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23.01.2007

15:15 Uhr

Jubelnde Bayern

Stoiber fliegen die Herzen zu

Auf seiner letzten Etappe spielt Edmund Stoiber (CSU) eine neue Rolle: den König der Herzen. Überall in Bayern wird er mit begeistertem Applaus begrüßt – ob in Bamberg, beim Münchner Filmball oder in einer Ingolstädter Schule. Freude über seinen Rückzug oder echter Respekt? Der Versuch einer Erklärung.

Wieder beliebter: Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber. Archivbild: dpa, 10.11.1999 dpa

Wieder beliebter: Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber. Archivbild: dpa, 10.11.1999

MÜNCHEN. Im Jubel für Stoiber mischen sich zwei Empfindungen: Erleichterung, dass Stoiber geht - aber auch echter Respekt. Anders als sein Mentor Franz Josef Strauß genoss Stoiber während seiner langen Laufbahn stets Achtung, doch Zuneigung brachten ihm CSU-Basis und Bevölkerung nicht entgegen. Das scheint sich nun zu ändern.

„Er wird genau das zurückgewinnen, was ein Stück weit verloren gegangen war: Sympathie“, sagt Landtagspräsident Alois Glück (CSU). „Mit dieser Entscheidung hat er die Herzen der Menschen zurückgewonnen.“

Die gewendete Stimmung war bereits bei Stoibers erstem Auftritt ummittelbar nach seiner Rücktrittsankündigung am vergangenen Donnerstag zu spüren. Bei einem Neujahrsempfang in Bamberg zollte die CSU-Basis dem viel Gescholtenen Respekt. „Ich finde es eine großartige Leistung, an einem Tag, wo er seinen Rücktritt erklärt, nach Bamberg zu fahren und eine Rede zu halten, in der er sich nicht selbst bedauert, sondern Themen anspricht, die für die Zukunft von Bayern und von Deutschland von Bedeutung sind“, sagte der Bamberger Landrat Günther Denzler.

Genau diese Neigung zu kühler Nüchternheit machte Stoiber in den vergangenen Jahren zu schaffen, doch nun wird sie ihm auf einmal hoch angerechnet. Auch wenn es um Menschliches ging, redete Stoiber viel lieber von der Zukunft Bayerns. Unmittelbar nach Beginn der Krise vor Weihnachten wischte er Fragen zu den Spitzelvorwürfen der Fürther Landrätin Gabriele Pauli noch brüsk weg. „Ich behandle hier die Zukunftsfragen Bayerns, und das ist mein Thema“, sagte er. Stoiber schien immer von dem Glauben geleitet, zwischenmenschliche Probleme durch die nächste High-Tech-Offensive wegwischen zu können.

In der CSU-Landtagsfraktion räumen viele Abgeordnete ein, dass nicht die Inhalte von Stoibers Politik den Ausschlag für den Absturz gaben, sondern das Menschliche. Schließlich steht Bayern im Vergleich der Bundesländer glänzend da. Und manches, was in Bayern als Problem gilt, wäre in weniger glücklichen Bundesländern ein Erfolg.

So misstrauisch sich viele Mitglieder des CSU-Vorstands derzeit auch gegenseitig beäugen - in einem Punkte scheint das Gremium sich einig: Stoiber soll ein würdiger Abgang ermöglicht werden. „Er kann jetzt zu Recht das Lob und den Ruhm für seine 25-jährige Tätigkeit in der Staatsregierung und seine 14-jährige Amtszeit als Ministerpräsident ernten“, sagt CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann. „Das wird ihm niemand neiden.“

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