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17.06.2013

13:30 Uhr

Kampf im Büro

Wer hat Angst vor der Frauenquote?

VonDana Heide

Wenig spaltet die Nation so sehr wie das Thema Frauenquote. Die CDU verschiebt das Thema in die Zukunft, die SPD ist dafür. Die Wahl im September wird auch eine Weichenstellung für die Zukunft der Vorstandsetagen.

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Düsseldorf „Unrealistisch“, sagt Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth. „Unzulässiger Eingriff in das Eigentumsrecht der Aktionäre und Unternehmen“, wettert Fresenius-Chef Ulf Schneider. „Falsch“, findet DIHK-Chef Eric Schweitzer. Und Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen schmunzelt, wenn auf der Hauptversammlung nur wenige klatschen, wenn er das Ziel erwähnt, mehr Frauen in Führungsposten zu bringen.

Wenn es um die Frauenquote geht, hat jeder eine Meinung, wenn auch nicht so eindeutig wie die vier Herren. Die Wirtschaft ist mehrheitlich gegen die Quote und versucht sich mit Selbstverpflichtungen vor ihr zu schützen. Mit mäßigem Erfolg, auch weil das Thema die Parteien innerlich zerreißt.

In der CDU etwa sind die einen pro, die anderen contra Quote. Geeinigt haben sich die die Christdemokraten bislang auf die Einführung einer 30-Prozent-Quote in Aufsichtsräten ab dem Jahr 2020. Frühestens 2014 soll zunächst die „Flexiquote“ von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder gesetzlich verankert werden – eine Selbstverpflichtung der Unternehmen zu einem individuell gesetzten Frauenanteil in Führungspositionen. Der Koalitionspartner FDP lehnt jede Quote ab.

Die SPD ist für eine wesentlich weitreichendere Quote als die CDU. Aber auch hier zeigt sich Zerrissenheit – mitunter sogar innerhalb einer Person. So war SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück vor einigen Jahren noch strikt gegen die Quote – heute fordert er sie, damit endlich mehr Frauen in die Vorstände einziehen. „Vor einigen Jahren habe ich es für möglich gehalten, dass die Wirtschaft dies freiwillig bewerkstelligt. Inzwischen stelle ich fest: Sie tut es nicht“, begründete er in einem Interview mit der Tageszeitung „taz“ seinen Sinneswandel. Steinbrück setzt sich für eine gesetzliche Mindestquote von 40 Prozent ein: „in Vorständen und Aufsichtsräten.“ Auch die Grünen sind dafür.

Länder mit den meisten Frauen in Führungsetagen

Portugal

Das Schlusslicht ist Portugal. Hier gibt es nur 4,7 Prozent Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten. Der Anteil bei Neubesetzungen liegt bei 22,2 Prozent.

Österreich

Eine ganz niedrige Frauenquote hat Österreich: 8 Prozent. Der Frauenanteil bei Neubesetzungen beträgt 12,5 Prozent.

Spanien

11,8 Prozent beträgt der Frauenanteil in Spanischen Top-Etagen. Bei Neubesetzungen wurden in 22,7 Prozent Frauen berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Deutschland

Deutschland befindet sich schon in der unteren Hälfte der Tabelle. Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten: 12,8 Prozent. Frauenanteil bei Neubesetzungen: 40,7 Prozent. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Europa gesamt

Insgesamt beträgt der Frauenanteil in Europa 15,6 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten. Der Frauenanteil bei Neubesetzungen liegt bei 30,8 Prozent. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Dänemark

In Dänemark liegt der Frauenanteil bei 17 Prozent unter den Vorständen und Aufsichtsräten. Dafür geben die Skandinavier bei Neueinstellungen Gas: Hier wurden in 50 Prozent Frauen eingestellt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Großbritanien

In England arbeiten 18,2 Prozent Frauen als Vorstand und Aufsichtsrat. Bei Neubesetzungen liegt der Frauenanteil bei 31,6 Prozent. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Frankreich

In den Führungsetagen der Franzosen liegt der Anteil der Frauen bei 20,5 Prozent. Bei Neubesetzungen (von Mai 2011 bis Mai 2012) wurden Frauen zu 52,7 Prozent berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Finnland

Bei den Finnen beträgt der Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten 27,1 Prozent. Bei Neubesetzungen (von Mai 2011 bis Mai 2012) wurden Frauen zu 23,1 Prozent berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ).

Norwegen

Der Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten beträgt in Norwegen 36,4 Prozent. Bei Neubesetzungen (von Mai 2011 bis Mai 2012) wurden Frauen zu 21,4 Prozent berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Aktuelle Zahlen belegen die Einschätzung von Steinbrück. Laut einer Studie der Managerinnen-Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar) sind auch im Jahr 2013 noch fast 90 Prozent aller Vorstands- und Aufsichtsratsposten bei allen börsennotierten Unternehmen in Deutschland mit Männern besetzt. Der Anteil der Frauen liegt bei 11,1 Prozent. Auch die vergangenen Donnerstag veröffentlichten Zahlen der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers sind ernüchternd. In den Aufsichtsräten der 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands, die im Deutschen Aktienindex Dax gelistet sind, sind nur 21,7 Prozent der Mitglieder weiblich – eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr von gerade einmal 3,7 Prozentpunkten. Und die meisten weiblichen Mitglieder entsenden die Arbeitnehmer.

Einen Grund für die geringe Quote hat etwa Hans-Joachim Körber, Aufsichtsratschef von Air Berlin und Ex-Chef des Handelskonzerns Metro, ausgemacht. Es gebe nicht genügend qualifizierte Kandidatinnen: „Ich würde mir auch ein größeres Reservoir von Top-Frauen wünschen.“

Kommentare (32)

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Account gelöscht!

17.06.2013, 13:43 Uhr

Jede Frauenquote ist eine gezielte und bösartige Benachteiligung von Männern. Allerdings gilt: Solange die Männer so dumm sind und sich nicht dagegen wehren, gar noch Parteien bei der Wahl ihre Stimme geben, die es zu ihrem Programm gemacht hat, sie zu benachteiligen, haben sie es nicht besser verdient.

vandale

17.06.2013, 14:00 Uhr

Ja, ich habe Angst vor der Frauenquote und auch den aktuell bestehenden Männderdiskriminierungsgesetzen.

Aehnlich wie im Mittelalter wo Geburt und Stand entscheidend waren ist dann nicht mehr die Befähigung massgeblich für die Stellenbesetzung.

Genauso "diskriminierend" wie der geringe Anteil von Frauen an Führungspositionen ist der geringe Anteil islamischer Einwanderer in Führungspositionen.....

So kann man dann in 20 Jahren einen Vorstand mit weiblichen Geschlecht, islamischen Glauben, afrikanischer Abstammung, gleichgeschlechtlicher Orientierung suchen.

Meines Erachtens ist das ein sehr destruktiver Weg.

Vandale

gaul

17.06.2013, 14:07 Uhr

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