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02.09.2013

15:55 Uhr

Kampf gegen Nichtwähler

Stoiber wird zum Ur-Bayern

VonDésirée Linde

„I mach drei Kreiz', wenn der ganze Schmarrn vorbei is'“: Edmund Stoiber wird für einen TV-Spot vom Politiker zum Nicht-Wähler mit Rauschebart und Dackel. Überraschend ist zwar die Rolle, nicht aber das Engagement.

Wahlaufruf

„I mach drei Kreiz, wenn der Schmarrn vorbei is“

Wahlaufruf: „I mach drei Kreiz, wenn der Schmarrn vorbei is“

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DüsseldorfGranteln kann er. Aber Humor offenbar auch. Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber wirbt im Wahlkampf nicht nur für seine Partei, die Christsozialen, sondern auch für die Wahl an sich. Dabei zeigt Stoiber neue Seiten: Er gibt sich selbstironisch, staatsmännisch und überparteilich. Außerdem beweist ungeahntes, schauspielerisches Talent.

Aus dem CSU-Kanzlerkandidaten von 2002 wird für den 30-Sekünder der Ur-Bayer mit grünem Trachtenhut, in Hirschlederner und Lodenjanker. Den Maßkrug hält in der Hand, neben ihm auf der Bank sitzt Rauhaardackel Maxi, ebenfalls mit bayerisch-patriotischem, blau-weiß-kariertem Halstuch. Stoiber, der Politiker, mimt einen, der hinter seinem zotteligen Rauschebart auf die Politiker schimpft und partout nicht wählen will.

Fakten zur Bundestagswahl

Wie läuft der Wahltag ab?

Mehr als 80.000 Wahllokale gibt es in den insgesamt 299 Wahlkreisen. Damit dort von 8 bis 18 Uhr gewählt werden kann, sind über 600.000 ehrenamtliche Wahlhelfer im Einsatz - dafür steht ihnen nicht mehr als ein Erfrischungsgeld von 21 Euro zu. Pünktlich um 18 Uhr schließen die Wahllokale, dann beginnt die Auszählung. Erste Hochrechnungen gibt es meist schon wenige Stunden später.

Wer organisiert die Wahl?

Oberster Organisator ist der Bundeswahlleiter. Der wird auf unbestimmte Zeit vom Innenminister ernannt. Traditionell wird regelmäßig der Präsident des statistischen Bundesamtes mit dieser Aufgabe betraut - seit 2008 ist deshalb Roderich Egeler Bundeswahlleiter. Er organisiert nicht nur die Bundeswahlen, sondern überprüft auch die antretenden Parteien und unterstützt die 16 Landeswahlleiter bei der Durchführung der Wahlen auf Landesebene. Auch jeder Wahlkreis hat seine eigene Wahlkreisleitung.

Wer sind die Wähler?

Wählen darf jeder, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat und über 18 Jahre alt ist. Bei der Bundestagswahl am 22. September werden das 61,8 Millionen Menschen sein. Nur 3,6 Prozent der Wahlberechtigten sind zwischen 18 und 20 Jahren alt, aber über 20 Prozent der Wahlberechtigten sind 70 Jahre und älter. 51,5 Prozent der Wahlberechtigten sind Frauen.

Wann kommt eine Partei in den Bundestag?

Damit eine Partei bei den Wahlen antreten kann, muss sie vom Bundeswahlausschuss anerkannt werden. Unterschieden wird hier zwischen den „etablierten" Parteien, die seit der letzten Wahl mit mindestens fünf Abgeordneten im Bundestag oder in einem Landtag vertreten sein müssen, und den nicht etablierten Parteien. Nicht etablierte Parteien müssen neben ihren Unterlagen auch Unterschriftensammlungen vorlegen, um zur Wahl antreten zu können.

Um in den Bundestag zu kommen, muss eine Partei mindestens fünf Prozent aller abgegebenen Stimmen erhalten - oder aber drei Direktmandate in den Wahlkreisen holen.

„San doch alle gleich – oiner wie da andere! Und dafür soll i mei Kreiz macha? I mach drei Kreiz, wenn der ganze Schmarrn vorbei is'“, schimpft er in die Kamera und Richtung Dackel Maxi. Der legt ob Herrchens Tiraden den Kopf traurig auf den Tisch. Zu erkennen ist Stoiber in dieser Szene kaum, einzig die Stimme könnte ihn denjenigen verraten, der genau hinhört.

Stoiber ist einer der prominenten Protagonisten bei der Kampagne „Geh wählen“ der ProSiebenSat.1-Gruppe. Ziel der Aktion, die seit dem 18. August läuft, ist zur Teilnahme an der Bundestagswahl am 22. September aufzurufen. Und das tut Stoiber am Ende des Spots. Da legt er seine Maskerade ab, setzt seine Brille auf und ist wieder ganz der Alte. „Meckern reicht nicht. Gehen Sie wählen!“, ist die Botschaft des „echten“ Edmunds. Zwischendurch unterbricht ihn Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss und ruft ebenfalls zur Wahl auf.

Neben Stoiber schlüpfen auch andere Bekannte in neue Rollen: Als Öko-Hippie etwa schimpft Christoph Maria Herbst „Was brauchen wir wohl eher: Überall den Euro oder überall laktosefreie Milch?“ und nippt am Latte Macchiato. Außerdem beschwert sich unter anderem Nachrichtensprecher Max Bator als Rocker verkleidet über die gestiegenen Kosten für Kondome, Ex-Germanys Next Topmodel Rebecca Mirr spielt eine überkandideltes Fashion Victim. Letztlich legen die Promis dann immer ihr Nicht-Wähler-Alter Ego abzulegen und rufen zur Wahl auf.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

03.09.2013, 00:56 Uhr

Ich will dass mehr Leute zur Wahl gehen. http://www.avaaz.org/de/petition/Ich_will_dass_der_Deutsche_sich_bewegt_und_endlich_Rueckgrad_zeigt/?copy@SPIEGEL_alles

Account gelöscht!

03.09.2013, 21:09 Uhr

Politikwitz des 20. Jahrhunderts:

Sagt der CDU-Kandidat zum SPD-Kandidat:
"Stell Dir vor es ist Wahl und keiner geht hin!"

Politikwitz des 21. Jahrhunderts:

Sagt der LINKE-Kandidat zum CDU-Kandidat:
"Stell Dir vor es ist Wahl und jeder geht hin!"

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