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07.12.2014

12:20 Uhr

Jusos-Bundeskongress

Das große Sehnen nach Rot-Rot-Grün

Die große Koalition in Berlin ist für die Jusos ein Übel. Das bekräftigen die Delegierten beim Bundeskongress in Bielefeld über drei Tage. Rot-Rot-Grün ist bei der nächsten Bundestagswahl das große Ziel.

Die Jusos, die Parteijugend der SPD, setzen auf 2017. dpa

Die Jusos, die Parteijugend der SPD, setzen auf 2017.

Bielefeld2017 ist für die Jusos ein magisches Jahr. Die Parteijugend der SPD sieht nach der nächsten Bundestagswahl für Rot-Rot-Grün eine realistische Chance. Erst recht, nachdem in Thüringen die Linke mit Bodo Ramelow zum ersten Mal einen Ministerpräsidenten stellt. Auch wenn in Thüringen das falsche Rot an der ersten Stelle steht, die Juso-Bundesvorsitzende Johanna Uekermann ist von dem Modell überzeugt. „Thüringen zeigt, dass eine Zusammenarbeit möglich ist, Rot-Rot-Grün wird auch im Bund zu einer realistischeren Option“, sagt Uekermann während des Juso-Bundeskongresses der Deutschen Presse-Agentur. Sie führt seit 2013 die Jugendorganisation der Sozialdemokraten.

Aber die Jusos stellen Bedingungen an die Linke. „Antisemitische Spinner dürfen in dieser Partei nicht länger ein Forum erhalten“, fordert Uekermann. Und was ist mit der Außenpolitik der Linken? Mit Nato-Austritt und Militäreinsätzen? Hier spielt Uekermann auf Zeit. „Wir konnten auch in Thüringen vor zwei Jahren nicht davon ausgehen, was jetzt Realität ist“, sagt die Vorsitzende der Jusos, die bundesweit rund 70 000 Mitglieder zwischen 14 und 35 Jahren haben.

Die Politik der großen Koalition sorgt bei den Jusos für Frust und Bauchschmerzen. „Viele Jusos sind unzufrieden. Kompromisse sind natürlich nötig, aber auch schmerzhaft wie zum Beispiel beim Asylkompromiss“, sagt die Vorsitzende. Die Bundestagsabgeordnete Christina Kampmann aus Nordrhein-Westfalen beschreibt die Arbeit in Berlin in ihrem Grußwort anhand von Sprachvariationen. „Es ist schon komisch, wenn wir über das selbe politische Problem reden, verwenden SPD und CDU/CSU in der Groko immer verschiedene Vokabeln.“

Die SPD in Zahlen

Mitglieder

Die SPD hatte Ende Oktober 473.048 Mitglieder. Der Höchststand wurde mit 1,261 Millionen 1923 in der Weimarer Republik erreicht. Das Durchschnittsalter liegt heute bei rund 59 Jahren.

Ortsvereine

Derzeit gibt es rund 9000 Ortsvereine. Nach der Wiedervereinigung waren es in den 1990er Jahren bis zu 10.000.

Teures Jahr

Schatzmeisterin Barbara Hendricks muss 2013 viel Geld locker machen: 23 Millionen Euro soll der Bundestagswahlkampf gekostet haben, über zwei Millionen die Feiern zum 150-jährigen Bestehen der deutschen Sozialdemokratie. Und eine Million wird der Mitgliederentscheid über den Eintritt in die große Koalition kosten.

99,7 Prozent

Das beste Ergebnis bei Wahlen zum SPD-Chef nach 1945. Kurt Schumacher schaffte das 1947 und 1948. Das schlechteste Ergebnis bisher waren die 62,6 Prozent von Oskar Lafontaine bei der Kampfabstimmung 1995 in Mannheim gegen Rudolf Scharping.

Die 300 Delegierte diskutieren über Freihandels-Abkommen und eine neue Arbeitswelt. Sigmar Gabriels Positionierung als Wirtschaftsminister und SPD-Vorsitzender steht dabei oft im Mittelpunkt. „Die SPD braucht einen Vorsitzenden, der nicht sofort einknickt, wenn es kritisch wird“, sagt Uekermann zum Auftakt am Freitag. Die SPD müsse sich als linke Volkspartei positionieren und brauche dazu eine starke Parteilinke. Aber auch eine starke Wirtschaftskompetenz. „Die SPD muss hier selbstbewusster auftreten und mit einem linken Wirtschaftskonzept. Dazu gehören beispielsweise Investitionen statt einem starren Festhalten an einer schwarzen Null“, so Uekermann.

Zur Linkspositionierung kommt Widerspruch eines einzelnen Delegierten aus dem Süden. Die Hamburger und Baden-Württemberger Jusos gelten als pragmatische Minderheit und nicht aus Tradition links.

Andrea Nahles, Vorsitzende der Jusos von 1995-1999, kommt in Rot (Hose) und Weiß (Bluse) nach Bielefeld in die Stadthalle. Der Schlagabtausch der Bundesministerin für Arbeit und Soziales mit Uekermann bleibt friedlich. „Ich habe geflucht, weil Ihr mich eingeladen habt, denn ich habe eine Tochter und heute am 6. Dezember ist Nikolaus“, sagt die Ministerin und bricht damit das Eis. Nur einmal geht es unter die Gürtellinie. Nahles fühlt sich persönlich verletzt, als der Nachwuchs ihr als Mitglied der Bundesregierung die Ausnahmen beim Mindestlohn vorwirft: „Das tat schon weh“ - die Groko schmerzt auf beiden Seiten.

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