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15.01.2009

08:13 Uhr

Jochen Sanio

BaFin-Chef gegen „Bad Bank“-Lösung

BaFin-Chef Jochen Sanio hält die Einrichtung einer „Bad Bank“ als Auffangstelle für Ramschpapiere für keine gangbare Lösung aus der Finanzkrise. Auch nach Einrichtung einer solchen Bank würden Unsicherheiten bleiben, so Sanio. Die Deutsche Bank konnte sich über Lob des obersten Bankaufsichtschefs freuen.

BaFin-Chef Jochen Sanio hält eine sogenannte "Bad Bank" für keine geeignete Maßnahme in der Finanzkrise. Foto: dpa dpa

BaFin-Chef Jochen Sanio hält eine sogenannte "Bad Bank" für keine geeignete Maßnahme in der Finanzkrise. Foto: dpa

pk/HB FRANKFURT. Auch mit der „systematischen Dekontaminierung einer Bank würde man der vermaledeiten Ungewissheit kein Ende bereiten“, sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Mittwochabend in Frankfurt. „Der Staat würde maximal die Aktiva aus der Bank herauskaufen, die bis dato als „vergiftet“ identifiziert worden sind“.

Bei einer „Bad Bank“ bestehe die Gefahr, dass neben dem Giftmüll strukturierter Papiere immer neue Risiken dort abgeladen wurden. Der Staat musste dann quasi eine „Blanko-Ankaufsgarantie“ für alle zukünftigen Eventualitäten abgeben. Dies sei nicht mehr quantifizierbar und brächte unlösbare Bewertungsprobleme mit sich. Ein solches Vorgehen könne man nur in Erwägung ziehen, wenn bei einer Bank alle herkömmlichen Maßnahmen nicht mehr wirkten. „Allerdings sollte man dann überlegen, ob eine Zwangsverstaatlichung als Ultima Ratio nicht besser wäre“.

Stattdessen gehe es darum, die Möglichkeiten des staatlichen Rettungsfonds Soffin auszuschöpfen, forderte Sanio: „Man hat den Instrumentenkasten des Soffin noch gar nicht ausprobiert, da wird schon nach einem abrupten Methodenwechsel gerufen“. Da es dabei um Steuermittel gehe, dürfe natürlich kein Geld aus dem Fenster geworfen werden. „Es wäre jedoch fatal, wenn der Staat bei einem Stützungsfall anfinge, herumzudoktern und sich dem benötigten Betrag experimentell in mehreren Schritten näherte“. Der Markt verlange allerdings derzeit Kernkapitalquoten, „die meilenweit über das hinausgehen, was wir Aufseher je für erforderlich halten würden“. Sanio nannte einen Wert von sieben bis acht Prozent.

Erste leichte Entspannungstendenzen am Geldmarkt hätten noch keinen „Hallo-Wach-Effekt“, so Sanio weiter. Die Einengung von Credit-Spreads in den ersten Januartagen sei noch kein Zeichen für eine Marktberuhigung.

Der BaFin-Chef lobte die frühe Bilanzierung des Jahres 2008 durch die Deutsche Bank. „Ein großes deutsches Institut hat heute den Anfang gemacht und die Wahrheit nicht auf die lange Bank geschoben, was aller Ehren wert ist“, kommentiere Sanio die frühen Vorab-Zahlen. Die größte deutsche Bank hatte am Mittwoch anhand vorläufiger Zahlen einen Milliardenverlust für das vergangenen Jahr mitgeteilt.

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