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16.06.2016

14:56 Uhr

Kampf gegen Einbrecher

Bewaffnete Hilfssheriffs – sinnvoll oder lachhaft?

VonDietmar Neuerer, Frank Specht

De Maizière will Einbrecher mit kurz ausgebildeten, bewaffneten Hilfspolizisten bekämpfen und wird dafür heftig kritisiert. Polizeigewerkschafter werfen ihm Volksverdummung vor. Auch die SPD greift den Innenminister an.

Innenminister de Maizière will auch auf kurz ausgebildete Sicherheitskräfte setzen. AP

Abkehr von der klassischen Polizei.

Innenminister de Maizière will auch auf kurz ausgebildete Sicherheitskräfte setzen.

BerlinBundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) stößt mit seinem Vorschlag, „Hilfspolizisten“ im Kampf gegen Einbruchsdiebstähle einzusetzen, auf heftige Kritik der SPD. „Wir brauchen im Kampf gegen gut organisierte und international operierende Einbrecherbanden nicht schlecht bezahlte und unzureichend ausgebildete Hilfssheriffs, sondern gut ausgestattete Sicherheitsbehörden, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, dem Handelsblatt.

De Maizière hatte in der „Rheinischen Post“ vorgeschlagen, zusätzliche Einsatzkräfte „als Wache in besonders belasteten Vierteln“ einzusetzen. Die sogenannten Wachpolizisten dürfen bereits nach einer wenige Monate dauernden Ausbildung ihren Dienst antreten, haben jedoch weniger Befugnisse als Polizeibeamte.

Der Bundesinnenminister reagiert damit auf die steigende Zahl von Wohnungseinbrüchen, die auch die im Saarland tagende Innenministerkonferenz der Länder beschäftigt. So ist die Zahl erfolgreicher oder versuchter Wohnungseinbrüche von knapp 134.000 kurz nach der Jahrtausendwende auf gut 167.000 im vergangenen Jahr gestiegen. Das entspricht einer Steigerung um ein Viertel. Den entstandenen Schaden bezifferten die Behörden im vergangenen Jahr mit knapp 441 Millionen Euro. Immer öfter schlagen die Täter am helllichten Tag zu, und oft sind organisierte Banden aus dem Ausland beteiligt. Nur 15 Prozent der Fälle werden aufgeklärt.

Wie man sich vor Wohnungseinbrüchen schützen kann

Zugang erschweren

Polizeistatistiken belegen, dass Einbrecher keine Zeit vergeuden und Aufsehen vermeiden. Sind sie nicht binnen fünf Minuten in der Wohnung, wird ihnen die Entdeckungsgefahr meist zu groß und sie suchen sich andere Ziele. Empfehlenswert sind daher massive Türblätter, Türschlösser mit Schutzbelag und mehrfach im Mauerwerk verankerte Schließbleche. Polizei und andere Experten raten zu qualitätsgeprüften sogenannten einbruchhemmenden Türen. Die staatliche Förderbank KfW etwa fördert den Einbau solcher Türen und die Nachrüstung mit Rollläden und Zusatzschlössern sogar.

Wertsachen sicher verwahren

Nicht ständig benötigte Wertsachen sollten wenn möglich nicht zu Hause, sondern besser in einem sicheren Bankschließfach aufbewahrt werden. Andernfalls ist eventuell auch die Anschaffung eines fest verankerten Tresors eine Möglichkeit. Wertsachen sollten zudem samt einer genauer Beschreibung oder einem Foto in einem eigenen Verzeichnis katalogisiert werden, um im Fall von Diebstähle eine mögliche Wiederbeschaffung zu erleichtern und den Schaden besser regulieren zu können

Mit Nachbarn zusammentun

Nachbarn und Freunde sollten wissen, wann Bewohner zu einer Reise aufbrechen und wie sie im Notfall erreichbar sind. Die Erfahrungen der Polizei zeigen generell, dass eine aufmerksame Nachbarschaft entscheidend hilft, Einbrechern die Tour zu vermasseln. Sie ruft deshalb dazu auf, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam auf verdächtige Aktivitäten zu achten. Entgegen der weit verbreiteten Meinung schlagen viele Einbrecher auch tagsüber zu, etwa bei kurzen Abwesenheiten. Es gibt sogar professionelle Haushüter, die etwa in Urlaubszeiten engagiert werden können.

Auch Kleinigkeiten bedenken

Alltägliche Gewohnheiten und unscheinbare Details können Tätern mitunter ebenfalls das Leben erleichtern und sollten daher im Zweifelsfall neu überdacht werden. Haustüren sollten laut Polizei-Empfehlung selbst bei kurzzeitigem Verlassen abgeschlossen und nicht nur zugezogen werden. Profi-Einbrecher öffnen sie sonst innerhalb von Sekunden. Fenster sollten nie offenbleiben. Selbst Mülltonnen oder Pflanzenrankgitter können Dieben als Leiterersatz dienen und Einbrüche über die oberen Etagen erleichtern. Anrufbeantworter sollten niemals Hinweise auf Abwesenheit liefern.

