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07.04.2013

19:49 Uhr

Kanal-GAU und Schifffahrtskrise

Der Norden hofft auf Merkel

Schifffahrt in der Dauerkrise, museumsreife Kanalschleusen – die maritime Wirtschaft leidet unter Investitionsstau. Der Bund soll Abhilfe schaffen. Von einer Konferenz mit der Kanzlerin erwartet der Norden klare Signale.

Die maritime Wirtschaft hofft auf Angela Merkel. dpa

Die maritime Wirtschaft hofft auf Angela Merkel.

Kiel„Der Nord-Ostsee-Kanal ist von großer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland, seine Modernisierung hat deshalb für uns hohe Priorität“ - sollte sich die Kanzlerin an diesem Montag in Kiel derart äußern, wäre ihr ein Beifallssturm gewiss. Wie der Bund die Sanierung der Wasserstraße mit ihren maroden Schleusen aus der Kaiserzeit anpackt, wird für Politik und Wirtschaft im Norden zum Gradmesser für die Haltung des Bundes zur maritimen Wirtschaft insgesamt. Ein Monat nach der Sperrung des Kanals für große Schiffe wegen defekter Schleusen in Brunsbüttel begleiten große Erwartungen Angela Merkels Auftritt bei der 8. Nationalen Maritimen Konferenz.

Werftmanager, Reeder und Energiefachleute sind unter den gut 800 Teilnehmern am Montag und Dienstag, Sicherheitsexperten, Meeresforscher, Landespolitiker mit Regierungschef Torsten Albig (SPD) als Gastgeber, auch die Bundesminister Peter Altmaier (Umwelt), Peter Ramsauer (Verkehr) und Philipp Rösler (Wirtschaft). In Workshops hinter verschlossenen Türen und im offenen Plenum werden alle Themen abgehandelt, die mit dem Meer zu tun haben.

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Die Konferenz fällt in eine Zeit, da die Schifffahrt durch eine Dauerkrise steuert, der Aufbau von Windparks in der Nordsee unter starkem Gegenwind leidet und der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur unter chronischer Unterfinanzierung. Vor dem Hintergrund brachten sich Politik, Branchenverbände und Gewerkschaften schon vor der Tagung mit Forderungen nach einer maritimen Strategie des Bundes und mehr Geld aus Berlin in Stellung.

Die maritime Wirtschaft hat nationalen Rang: 400.000 Beschäftigte erarbeiten einen Jahresumsatz von 54 Milliarden Euro. Den Werften macht die anhaltende Schifffahrts- und Finanzierungskrise zu schaffen. Den Containerschiffbau verloren sie im Laufe der Jahre an die Billigkonkurrenz in Asien, doch mit Marine- und Spezialschiffen sowie Offshore-Windanlagen gibt es Zukunftschancen. Wenn in Papenburg ein Kreuzfahrtschiff gebaut wird, in Kiel ein U-Boot und in Rendsburg eine Luxusjacht, stecken darin tausende Zulieferungen aus ganz Deutschland. Trotzdem hält sich im Norden hartnäckig der Verdacht, Bundesregierung und Südländern sei das nationale Gewicht der maritimen Branchen nicht recht bewusst.

Für die deutsche Seeschifffahrt arbeiten 90.000 Menschen im In- und Ausland; Umsatz: 25 Milliarden Euro. Die Seehäfen berappelten sich nach einem Einbruch um 18 Prozent im Krisenjahr 2009 und steigerten den Umschlag 2011 auf 296 Millionen Tonnen. Hamburg ist der zweitgrößte Containerhafen in Europa nach Rotterdam, Bremerhaven Umschlagplatz Nr.1 für Autos; der neue JadeWeserPort in Wilhelmshaven kann die größten Containerriesen tideunabhängig abfertigen. Rostock, Lübeck und Kiel sind wichtige Umschlagplätze im Ostseeraum. Ein Viertel seines Außenhandels wickelt Deutschland über seine Häfen ab.

Kommentare (5)

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Gast

07.04.2013, 20:20 Uhr

Klare Signale von der Kanzlerin? Es gibt tatsächlich immer noch Menschen die das von ihr erwarten?

Brasil

07.04.2013, 20:28 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Skyjumper

07.04.2013, 21:38 Uhr

Da erwartet man wohl zu viel. Das Problem der fehlenden 5. Schleuse sowie der völlig veralteten Hauptschleusen ist ja auch schließlich erst seit 2001 bekannt. Da hatte der damalige Verkehrsminister Bodewig (SPD) bereits den Startschuss für eine zügige Modernisierung gegeben. Jetzt, 12 Jahre später, ist immerhin schon einmal die Ausschreibung in Auftrag gegeben worden.

Wie alles was in staatlicher Hand liegt, kann es sich also nur noch um weitere 20-30 Jahre handeln bis es mal fertig ist.

Es sei denn zwischendurch wird festgestellt, dass sich durch den ausfallenden Schiffsverkehr eine "Wachtelkönigalge" dort angesiedelt hat. Dann müsste selbstverständlich ein ganz neuer Kanal an anderer Stelle gebaut werden.

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