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03.03.2004

12:59 Uhr

Kammer lehnt Garantie für Lehrstellen ab

DIHK: Ausbildungsplatzabgabe ist kontraproduktiv

Eine kontraproduktive Wirkung der von der rot-grünen Koalition geplanten Ausbildungsplatzabgabe befürchtet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Der Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sprach von einer Erschütterung des Ausbilungsmarktes, die noch in diesem Jahr eine Verdoppelung der Ausbildungsplatzlücke auf 40 000 fehlende Stellen zur Folge haben könnte.

HB BERLIN. Er kommentierte die Forderung großer Teile der SPD nach einer Garantie der Wirtschaft, für ausreichend Lehrstellen zu sorgen: „Eine Garantie kann es vom Grundsatz her nicht geben“. Das läge nicht zuletzt an den geburtenstarken Jahrgängen in Westdeutschland, die im laufenden Jahr auf den Ausbildungsmarkt drängten. Diese Herausforderung kann die Wirtschaft nicht allein bewältigen. Schulen, Arbeitsverwaltung und Politik seien hier mit in der Verantwortung und müssten nach Lösungen suchen. „Wenn ein Akteur von vielen eine Garantie abgibt, lehnen sich im Zweifel die anderen zurück“, sagte Wansleben.

Der DIHK habe ohne die geplante Abgabe bessere Chancen, trotz der wahrscheinlich steigenden Zahl an Ausbildungsplatzbewerbern die Situation in den Griff zu bekommen, wenn nicht gar zu verbessern. Die jüngste DIHK-Umfrage unter 14 000 Ausbildungsbetrieben habe ergeben, dass in diesem Jahr neun Prozent der Unternehmen mehr Azubis einstellen wollen. Gleichzeitig verringern aber auch 12 Prozent ihre Auszubildendenquote. Den Hauptgrund sieht Wansleben in der anhaltenden Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft. Falls die Ausbildungsplatzabgabe tatsächlich eingeführt werden sollte, will jedes sechste Unternehmen seine Ausbildungsmöglichkeiten aufschieben oder reduzieren.

Wansleben wies weiterhin auf das leichte Plus hin, das sich zum Ende letzten Jahres bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen ergäben hätte. Das hätten die zusätzlichen Anstrengungen nach dem Minus von 0,9 Prozent ergeben, welches am 30. September festgestellt worden sei. Das lasse sich mit den bisherigen Maßnahmen effektiver ausbauen als mit einer Pflichtabgabe. Es sei für die Unternehmen „ein Befreiungsschlag“, wenn SPD-Fraktionschef Franz Müntefering auf das angedrohte Umlagegesetz verzichten und stattdessen alle Beteiligten zur Lösung der Probleme an einen Tisch holen würde, sagte Wansleben. Zur Frage, ob Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), der die Abgabe ablehnt, sein Amt aufgeben wollte, wenn die Abgabe von seiner eigenen Partei durchgesetzt werde, sagte Wansleben: „Hoffentlich bleibt er im Amt, denn er ist ein guter Minister.“

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