Anwesenheit vortäuschen

Überquellende Briefkästen, geschlossene Rollläden und ein ungemähter Rasen signalisieren, dass niemand zu Hause ist und die Bewohner zum Beispiel länger im Urlaub weilen. Daher sollte zum Beispiel die Zeitung abbestellt oder nachgesendet werden. Anwesenheit vorgetäuscht werden kann auch, indem Licht per Zeitschaltuhr regelmäßig an- und ausgeht. Es gibt inzwischen sogar kleine Fernseh-Simulatoren. Das sind kleine LED-Projektoren, die in einem Raum ein möglichst realistisches Fernsehlicht erzeugen. Sie schalten sich dabei zu zufälligen Zeiten ein.

Alarmanlangen

Eine Alarmanlage verhindert zwei von drei Einbrüchen. Bei einer sogenannten Fallenüberwachung werden bestimmte Bereiche im Gebäude-Inneren durch Bewegungsmelder überwacht. Der Alarm wird dabei allerdings erst dann ausgelöst, wenn Einbrecher bereits eingedrungen sind. Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte Außenhautüberwachung, bei der die Fenster und Türen mit Kontakten überwacht werden. Diese ist aber in der Regel relativ teuer. Abschreckend wirken können außerdem auch Lichtalarmanlagen, bei denen Bewegungssensoren eine Außenbeleuchtung anschalten.

Mit „Wachpolizisten“ werde man dem Phänomen sicher nicht Herr werden, sagen Kritiker. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, sprach auf Twitter von „Volksverdummung 2.0“. Die Gewerkschaft beklagt schon lange, dass es in vielen Bundesländern keine eigene Ausbildung für Kriminalbeamte gibt, sondern Schutzpolizisten erst aufwendig weitergebildet werden müssen. Solange die Politik dem „Credo vom polizeilichen Alleskönner“ folge, freuten sich spezialisierte Straftäter.

In einem Brief an den Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Saarlands Ressortchef Klaus Bouillon (CDU), hatte sich der Bund der Kriminalbeamten zudem bitter darüber beklagt, dass inkompatible polizeiliche IT-Systeme in den Bundesländern die Strafverfolgung extrem behindere. „Die derzeitige Situation der polizeilichen IT-Landschaft ist ein negatives Musterbeispiel für die Defizite des Föderalismus“, heißt es in dem Schreiben.

Wohnungseinbrüche: Einbrecherjagd über Landesgrenzen hinweg

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Einbrecher machen nicht an der Landesgrenze halt, Ermittlungen der Polizei mitunter schon. Hessen und seine Nachbarn wollen das ändern. Ob die Kooperation die Einbruchszahlen aber wirklich eindämmen kann, ist fraglich.

Auch SPD-Experte Lischka mahnt eine bessere Verzahnung an. Die im vergangenen Jahr beim Bundeskriminalamt (BKA) eingerichtete Koordinierungsstelle Organisierte Kriminalität halte er zwar für dringend geboten. Es sei aber „lachhaft“, dass die Stelle nach wie vor nur mit einer Handvoll Leuten besetzt sei. Diese Einrichtung müsse dringend gestärkt und auf mindesten 50 Mitarbeiter aufgestockt werden, fordert Lischka. Außerdem werde sich die SPD in den anstehenden Haushaltsberatungen dafür einsetzen, dass die Bundespolizei nicht nur 3.000, sondern 6.000 zusätzliche Stellen erhält. Einen Personalaufbau bei der Polizei in ähnlicher Größenordnung erwarte er auch von den Ländern.

Statt unausgegorene Vorschläge zu machen, solle de Maizière sich bei Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lieber für eine ausreichende Personalausstattung stark machen, forderte Lischka. Wenn er das mit den „Hilfssheriffs“ intendierte „Sparprogramm für die innere Sicherheit“ ernst meine, dann sei de Maizière im Finanzministerium sicher besser aufgehoben als im Innenministerium.

Kommentare (27)

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Frau Pia Paff

16.06.2016, 13:36 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Michael Müller

16.06.2016, 13:49 Uhr

Endlich erkennen die Politiker, dass der Deutsche Staat die Sicherheit seiner Bürger und Steuerzahler nicht mehr sicherstellen kann!

Die Deutsche Bevölkerung ist den Raubzügen der "neuen Mitbürger" hilflos ausgeliefert!

Was passiert mit erwischten Einbrechern? NICHTS!

=> Im US-Städtchen Kennesaw wurde nach einer ständig steigenden Kriminaltiätsrate das Tragen einer Waffe zur PFLICHT! Ergebnis: Die Kriminalitätsrate sank dramatisch!

=> Deutschland braucht ein Waffenrecht nach texanischem Vorbild, wonach das Tragen und Nutzen einer Waffe auf dem eigenen Grundstück erlaubt ist!

Herr Vinci Queri

16.06.2016, 13:52 Uhr

>> De Maizière will Einbrecher mit kurz ausgebildeten, bewaffneten Hilfspolizisten bekämpfen >>

Das ist die BANKROTTERKLÄRUNG der Regierung in Angelegenheit Staatssicherheit, vollzogen durch diesen MIESERE !

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