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11.06.2014

12:16 Uhr

Journalisten-Verband

„Herr Wulff macht es sich zu einfach“

VonDietmar Neuerer

Exklusiv„Von Anfang an verfolgt“, „in die untersten Schubladen gegriffen“: Ex-Bundespräsident Christian Wulff greift die Presse an und erntet dafür Widerspruch. Der Journalisten-Verband hält die Kritik nicht für gerechtfertigt.

Christian Wulff bei seiner Buchvorstellung: Kein Pardon der Springer-Presse. AFP

Christian Wulff bei seiner Buchvorstellung: Kein Pardon der Springer-Presse.

BerlinDer Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hält die Kritik von Ex-Bundespräsident Christian Wulff an Vertretern von Justiz und Medien für überzogen. Insbesondere die in seinem autobiografischen Buch „Ganz oben Ganz unten“ gegen den Springer-Verlag erhoben Vorwürfe hält Verbandschef Michael Konken nicht für gerechtfertigt. „Mit dieser Sicht der Dinge macht Herr Wulff es sich zu einfach. Über die damals ungeklärten Ungereimtheiten hat nicht nur die Springer-Presse recherchiert und geschrieben, sondern zahlreiche weitere Medien“, sagte Konken Handelsblatt Online.

Wulff war vor zwei Jahren infolge der Affäre um die angebliche Annahme von Vorteilen als Bundespräsident zurückgetreten. Der Springer-Presse warf er vor, ihn von Anfang „verfolgt“ und dabei „in die untersten Schubladen gegriffen“ zu haben. Der dadurch entstehende Druck der Medien habe schließlich dazu geführt, dass die Staatsanwaltschaft Hannover die Aufhebung seiner Immunität beantragte, sagte Wulff bei der Vorstellung seines Buches am Dienstag in Berlin. Damit sei sein Rücktritt unausweichlich gewesen.

Christian Wulff: Ein Steckbrief

Geburt

Christian Wulff ist am 9. Juni 1959 in Osnabrück als Christian Wilhelm Walter Wulff geboren.

Ausbildung

Sein Abitur bestand Wulff 1980 mit der Note 1,9. Danach studierte Wulff bis 1986 Jura in seiner Heimatstadt Osnabrück.

Beruf

1990 Niederlassung als Rechtsanwalt in Osnabrück .

Partei

1975 CDU-Eintritt, 1978-1980 Bundesvorsitzender Schüler-Union, 1994-2008 Landesvorsitzender in Niedersachsen, seit 1998 stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender.

Abgeordneter

Von 1986 bis 2001 im Rat der Stadt Osnabrück, von 1994 bis 2010 im niedersächsischen Landtag

Wahlen

Niederlagen: 1994 und 1998 erfolglose Kandidatur gegen Gerhard Schröder (SPD) um das Amt des Ministerpräsidenten in Hannover.

Wahlsiege: 2003 Gewinn der Landtagswahl und Ministerpräsident Niedersachsens bis 2010, im gleichen Jahr wird Wulff im dritten Wahlgang zum Bundespräsidenten und somit zum Staatsoberhaupt gewählt.

Familie

Verheiratet: Von 1988 bis 2006 mit Rechtsanwältin Christiane; von 2008 bis 2013 mit Journalistin Bettina.

Kinder: aus erster Ehe Tochter Annalena (geb. 1993), gemeinsam mit Bettina Sohn Linus Florian (geb. 2008); Bettina Wulff hat aus früherer Beziehung Sohn Leander (geb. 2003).

DJV-Chef Konken sprach sich dafür aus, das Verhältnis zwischen Justiz und Medien auf den Prüfstand zu stellen, „aber in anderer Weise, als Herr Wulff das meint“, fügte er hinzu. Es gebe die Tendenz, so Konken, dass in Gerichtsprozessen einzelne Parteien „die Medien für sich zu instrumentalisieren versuchen“, wie dies etwa im Fall Kachelmann geschehen. „Dabei müssen Journalisten aufmerksamer sein. Das hat aber nichts mit dem Fall Wulff zu tun“, betonte der DJV-Chef.

Der Wettermoderator Jörg Kachelmann war vor drei Jahren nach einem langen Gerichtsverfahren vom Vorwurf der Vergewaltigung seiner Ex-Freundin freigesprochen worden. Die Mannheimer Richter kritisierten damals in ihrer Urteilsbegründung die einseitige Berichterstattung und frühe Parteinahme etlicher Zeitungen und Journalisten.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

11.06.2014, 16:39 Uhr

„Medien haben ihre Wächterfunktion ernst genommen“

Ich sage jetzt nicht, was man mit der dreisten Lügenjournaillie machen sollte, sonst gelte ich noch als Nazi. Aber denken darf ich's.

Account gelöscht!

12.06.2014, 10:21 Uhr

Wulff? Ist das nicht der Herr, der die Pressefreiheit in Deutschland einschränken, abschaffen wollte??

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