Die jungen Unternehmen spürten die negativen Auswirkungen politischer Entscheidungen zudem direkt. So geben mehr als die Hälfte der 1000 Befragten an, dass die Einführung des Mindestlohns sich negativ auf die Gründerszene ausgewirkt habe.

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Zwei von drei Startups hätten deshalb auch ihre Einstellungspolitik für Praktikanten geändert. So gaben 51 Prozent an, weniger oder gar keine Praktikanten mehr zu beschäftigen. Und das, obwohl das Praktikum in der Startup-Szene oft eine Ausbildungsfunktion habe und als Weg zu einem festen Job gelte, so Nöll.

Deswegen sei man prinzipiell zwar für einen flächendeckenden Mindestlohn, fordere aber die Aussetzung bei Praktikanten bis zu mindestens sechs Monaten. Dass 42 Prozent der Befragten keinen negativen Einfluss durch den Mindestlohn empfanden, erwähnte der Vorsitzende des Bundesverbands allerdings nicht.

Die größten Rocket-Startups

Dafiti

Der 2011 gegründete Modehändler ist in Südamerika aktiv. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei umgerechnet gut 146 Millionen Euro. Mit einem Verlust von 800 000 Euro war Dafiti von den großen Rocket-Startups am nächsten dran an der Gewinnzone. Mitte dieses Jahres kam Dafiti auf knapp 1,8 Millionen aktive Kunden. Rocket Internet gehören 22,7 Prozent von Dafiti. (Quelle: dpa)

Lamoda

Das ist Rockets Modehändler für Russland, gegründet 2011. Der Umsatz erreichte im vergangenen Jahr umgerechnet gut 122 Millionen Euro, der Verlust lag bei 40,1 Millionen Euro. Mitte dieses Jahres gab es knapp 1,4 Millionen aktive Kunden. Rocket hält an Lamoda einen Anteil von 23,5 Prozent.

03 Westwing

Die Firma verkauft Möbel und Accessoires fürs Zuhause in zwölf Ländern. Der Umsatz erreichte im vergangenen Jahr rund 111 Millionen Euro, der Verlust lag bei gut 41 Millionen Euro. Mitte dieses Jahres gab es rund 580 000 aktive Kunden. Rocket gehört rund ein Drittel des Unternehmens.

Home24

Der Online-Möbelhändler startete 2012. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei rund 93 Millionen Euro, der Verlust erreichte knapp 42 Millionen Euro. Zuletzt gab es 515 000 aktive Kunden. Rocket Internet hält knapp die Hälfte.

Zalora

Die 2012 gestarteten Online-Shops verkaufen Mode nach Südostasien und Australien. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei knapp 69 Millionen Euro, es gab rund 71 Millionen Euro Verlust. Zur Mitte dieses Jahres kam Zalora auf 1,25 Millionen aktive Kunden. Rocket gehört rund ein Viertel des Unternehmens.

Jabong

Die Firma handelt mit Mode im Boom-Markt Indien. In dem Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr kam sie auf einen Umsatz von umgerechnet knapp 57 Millionen Euro, der Verlust lag bei rund 38 Millionen Euro. Der Anteil von Rocket Internet liegt bei rund 21 Prozent, die Kundenzahl wird nicht genannt.

Rund 6000 Neugründer gibt es in ganz Deutschland. Laut der Studie schafft jedes von ihnen im Schnitt 17,6 Arbeitsplätze. In Berlin, der Startup-Metropole Deutschlands, kommen auf ein Startup sogar fast 28 Jobs. Im kommenden Jahr sollen allein 50.000 neue Stellen dazukommen. Allerdings gibt der „Start-up-Monitor“ lediglich den Bruttowert an und rechnet in das Plus nicht die Stellen mit ein, die etwa durch Unternehmenspleiten wegfallen.

Insgesamt könnte die Zahl der Arbeitsplätze also geringer ansteigen als in der Studie prognostiziert. Trotzdem darf man Startups durchaus als Jobmotor bezeichnen – besonders in Berlin. Die boomende Szene macht vor allem die Hauptstadt für viele Arbeitnehmer aus dem Ausland attraktiv. Zehn Prozent der Gründer und knapp 22 Prozent der Arbeitnehmer deutscher Startups kommen aus dem Ausland. Berlin ist gar die internationalste Gründerstadt der Welt. Hier kommt sogar jeder dritte Mitarbeiter nicht aus Deutschland.

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