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29.05.2014

13:34 Uhr

Kampf ums Leben

Katholikentag streitet über Schwangerenberatung

Für den Gastgeber des Katholikentags ist die Sache klar: Abtreibung ist ein „Massaker“ im Mutterleib, sagt Bischof Voderholzer. Viele Gläubige fordern einen neuen Kurs beim alten Streitthema – und hoffen auf Rom.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer meint: Abtreibung ist ein „Massaker“ im Mutterleib. dpa

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer meint: Abtreibung ist ein „Massaker“ im Mutterleib.

RegensburgEs war eine der schwersten Krisen der katholischen Kirche in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg: Auf Anordnung des Papstes mussten die Bischöfe aus dem staatlichen System der Schwangerenkonfliktberatung aussteigen. 15 Jahre sind seitdem vergangen - und plötzlich ist das Thema wieder auf der Tagesordnung. Der Katholikentag widmet ihm an diesem Freitag in Regensburg ein großes Podium - erstmals seit langem. Der Wind aus Rom hat sich gedreht. Kommt jetzt der Ausstieg aus dem Ausstieg?

„Der Ausstieg wird nicht rückgängig gemacht“, meint der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück. Aber er fordert einen neuen Kurs im Umgang mit dem Verein „Donum Vitae“. Dieser war von engagierten Katholiken - auch aus dem ZdK - gegründet worden, um die Beratungslücke zu schließen. „Donum Vitae“ berät schwangere Frauen in Konflikten, die auch über eine Abtreibung nachdenken. In vielen Bistümern dürfen Mitarbeiter des Vereins daher keine leitenden Ämter etwa in Pfarrgemeinderäten oder Diözesanräten übernehmen.

Wir finanziert sich die katholische Kirche in Deutschland?

Kirchensteuer

Den größten Teil ihrer laufenden Kosten deckt die katholische Kirche aus ihren Kirchensteuereinnahmen. 2012 waren das fast 5,2 Milliarden Euro.

Staatsleistungen

Sie betreffen nur die Bundesländer und Kommunen und gehen häufig auf die Säkularisation (Verstaatlichung des Kirchenbesitzes) Anfang des 19. Jahrhundert zurück. Gezahlt wird mit Bezug auf Artikel 140 des Grundgesetzes zum Beispiel für den Personal- und Sachbedarf der Kirchen. Hinzu kommen Ausgaben für den Bauunterhalt kirchlich genutzter Gebäude. Nach Angaben der Linken im Bundestag zahlen die Länder jährlich fast eine halbe Milliarde Euro an die Kirchen. Die Partei hat 2012 einen Gesetzentwurf zur Ablösung dieser Staatsleistungen vorgelegt. Dazu ist ein Bundesgesetz nötig.

Bundeszuschüsse

Die Kirchen erhalten für Aufgaben im caritativen Bereich wie andere Träger auch Bundesmittel, zum Beispiel für kirchliche Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen. So betrug der Bundeszuschuss für die Caritas 2012 rund 51,9 Millionen Euro. Die katholische Kirche gab dafür 8,6 Millionen Euro aus. Zuschüsse des Bundes fließen auch für Militärseelsorge, Kirchentage und Denkmalschutz. Eine Gesamtsumme wird nach Angaben des Bundesfinanzministeriums nicht ermittelt.

Kirchliches Vermögen

Dabei geht es zum Beispiel um Immobilienbesitz und Miet- und Pachteinnahmen sowie Überschüsse aus kircheneigenen Betrieben oder Beteiligungen. Jedes Bistum hat sein eigenes Vermögen, Je nach Situation machen diese Einnahmen nach Expertenschätzungen fünf bis zehn Prozent des Gesamthaushalts eines Bistums aus.

Spenden und Kollekten

Sie machen nach Einschätzung von Experten fünf Prozent der kirchlichen Einnahmen aus. Die katholische Kirche beziffert diese Einnahmen für das Jahr 2009 auf rund 250 Millionen Euro.

Wie steht es um die Transparenz in den kirchlichen Haushalten?

Wesentliche Entscheidungen zur Verwendung der Kirchensteuer obliegen speziellen Kirchengremien in den Bistümern. Der Kirchensteuerhaushalt wird in der Regel öffentlich dokumentiert. In Bistümern gibt es neben dem regulären Haushalt noch einen „Bischöflichen Stuhl“. Der Begriff bezeichnet das Vermögen, das mit dem Bischofsamt verbunden ist. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler gibt es für diese Summen keine Auskunftspflicht, so lange keine öffentlichen Gelder damit verbunden sind. Kritiker nennen den „Bischöflichen Stuhl“ deshalb einen Schattenhaushalt. Nach dem Finanzskandal um den Neubau des Bischofssitzes in Limburg haben die Bistümer Essen und Speyer angekündigt, diese Zahlen offenzulegen.

