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01.02.2010

08:06 Uhr

Kampf gegen Anglizismen

Ramsauer bleibt Ramsauer

VonThomas Sigm

Spätzle-Englisch von Günther Oettinger in Brüssel. Guido Westerwelle hat einen neuen Spitznamen: "Westerwave". Kaum eine Woche vergeht mehr, ohne dass die Bürger sich über die Sprachkenntnisse ihrer Volksvertreter amüsieren dürfen oder inzwischen fast schon müssen.

Verkehrsminister Ramsauer sagte den Anglizismen den Kampf an Quelle: Reuters

Verkehrsminister Ramsauer sagte den Anglizismen den Kampf an

HB. Das Thema, wie und wie oft ein Spitzenpolitiker englisch spricht, geht immer mehr auf die Nerven. So mancher wünscht sich vielleicht bereits, davon besser nie etwas gehört zu haben.

Aber die Bundesminister selbst lassen nicht locker und liefern immer wieder neue Geschichten: Diesmal ist es Verkehrsminister Peter Ramsauer. Der Oberbayer mit dem Wahlkreis rund um das Rentnerparadies Bad Reichenhall hat jetzt die Flucht nach vorne ergriffen und den Anglizismen in seinem Ministerium den Kampf angesagt. Ramsauer erließ für sein Haus ein striktes "Denglisch"-Verbot, also die Vermischung deutscher und englischer Begriffe.

So heißt das "Travel Management" im Verkehrsministerium künftig wieder "Reisestelle". Statt "Task Forces" arbeiten bei Ramsauer jetzt wieder "Projektgruppen". Und statt zum "Inhouse Meeting" kommen die Ministerialbeamten nun zum "hauseigenen Seminar" zusammen. "Ich will, dass im Haus wieder mehr Deutsch gesprochen wird", sagt Ramsauer. Fast alles bekommt also einen neuen Namen. Nur Ramsauer bleibt Ramsauer.

Kommentare (4)

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Ramsauer for President

01.02.2010, 11:35 Uhr

ich bleibe dabei: Ramsauer wurde immer unterschätzt. Guter Mann. Weiter so.

Diese anglizistisch-amerikanische Hörigkeit muß aufhören. Sie zeugt nicht nur von mangelndem Selbstbewusstsein sondern schadet uns auch in wirschaftlicher Hinsicht.

besprechungen in deutschen Firmen auf englisch (nur weil von zehn Teilnehmern einer Amerikaner ist, der zu blöd oder arrogant war, eine Fremdsprache zu lernen) senken das Gesprächsniveau (Tiefe, Geschwindigkeit) der gesamten Gruppe.

Gerichtsprozesse auf englisch (der Vollidiot, der sich so etwas ausgedacht hat, hatte offensichtlich zu viel Zeit - aber zu wenig Hirn) stärken einzig und allein den/ die nichtdeutschen Geschäftspartner. Herzlichen Glückwunsch. Wenn es darum geht, sich selbst zu schaden, war Deutschland schon immer Vorreiter.

tomminator

01.02.2010, 21:23 Uhr

Recht hat er. Eine Änderung von "Treffen" in "Meeting" scheint immer etwas entfremdet. Es soll moderner, globaler und damit professioneller klingen, aber die Menschen und der inhalt bleiben doch das Gleiche. Vielleicht sollte man sich mehr auf den Kern als auf die Hülle konzentrieren, denn wie das Kind heißt ist doch letztendlich egal. Um Minderwertigkeitskoplexen vorzubeugen schaut man sich die "Liste der Länder nach biP", dann kann man getrost weiter deutsch sprechen.

Aber "Westerwave" ist doch geil Herr "Ramsour".

Bernhard Zimmermann

01.02.2010, 21:34 Uhr

So ist es richtig! Das transatlantische Nachgelaufe muss endlich ein Ende haben. Da sind z.b. die Franzosen viel Selbstbewusster als wir in Deutschland. Wie hoch ist überhaupt der Prozentsatz der Vollidioten in Amerika, die eine Fremdsprache beherrschen?

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