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29.01.2013

19:06 Uhr

Kaltreserve muss her

Starkwind fordert das Stromnetz heraus

Es ist paradox: Weil der Wind stark bläst und im Norden viel Strom in das Netz presst, müssen in Österreich Reservekraftwerke angeworfen werden. Trotzdem wird Strom ausgerechnet nach Österreich exportiert.

Ein Offshore-Windpark in der Nordsee. dpa

Ein Offshore-Windpark in der Nordsee.

BerlinEnergieexpertin Charlotte Loreck vom Berliner Öko-Institut fällt spontan das Bild von einem großen Tuch ein, das in der Höhe gehalten werden soll. Dafür müsse es an allen Seiten festgehalten werden. Ähnlich sei es mit dem Stromnetz, sagt sie. Wenn der Strom nicht gleichmäßig verteilt ist und vernünftig fließt, kann die gesamte Stabilität gefährdet sein.

Genau dieses Risiko fürchtete der süddeutsche Übertragungsnetzer Tennet, weil eine Starkwindphase im Norden viel Strom in das Netz presste, im Süden aber zu wenig Strom zur Verfügung stehen könnte. Daher zapfte Tennet am Dienstag zum ersten Mal in diesem Winter Strom aus Reservekraftwerken an.

Wo in Deutschland der meiste Solarstrom produziert wird

Platz 1

Absoluter Spitzenreiter in Sachen Solarenergie ist Bayern: Mit 9422 Megawatt Nennleistung stehen fast 30 Prozent der gesamten deutschen Nennleistung der Solarenergie in dem südlichen Bundesland. Bayern ist jedoch mit 5.257 Megawatt Nennleistung auch führend in Sachen Kernenergie. Zwei der vier Atomkraftwerke gehören Eon, die anderen beiden RWE.

Platz 2

Den zweiten Platz bei der Solarenergie belegt Baden-Württemberg. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 4.286 Megawatt Strom erzeugen, das entspricht einem Anteil von 13 Prozent an der gesamten in Deutschland installierten Leistung im Bereich Solar. Ganz weit vorne liegt das Bundesland bei den Pumpspeicherkraftwerken: In Baden-Württemberg stehen Anlagen mit einer Nennleistung von 1.873 Megawatt.

Platz 3

Platz 3 der Bundesländer mit den meisten Solaranlagen belegt mit 3.569 Megawatt Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland ist jedoch auch Spitzenreiter bei der klimaschädlichen Braunkohle: Fast die Hälfte der deutschen Gesamtleistung produzieren die Kraftwerke dort.

Platz 4

Den vierten Platz im Ranking der Bundesländer belegt Niedersachsen mit 3.043 Megawatt installierter Leistung. Absolute Spitze ist das Land jedoch in Sachen Windkraft an Land: Fast ein Viertel der installierten Leistung in Deutschland steht dort.  

Platz 5

Brandenburg führt die Gruppe der Ostländer an und belegt den fünften Platz im Ranking: 2.629 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 6

Den sechsten Platz bei der Solarenergie belegt Hessen. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 1.591 Megawatt Strom erzeugen.

Platz 7

Rheinland-Pfalz belegt den siebten Platz im Ranking: 1.471 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 8

Solaranlagen mit 1.433 Megawatt Nennleistung stehen in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit Wind stellt die Sonne den wichtigsten Energieträger für das Land dar.

Platz 9

1.318 Megawatt Solarstrom könnten in Sachsen bei voller Auslastung produziert werden. Hauptstromlieferant ist jedoch die Braunkohle – fast die Hälfte der installierten Nennleistung in dem Bundesland geht auf diesen Energieträger zurück.

Platz 10

Schleswig-Holstein belegt den siebten Platz im Ranking: 1.283 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Die Prognosen hatten eine Produktion von bis zu 24 000 Megawatt Windstrom vorausgesagt. An der Leipziger Strombörse fielen die Preise für den kurzfristigen Stromeinkauf für Dienstag auf bis zu 0,8 Cent je Kilowattstunde, normal sind etwa 5 Cent. Im Norden wie im Süden wurde daher reichlich Strom eingekauft.

Das Problem: Der Windstrom aus dem Norden kann mangels Netzen nur bedingt in den Süden geleitet werden. „Das ist unser Flaschenhals, deshalb forcieren wir ja den Netzausbau“, sagt Rudolf Boll von der Bundesnetzagentur. Aber auch die Einkäufer im Süden müssen ihren Strom geliefert bekommen. „Es ist nicht einfach zu erklären“, kommentiert Boll die Turbulenzen im Netz.

Damit das von Energieexpertin Loreck beschriebene Tuch nicht an einer Seite heruntersackt, aktivierte der Übertragungsnetzbetreiber Tennet vier Reservekraftwerke. In Deutschland war dies das Gaskraftwerk Staudinger 4 (Hessen), in Österreich das Kombikraftwerk Theiss in Maria Enzersdorf (Niederösterreich), das Gaskraftwerk Korneuburg (Niederösterreich) und das Gas/Ölkraftwerk Werndorf bei Graz.

Es wurden bis zu 1000 Megawatt angefordert, vor allem um das Netz infolge der sehr unterschiedlichen Stromproduktion stabil zu halten. Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens sagt: „Das ist vorsorglich geschehen“. Eben wegen des Starkwinds im Norden und der daraus resultierenden Implikationen auch für das süddeutsche Netz.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

29.01.2013, 19:29 Uhr

Tja, das kommt davon. Da Politiker nichts vom Cosinus phi wissen, könnte es bald stellenweise dunkel werden. Warum läßt man nicht das Netz so ungefähr einmal wöchentlich absaufen, bis die Politik Vernunft annimmt.

Deutscher-Stromzahler

29.01.2013, 19:37 Uhr

Hätte man das EEG nicht eingeführt und von Anfang an mit dem Quotenmodell gearbeitet, dann hätte man kontrolliert die Energiewende umsetzen können. Das Schmarotzertum der Photovoltaikbranche wäre nicht entstanden und die Kosten hätte man im Griff.

Ingo

29.01.2013, 19:38 Uhr

Das EEG erweist sich einmal mehr als echter Förder-Blödsinn! Der einseitige Ausbau der regenerativen Produktionskapazität macht einerseits Hausbesitzer die in die Fotovoltaik investiert haben und vermögende Kapitalanleger auf der Suche nach Steuersparmodellen Freude. Andererseits wird der Verbraucher durch steigende Umlagen geschröpft.

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