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11.07.2011

19:30 Uhr

Kampf gegen Moody's & Co

Rösler will kleine Ratingagenturen groß machen

VonThomas Sigmund, Dietmar Neuerer

ExklusivDer Bundeswirtschaftsministers will kleineren Ratingagenturen bessere Zutrittchancen zu den Finanzmärkten verschaffen. Ob Röslers Vorstoß ankommt? In seiner Partei gibt es auch Fans der großen Bonitätswächter.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler will mehr Wettbewerb unter den Ratingagenturen. Quelle: dapd

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler will mehr Wettbewerb unter den Ratingagenturen.

Berlin"Wir brauchen mehr Wettbewerb, um den ausufernden Einfluss der drei großen Ratingagenturen auf das weltweite Finanzsystem einzudämmen", sagte Rösler dem Handelsblatt. Das bedeute, dass die Marktzutrittschancen für kleinere Ratingagenturen weiter verbessert werden müssten. "Außerdem sollten Marktteilnehmer die notwendige Sensibilität aufbringen und externe Ratings nicht einfach kritiklos übernehmen", sagte der Bundeswirtschaftsminister. Hier zähle Eigenverantwortung, indem eigene und transparente Risikoeinschätzungen vorgenommen würden.

Röslers Parteifreund und Fraktionsvize Volker Wissing mahnte derweil mehr Sachlichkeit an. Wissing sagte der „Saarbrücker Zeitung": „Stabile Finanzmärkte brauchen unabhängige Bewertungen, das heißt aber nicht, dass diese immer bequem sein müssen.“

EU-Justizkommissarin Viviane Reding hatte vorgeschlagen, US-Rating-Agenturen zu zerschlagen, die den Euro kaputt machen würden. Wissing betonte, es seien nicht die Rating-Agenturen, „welche die Staaten ins Wanken bringen“. Wer sich verschulde begebe sich in die Abhängigkeit von Geldgebern beziehungsweise Anlegern. „Er muss damit auch akzeptieren, dass die Märkte seine Politik prüfen und auch zu einem kritischen Urteil kommen.“ Die sicherste Methode „sich vor Spekulation oder negativen Ratings zu schützen, ist ein ausgeglichener Staatshaushalt“, so Wissing.

Zugleich lehnte der FDP-Finanzexperte eine Haftung der Agenturen für ihre Urteile ab. Das sei nur schwer möglich, da es sich oftmals um in die Zukunft gerichtete Einschätzungen handele. „Schließlich käme wohl kaum jemand auf die Idee, den TÜV haftbar zu machen, wenn bei einem Auto die Bremsen versagen“, so Wissing.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Kommentare (12)

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Heinrich

11.07.2011, 18:45 Uhr

Was diese Pfeife aus der Gurkentruppe alles anstellen möchte!? Ohoh ich ahne schlimmes -oder Schlitzauge sei wachsam. Diese gelben Kammerrade sollten endlich ins Exil gehen!

Account gelöscht!

11.07.2011, 19:37 Uhr

Warum diese Vorliebe für kleine Ratingagenturen? Sind diese eher zu Gefälligkeitsgutachten bereit?

Account gelöscht!

11.07.2011, 19:45 Uhr

Zu welchen anderen Ergebnissen sollten andere Rating-Agenturen kommen, was die Situation europäischer Staatsfinanzen und Banken angeht, wenn der "gewöhnliche" und gut informierte Brüger bereits lange vor Rating-Abstufungen, das jeweilige Dilemma kannte und benannte? Die grundsetzliche Kritik ist an den nationalen Aufsichtsbehörden und der EZB zu üben, die z. T. uninformiert waren und die keine qualifizierte Aus- und Bewertung der Sachlage RECHZEITIG vorgenommen haben und die Dinge "schleifen" ließen, bis die "defaults" an die Türen der öffentlich-behördlichen und medialen Bürotüren klopften! Schlampereien, Nichtstun, Abwarten und Verantwortungslosigkeiten sollen hier wieder einmal kaschiert werden! Dieser gute Herr Rösler gehört genau zu der Sorte, die ganz genau weiß und anstrebt, wie man den größmöglichen Schaden produziert und überflüssige und nutzlose Bürokratie etabliert! Es wird Zeit, daß die Steuerzahler mit dem Strick kommen! Ich bringe gern meinen kleinen Klapphocker mit!

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