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24.05.2014

16:59 Uhr

Jubel und Protest

Zwei Lager beim Erdogan-Besuch

Überall Türkei-Flaggen in Köln. Zehntausende Gegner und Anhänger des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan sind unterwegs. Die einen protestieren gegen seine Politik. Die anderen können seinen Auftritt kaum erwarten.

Ein Plakat, das für den Erdogan-Auftritt in der Lanxess-Arena wirbt, bei der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD). dpa

Ein Plakat, das für den Erdogan-Auftritt in der Lanxess-Arena wirbt, bei der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD).

KölnJubelnde Anhänger, lautstark protestierende Gegner - und überall die türkische Flagge: Der umstrittene Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan teilt die Millionenstadt Köln am Samstag in zwei Lager. Auf der rechten Rheinseite strömen immer mehr Menschen Richtung Lanxess-Arena. Am Nachmittag warten dort weit mehr als 10.000 Erdogan-Anhänger auf dessen Rede am Abend. Linksrheinisch formiert sich vehementer und wütender Protest von – laut Polizei – rund 30.000 Demonstranten gegen den islamisch-konservativen Politiker.

„Wir wollen ihn nicht. Wir setzen ein Zeichen und zeigen, dass viele türkeistämmige Menschen in Europa gegen die Politik von Erdogan aufstehen“, sagt die Studentin Esra. „Für die Explosion in Soma und die Sicherheitsmängel ist die AKP-Regierung von Erdogan verantwortlich.“ Dass der Ministerpräsident vor der türkischen Präsidentschaftswahl im August und kurz nach dem tödlichen Grubenunglück in Soma nun in Köln eine „Jubelshow“ vor seinen Anhängern inszeniere, sei geschmacklos.

Türkischer Premier Erdogan kämpft an mehreren Fronten

Korruptionsaffäre

Die Türkei wird seit Mitte Dezember 2013 von einem Korruptionsskandal erschüttert. Die Ermittlungen erstreckten sich auch auf die Familien von Ministern. Es folgte eine „Säuberungswelle“ in Polizei und Justiz, bei der Hunderte Beamte zwangsversetzt wurden.

Proteste

Die Protestbewegung gegen die Regierung dauert im Sommer 2013 wochenlang an. Im Mai räumen Polizisten mit einem brutalen Einsatz ein Protestcamp im Istanbuler Gezi-Park. Es folgen weitere Zusammenstöße auch in anderen Städten. Es gibt Festnahmen und Tote.

Ergenekon-Prozess

Ein Geheimbund namens „Ergenekon“ soll versucht haben, die islamisch-konservative Regierung zu stürzen. Viele der mehr als 270 Beschuldigten müssen für Jahrzehnte ins Gefängnis - darunter Militärs, Politiker, Journalisten und Akademiker.

Alkoholgesetz

Ein umstrittenes Alkoholgesetz tritt im September 2013 in Kraft. Unter anderem ist der Verkauf von Alkohol nach 22.00 Uhr verboten. Die Regierung beschränkt zudem die Werbung für Alkohol. Der Widerstand gegen das Gesetz kommt von Türken, die Erdogan eine Islamisierung des Landes vorwerfen.

Wohnen

Erdogans Kritik an gemeinsamen Studentenheimen für Frauen und Männer löst Ende 2013 Kritik aus. Regierungspolitiker kündigen laut Medienberichten an, gegen gemischte Häuser vorzugehen. Oppositionelle kritisieren eine Einmischung in Privatangelegenheiten.

„Der deutschen Bevölkerung muss gezeigt werden, dass man einem Diktator wie Erdogan keinen Platz lassen und auch keine Bühne geben sollte“, meint Ümit Üc, der in einem Demo-Zug durch die Innenstadt mitmarschiert. Auf Plakaten ist zu lesen: „Erdogan, du bist kein Demokrat“ oder „Erdogan: Räuber, Mörder, Lügner“.

Manche tragen Sicherheitshelme mit dem Aufschrift „Soma“. So auch Behlül Cevikel: „Es ist menschenverachtend, wenn jemand so kurz nach einem Minenunglück nach Deutschland kommt, weil er hier 1,5 Millionen Wahlberechtigte gewinnen möchte.“

Zekiye Baskin ergänzt: „Er will Präsident werden, aber wir wollen diesen Betrüger nicht. Er unterdrückt alle, die ihn nicht unterstützen“, meint die Muslimin. Es wird erwartet, dass Erdogan im August für das Präsidentenamt der Türkei kandidiert.

Kommentare (1)

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26.05.2014, 18:30 Uhr

Türkei in die EU? Versteht man dies geografisch, dann gehört die Türkei nicht dazu. Politisch vielleicht, dann können aber auch China, Indien Brasilien usw. Mitglied werden.Nur erhält man keine Auskunft, was versteht man unter Europa = EU!

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