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24.08.2016

13:48 Uhr

Junge Muslime in Deutschland

Kampf gegen die Radikalisierung

Rheinland-Pfalz will mit einem neuem Konzept die Radikalisierung junger Leute verhindern. Der Großteil gewaltbereiter Islamisten ist zwischen 20 und 35 Jahre alt. Ein Sozialforscher erklärt, wo die Ursachen dafür liegen.

Rheinland-Pfalz will die Radikalisierung junger Muslime verhindern. dpa

Moschee in Berlin

Rheinland-Pfalz will die Radikalisierung junger Muslime verhindern.

KoblenzDer Sozialforscher Stephan Bundschuh geht davon aus, dass die Radikalisierung junger Muslime ungebremst weitergeht. „Solange im Nahen und Mittleren Osten die Destabilisierung ganzer Regionen weiter voranschreitet, sich dadurch eine Gewaltorganisation wie der IS (Islamischer Staat) als Heilsbringer darstellen kann und im europäischen Raum (...) die Stigmatisierung von Muslimen nicht aufhört, werden wir mit diesem Problem zu tun haben“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe zwar nur wenige potenzielle Gewalttäter. Eine Gewalttat genüge aber, um die Polarisierung entlang religiöser und kultureller Grenzziehung zu beschleunigen.

Die rot-gelb-grüne Landesregierung in Rheinland-Pfalz will die Radikalisierung junger Leute hin zum Islamismus verhindern. Jugendministerin Anne Spiegel (Grüne) und Innenminister Roger Lewentz (SPD) stellen an diesem Mittwoch in Mainz ein entsprechendes Konzept vor, das neue Projekte und bestehende Angebote bündelt. Für Betroffene und deren Angehörige gibt es Beratung und Hilfe beim Aussteigen.

In Rheinland-Pfalz wurden Ende des ersten Halbjahres 570 Islamisten gezählt, als gewaltbereit galten 40 Menschen. Der Großteil der gewaltbereiten Gruppe ist nach Angaben des Innenministeriums zwischen 20 bis 35 Jahre alt.

Vereitelte islamistische Anschläge in Deutschland

April 2002

Seit den Attacken vom 11. September 2001 in den USA wurden eine Reihe von Anschlägen in Deutschland vereitelt. Einige aufsehenerregende Fälle im Überblick.
Im April 2002 nimmt die Polizei Anhänger der zum Al-Kaida-Netzwerk zählenden Terrorgruppe Al-Tawhid fest. Die Männer planten Angriffe auf das jüdische Gemeindezentrum in Berlin und jüdische Gaststätten in Düsseldorf. Sie werden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Dezember 2004

Mitglieder der Islamistengruppe Ansar al-Islam planen, Iraks Ministerpräsidenten Ijad Allawi während eines Deutschland-Besuchs zu ermorden. Drei Iraker erhalten deshalb langjährige Haftstrafen. Der verurteilte Chefplaner des Anschlags wird im September 2015 in Berlin von einem Polizisten erschossen, nachdem er dessen Kollegin mit einem Messer schwer verletzt hatte.

September 2007

Die islamistische Sauerland-Gruppe wird gefasst. Die vier Mitglieder werden wegen geplanter Terroranschläge auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland zu mehrjährige Freiheitsstrafen verurteilt.

April 2011

Ermittler nehmen in Düsseldorf drei mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder fest, die einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant hatten. Im Dezember 2011 wird in Bochum ein viertes mutmaßliches Mitglied der Düsseldorfer Zelle gefasst. Die vier Männer müssen mehrere Jahre ins Gefängnis.

März 2013

Die Polizei fasst vier Verdächtige aus der Bonner Islamisten-Szene, die einen Anschlag auf den Chef der rechtsextremen Splitterpartei „Pro NRW“ geplant haben sollen. Einer soll die Bombe in Bonn deponiert haben. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Terroristen in Düsseldorf dauert an.

Februar 2016

Die Polizei kommt einer mutmaßlichen Terrorzelle auf die Schliche und schlägt gleichzeitig in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu. Die vier Verdächtigen hatten womöglich einen Anschlag in Berlin geplant.

Juni 2016

Spezialkräfte der Polizei nehmen drei mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Brandenburg fest. Sie sollen einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben.
(Quelle: dpa)

Oktober 2016

In Leipzig nimmt die Polizei einen Syrer fest. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz hatte der anerkannte Flüchtling Dschaber al-Bakr einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant und bereits weitestgehend vorbereitet.

(Quelle: dpa)

„Prävention kann helfen, wenn sie die erfahrenen Diskriminierungen junger Muslime ernst nimmt; ihre Nöte und Wünsche hört“, erklärte Bundschuh, der Professor der Hochschule Koblenz ist. Junge Muslime müssten die blinde Gewalt des Terrors als das erkennen lassen, was sie sei: nicht die Abschaffung der eigenen Ausgrenzungs- und Ohnmachtserfahrungen, sondern nur deren Erweiterung auf andere. Muslimische Autoritäten und Organisationen müssten dabei in die Präventionsarbeit als gleichberechtigte Akteure eingebunden werden.

Von

dpa

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