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12.04.2013

13:10 Uhr

Joschka Fischer

„Wir brauchen die Schuldenvergemeinschaftung“

VonStefan Kaufmann

Vom Sponti zum Rentner? Nein danke! Joschka Fischer arbeitet auch heute, an seinem 65. Geburtstag: Als Gastredner spricht der frühere deutsche Außenminister vor Finanzmanagern - und provoziert seine Zuhörer.

Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) wird heute 65. dpa

Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) wird heute 65.

MannheimEs hat sich herumgesprochen, dass der Ehrengast Geburtstag hat. 65 wird er schon, wissen einige, die im Foyer des Congress Centers Rosengarten in Mannheim zusammenstehen. Und wie er zurzeit wohl in Form ist? Drahtig wie zu besten Marathonzeiten oder doch wieder füllig? Er hat sich ja rar gemacht, sagt einer, aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Wollte ja auch seinen Geburtstag nur im ganz kleinen Kreis feiern. „Dann möchte ich nicht wissen, wie es aussieht, wenn er im großen Kreis feiert“, ruft einer in die Runde. Gelächter.

Denn es sind rund 700 Gäste aus der Finanzwelt, die Fischer am heutigen Freitag in Mannheim begrüßt. Die danken den Besuch des früheren Bundesaußenministers auf dem dreitägigen Finanzsymposium des Veranstalters Schwabe, Ley & Greiner mit einem spontanen „Happy Birthday“ inklusive verlegenem „lieber Joschka“. Der Jubilar erhebt sich zu einer Verbeugung.

Wie ein Geburtstagsgeschenk ist auch das Thema, auf das sich die Veranstalter mit Fischer geeinigt haben. „Europa 2.0 – Lösungsansätze zu aktuellen Herausforderungen.“ Europa! Das Leib- und Magenthema Fischers, der zwar am Rednerpult einige Blätter aus einer Mappe zieht, seinen Blick in den folgenden 30 Minuten aber nie darauf lenkt.

Denn er weiß, was er zu sagen hat. Es sind Sätze wie „Europa ist unser Schicksal“ und „Ohne Europa werden wir in der Welt des 21. Jahrhundert keine Rolle mehr spielen“. Aber er sagt sie nicht einfach so daher, er hat Inbrunst und plötzlich scheinen ein Ende des Euro oder ein Abbau der Europäischen Union Gedankenspiele aus Absurdistan zu sein.

Joschka Fischer war schon einmal Gast des Finanzsymposiums, in einer Zeit vor der Euro-Krise. „Wenn Sie mich im August 2008 gefragt hätten, ob Europa in eine Existenzbedrohende Krise geraten könnte, hätte ich gesagt: Jetzt rüsten Sie mal ab, wir wollen nicht gleich spinnen.“ Und jetzt? „Ist die Krise Realität.“

Joschka Fischer auf dem Finanzsymposium an seinem 65. Geburtstag. Foto: Stefan Kaufmann

Joschka Fischer auf dem Finanzsymposium an seinem 65. Geburtstag. Foto: Stefan Kaufmann

Die Finanzkrise habe aber auch andere getroffen, wie die USA und Japan, doch dort gibt es im Gegensatz zu Europa neben einer einheitlichen Währung auch eine politische Union. Fischer: „Dass das in Europa nicht so ist, erweist sich in der Krise als fatal.“ Der Weg könne nur über eine Bankenunion zu einer Fiskalunion führen. „Es kann zum Beispiel nicht funktionieren, wenn die Menschen in dem einen Land mit 58 Jahren und in dem anderen mit 67 in Rente gehen.“ Aber, sagt Fischer, eine Fiskalunion ohne eine politische Union sei für ihn nicht vorstellbar.

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In der Pflicht sieht der ehemalige Vize-Kanzler Deutschland und Frankreich. Sie müssen voranschreiten. Gerne auch als Vorhut, Hauptsache auf Augenhöhe. „Eine Starkwährungsunion des Nordens mit Frankreich als Juniorpartner, solche Fantasien können Sie vergessen“, ruft er den Finanzmanagern im Saal zu.

Und er sagt noch mehr, was einige Besucher ungern hören. „Um den Euro zu halten, brauchen wir erstens eine Schuldenvergemeinschaftung und zweitens eine Altschuldenregelung.“ Eine solche Regelung habe Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg sehr geholfen wieder auf die Beine zu kommen. „Damals haben sich die Alliierten sehr großzügig gezeigt“, sagt Fischer. „Leider sind wir Deutschen extrem kurzsichtig und vergesslich.“

Kommentare (131)

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Gast

12.04.2013, 12:12 Uhr

Ich würde sagen zur Kurzsichtigkeit kommt auch noch ein sehr schlechtes Gedächtnis. Ausser wenn's um die Weltkriege geht. Alles andere fällt schnell unter den Teppich.

AxelSiegler

12.04.2013, 12:13 Uhr

.. "Schuldenvergemeinschaftung", "AltschuldenREGELUNG" (natürlich im Sinne von: ERLASS, also: geschenkt) > überall, wo Linke Perspektiven ziehen, gehen sie zulasten Deutschlands! Kein Wunder, wenn deren Fusstruppen unablässig "DEUTSCHLAND VERRECKE!" skandieren.
Und, nur'mal nebenbei: „Es kann zum Beispiel nicht funktionieren, wenn die Menschen in dem einen Land mit 58 Jahren und in dem anderen mit 67 in Rente gehen.“ - wieso nicht bitteschön? *???*

Staatssklave

12.04.2013, 12:14 Uhr

"Denn es sind rund 500 Gäste aus der Finanzwelt, die Fischer am heutigen Freitag in Mannheim begrüßt. Die danken den Besuch des früheren Bundesaußenministers auf dem Finanzsymposium mit einem spontanen „Happy Birthday“ inklusive verlegenem „lieber Joschka“. Der Jubilar erhebt sich zu einer Verbeugung."

Das kann doch nicht wahr sein! Mir kommt es hoch wenn ich lesen muss wie dieser "Ex-Sponti" und Pseudostaatsmann sich ausgerechnet auf einem Finanzsymposium hochleben lässt. Der Typ ist inzwischen so "verbogen" das er sich wahrscheinlich nicht mehr selbst erkennt. Überhaupt: Selbsterkenntnis - das fehlt sicherlich 90% unseres Politpersonals.

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