Was ist bei der Finanzkontrolle im Bistum Limburg schiefgegangen?

Dazu gibt es bisher fast nur Vermutungen. 2008, vor dem Amtsantritt des umstrittenen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, soll der „Bischöfliche Stuhl“ über rund 100 Millionen Euro verfügt haben. 2011 soll Tebartz-van Elst dem Domkapitel die Zuständigkeit für diesen Haushalt entzogen und stattdessen einem Vermögensverwaltungsrat übertragen haben. Die Frage ist, ob er dieses Gremium bei den Kosten für den neuen Bischofssitz, die zuletzt auf 31 Millionen Euro anwuchsen, getäuscht hat.

Sind ähnliche kirchliche Finanzskandale bekannt?

Der Bund der Steuerzahler hat 1999 kritisiert, dass der katholische Militärbischof Johannes Dyba mit seinem Amt unbedingt von Bonn nach Berlin ziehen wollte - die Sanierung der Berliner Dependance habe umgerechnet rund 10 Millionen Euro gekostet. Skandale um Kirchenvermögen werden auch durch Gerichtsurteile bekannt. So wurden im September 2010 ein früherer Kirchenmitarbeiter im Bistum Limburg wegen der Veruntreuung von 2,7 Millionen Euro zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Nach finanziellen Verfehlungen zog sich 2011 der Orden der Pauliner aus dem Hochschwarzwald zurück. Ein Ordensbruder, der als Pfarrer eine Gemeinde betreute, hatte 247 000 Euro Spenden- und Kirchengelder veruntreut und dafür ohne Erlaubnis neue Messgewänder und Abendmahlskelche gekauft. Er ließ auch Kunstgegenstände restaurieren.

„Wir sind die ausgeschlossenen Kinder der Kirche“, sagt die Sozialpädagogin Maria Geiss-Wittmann von „Donum Vitae“ in Amberg (Oberpfalz). Die Kirche habe sogar den eigenen Verbänden verboten, den Verein zu unterstützen. „Damit hat die katholische Kirche die Nächstenliebe verboten“, meint die 80-Jährige. Zunächst wollte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer auch keinen Stand des Vereins auf dem Katholikentag zulassen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

30.05.2014, 08:30 Uhr

Ein Kirche die Abtreibungen erlaubt, die kann gleich die Tore schliessen, sie ist unglaubwürdig in ihrem Glauben.

Wer fest an Gott glaubt , also das es ein Wesen gibt der alles regelt und einen durch das Leben führt, der kann nicht ein werdendes Leben zerstören. Denn Gott wird den Weg weiter begleiten.

Kaum zu Glauben das ich das schreibe wo ich fern aller religiösen Dinge bin.

Aber es gehört zu den Errungenschaften der Menschen anderen zuzuhören und auch
die andere Seite zu verstehen. Daher kann die Kirche nicht anders als bei fundamentalen Richtlinien bleiben und dazu gehört der Schutz von werdenden Leben.

Obwohl zu Jesu Zeiten ein Leben weniger Wert war als
das von Ziegen und Schafen. Brutalität ,Kriminalität waren hoch und obwohl es zu Jesu zeiten über 2000 Laienprediger gab ,die durch das Land zogen und Gottes Wort verbreiteten, hat sich nichts geändert.

Account gelöscht!

30.05.2014, 09:08 Uhr

"Ein Kirche die Abtreibungen erlaubt..."
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Sorry, aber die Kirche hat weder was zu erlauben noch zu verbieten. Dafür ist ausschließlich der Gesetzgeber zuständig. Religion ist reine Privatsache, was natürlich durchaus impliziert, daß sich Strenggläubige an die Anweisungen halten.
Aber es gibt in diesem land auch eine Menge Nichtchristen resp. Konfessionslose, und denen hat die Kirche nicht durch Antichambrieren beim Gesetzgeber (z.B. dieser unsägliche Ethikrat, der sich ständig anmaßt, über Dinge zu urteilen, von denen er keine Ahnung hat: Ein gutes Beispiel ist z.B. auch die Stammzellenforschung) Vorschriften zu machen.

Die Kirche hat eine bluttriefende Geschichte mit unzähligen Toten und heute noch jede "Menge" Leichen" im Keller und ist wohl kaum eine ernstzunehmende, moralische Instanz.

Mal unabhängig davon, ob eine Frau abtreibt oder nicht, ist ihre Sache. Ich kann mir nicht vorstellen, daß solche Entscheidungen leichtfertig getroffen werden, denn daran knabbert man ggf. ein ganzes Leben. Auf die "Beratung" durch die Kirche, was m.E. Gehirnwäsche und Druck zum Austragen bedeutet, kann sie garantiert verzichten.
Unter Beratung verstehe ich ergebnisoffenes Aufzeigen von Möglichkeiten, nicht mehr und nicht weniger.

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