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11.12.2014

17:32 Uhr

Kampf gegen IS

Bundeswehr soll Irak-Einsatz ausweiten

Deutschland will 2015 mehr tun im Kampf gegen den IS-Terror. Dafür sollen deutlich mehr Soldaten als bisher in den Irak geschickt werden. Ihr Einsatzgebiet liegt etwa 50 Kilometer von der aktuellen Front entfernt.

Ein Bundeswehrsoldat weist einen Kämpfer der kurdischen Peschmerga in die Handhabung des G3-Sturmgewehrs ein. Die Regierung möchte den Bundeswehreinsatz erweitern. dpa

Ein Bundeswehrsoldat weist einen Kämpfer der kurdischen Peschmerga in die Handhabung des G3-Sturmgewehrs ein. Die Regierung möchte den Bundeswehreinsatz erweitern.

BerlinDie Bundesregierung will Anfang 2015 rund 100 Bundeswehr-Soldaten in den Irak schicken. Sie sollen im Raum Erbil im Norden des Landes Kurden und andere Iraker für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausbilden. Der Bundestag soll über das Mandat für den Bundeswehreinsatz entscheiden. Darauf hat sich die Bundesregierung am Donnerstag am Rande einer Kabinettssitzung geeinigt.

Die Soldaten sollen ausschließlich im Autonomiegebiet der irakischen Kurden stationiert werden. Ob und wie die einzelnen Soldaten für diesen Einsatz bewaffnet werden, hängt laut Verteidigungsministerium davon ab, „wie die Sicherheitslage am jeweiligen Ort aussieht“. Ein Sprecher sagte: „Eine Bewaffnung zum Selbstschutz ist im Rahmen des Möglichen.“

Denkbar sei auch, dass die Bundeswehr von Kräften anderer Nationen geschützt werde. Der Unions-Verteidigungspolitiker Andreas Schockenhoff forderte, die Bundeswehr selbst müsse für den Schutz der Soldaten sorgen.

An dem Text des Mandats wird laut Verteidigungsministerium noch gearbeitet. Er soll kommende Woche vom Kabinett verabschiedet werden.

Eine Beteiligung des Bundestages sei „politisch zweckmäßig und rechtlich vernünftig“, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer. Auf die Frage, auf welcher Grundlage die Entsendung der Soldaten erfolgt, sagte Schäfer: Der Irak habe um „umfassende Hilfe“ im Kampf gegen die Terrormiliz IS gebeten. Nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes wird der Kampf gegen IS mehrere Jahre dauern.

Peschmerga Kämpfer

Wer die Peschmerga-Kämpfer sind

Die Peschmerga-Milizen sind der bewaffnete Arm der Kurden, hervorgegangen aus bewaffneten Einheiten der Kurdenparteien. Im Nordirak genießen die Kurden seit dem Sturz Saddam Husseins in ihrer Autonomieregion weitestgehend Unabhängigkeit - und die Peschmerga wachsen mehr und mehr zu einer klassischen Armee zusammen.

Quelle: dpa.

So viele Peschmerga gibt es

Insgesamt gibt es rund 130.000 Kämpfer. 100.000 bilden den militärischen Arm, die weiteren 30.000 sind eine dem Innenministerium unterstellte Polizeitruppe. Der militärische Teil befindet sich derzeit in einem Umbau: Erst ein Drittel wurde bisher vom Peschmerga-Ministerium in Brigaden organisiert. Der Rest unterteilt sich nach wie vor in von Parteien kontrollierte Guerilla-Einheiten.

Die Rolle im Kampf gegen IS

Nach dem Vorrücken der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Nordirak wurden die Peschmerga-Milizen zur wichtigsten Kraft im Widerstand gegen die Extremisten. Als irakische Truppen Anfang Juni große Teile des Nordirak kampflos aufgaben, stellten sich die Peschmerga den IS-Kämpfern entgegen.

Unterstützung aus aller Welt

Mittlerweile unterstützen viele Staaten die Peschmerga mit Waffenlieferungen im Kampf gegen die IS-Extremisten. Auch Deutschland liefert Waffen aus Bundeswehrbeständen.

Mit der Entsendung von 100 Soldaten würde die deutsche Beteiligung an der internationalen Anti-IS-Allianz deutlich ausgeweitet. Bisher hat sich die Bundeswehr mit Waffenlieferungen beteiligt und nur einzelne Ausbilder in den Irak geschickt, um den Kurden die Bedienung Panzerfäusten und Gewehren aus Deutschland zu zeigen.

Der geplante Einsatz soll sich auf den kurdischen Norden beschränken, der im Vergleich zu vielen anderen Landesteilen derzeit als relativ sicher gilt. Außer den kurdischen Kämpfern (Peschmerga) sollen auch Christen und Jesiden ausgebildet werden.

Das Parlament muss bei jedem bewaffneten Auslandseinsatz der Bundeswehr befragt werden. Bei einem Ausbildungseinsatz kommt es vor allem darauf an, ob die Bundeswehr die Trainingsstätte selbst bewacht oder ob sie von Soldaten anderen Nationen geschützt wird.

Auch die Grünen würden dem Mandat nach eigenen Angaben eventuell zustimmen. „Eine Ausbildungsmission im Irak ist in der momentanen Lage grundsätzlich sinnvoll“, sagte der außenpolitische Sprecher Omid Nouripour. Von der Bundesregierung erwarte er, dass sie die völkerrechtliche Grundlage des Einsatzes präzise erläutere.

Problematisch ist bei der Irak-Mission aus Sicht der Linken, dass sie weder unter dem Dach der Vereinten Nationen noch der Nato stattfinden soll. Nach einem wegweisenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1994 kann sich die Bundeswehr nur an Auslandseinsätzen eines „Systems gegenseitiger kollektiver Sicherheit“ beteiligen. Die Allianz gegen den IS ist nur ein loser Zusammenschluss von Staaten, die sich einem gemeinsamen Ziel verpflichtet haben.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr Günther Schemutat

11.12.2014, 08:25 Uhr

Müsste nicht die Verfassung geändert werden? Oder hört sich Grundgesetz harmloser an wenn man das ändern will? Was kein Problem ist in der Völkskammer 2.0. mit der 3/4 Mehrheit ist und kein VERFASSUNGSRICHTER kann da was machen , schliesslich
geht es nur um das Grundgesetz und nicht um die Verfassung.

Jetzt habe ich die Fassung verloren.

Herr reiner tiroch

11.12.2014, 08:44 Uhr

Kriegeln wir nicht schon in 15 Ländern der Erde herum? nun noch den IRAK, dann Syrien, dann RUS? Toll!

Frau Margrit Steer

11.12.2014, 14:26 Uhr

Im Gegensatz zu 1939 sind es heute die Weiber bei uns, die kriegsgeil sind.
Flinten-Uschi würde doch liebend gerne endlich mal irgendwo einmarschieren

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