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07.04.2015

17:17 Uhr

Kampf gegen Arbeitslosigkeit

Betriebsnahe Förderung bringt bessere Jobchancen

Länger ohne Job – manche Arbeitslose müssen da erst wieder langsam ans Arbeitsleben herangeführt werden. Aber nicht jede Förderung ist erfolgreich. Wer Praxiserfahrung mitbringt, hat Vorteile.

Arbeitslose die Betriebsnah gefördert wurden, haben bessere Jobchancen. dpa

Arbeitsmarkt

Arbeitslose die Betriebsnah gefördert wurden, haben bessere Jobchancen.

NürnbergBetriebsnah geförderte Arbeitslose haben nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern die besseren Jobchancen. Die mit Praktika in Unternehmen trainierten Arbeitslosen behielten im Schnitt länger ihre Arbeit als Jobsuchende, die von Fortbildungsinstituten auf die Rückkehr ins Arbeitsleben vorbereitet würden.

Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Bundesagentur hervor. Zu den arbeitgebernahen Förderungen gehören auch Eingliederungszuschüsse an einstellungswillige Arbeitgeber.

Im Rahmen von Betriebspraktika trainierte Arbeitslose seien zwei Jahre nach dem Ende der Förderung im Schnitt 485 Tage in Arbeit gewesen. Bei den Absolventen außerbetrieblicher Förderkurse seien es 218 Tage gewesen. „Die Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Wiedereingliederung bei einem Träger (Bildungsinstitut) sind überwiegend von kurzer Dauer und haben geringe Wirkung auf den Arbeitserfolg“, bilanzieren die Nürnberger Arbeitsmarktforscher.

Die Historie der Hartz-Reformen

Startschuss 2012

Am 22. Februar 2002 wurde durch die Bundesregierung unter Gerhard Schröder eine Kommission mit dem Namen „Kommission für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ – kurz „Hartz-Kommission“ – eingesetzt. Sie gilt als Startschuss für die späteren Hartz-Reformen.

Peter Hartz

Peter Hartz ist ein ehemaliger deutscher Manager, der die „Hartz-Kommission“ leitete. Er war bis Juli 2005 der Personalvorstand und Vorstandsmitglied der Volkswagen AG. Nach ihm wurden die Arbeitsmarktreformen benannt.

Das Hartz-Konzept

Die Vorschläge der Kommission wurden in vier Phasen (Hartz I bis IV) umgesetzt und traten zwischen dem 1. Januar 2003 und dem 1. Februar 2006 in Kraft.

Ziel der Kommission

Das Ziel der Kommission war es, die Arbeitslosenzahl von damals offiziell vier Millionen innerhalb von vier Jahren zu halbieren. Die Kommission legte im August 2002 einen Bericht vor.

Hartz I

Hartz I beinhaltet einen Gleichstellungsgrundsatz: Leiharbeitnehmer müssen demnach zu denselben Bedingungen wie Stammarbeitnehmer des entleihenden Unternehmens beschäftigt werden. Im Klartext: Gleiche Arbeitszeit, gleiches Arbeitsentgelt und gleiche Urlaubsansprüche.

Hartz II

Hartz II regelt geringfügige Beschäftigungsverhältnisse: Als geringfügig Beschäftigter gilt, wer monatlich bis zu 400 Euro verdient. Der Beitragssatz zur Krankenkasse wird von zehn auf elf Prozent des Bruttolohnes erhöht und der Arbeitgeber zahlt eine pauschale Steuer in Höhe von zwei Prozent des Bruttolohnes.

Hartz III

Das „Dritte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt vom 23. Dezember 2003“ organisierte die Restrukturierung und der Umbau der Bundesanstalt für Arbeit (Arbeitsamt) in die Bundesagentur für Arbeit (Agentur für Arbeit). Die Kommission erhoffte sich davon eine Effizienzsteigerung.

Hartz IV

Ab dem 1. Januar 2005 wurde die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe für Erwerbsfähige vollzogen. Das Einkommen wurde auf ein Niveau unterhalb der bis dahin geltenden Sozialhilfe festgelegt.

Kritik am Hartz-Konzept I

Das ehrgeizige Ziel des Hartz-Konzepts, die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf zwei Millionen Arbeitslose zu senken, wurde nicht erreicht. Gewerkschaften kritisieren die hohen Kürzungen für Hartz-IV-Empfänger.

Kritik am Hartz-Konzept II

Der Gegenseite gehen die Kürzungen für Hartz-IV-Empfänger nicht weit genug: Sie sehen in der Bundesrepublik eine übermäßige Erwartungshaltung der Menschen an den Staat als Versorger.

Noch schlechtere Jobchancen hätten allerdings gänzlich ungeförderte Erwerbslose, heißt es in der Studie. Sie seien in der Regel noch kürzer in einem Job als jene Erwerbslose, die von einem Bildungsinstitut fit für den Job gemacht wurden.

Die Untersuchung zeige, dass Fördermaßnahmen für Arbeitslose weiterhin wichtig seien. „In der Regel tragen sie zu einer Stabilisierung der Beschäftigung bei“, berichtet die Mitautorin der Studie, Gesine Stephan.

Von

dpa

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