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22.09.2012

16:34 Uhr

Kandidatenkür

Grünes Speed-Dating vor der Urwahl

Der Kampf um die Kandidatur bei den Grünen ist eröffnet: Zehn Bewerber stellten sich in Hannover den Fragen der Mitglieder. Die vier bekanntesten antworteten routiniert – aber auch sie zeigten Schwächen.

Grüne suchen Superstars

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HannoverDer Name des Tagungsortes schien Programm zu sein: In der gut gefüllten Apostelhalle in Hannover saßen am Freitagabend betont friedfertig zehn Grünen-Bewerber für die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl 2013. Unterschiedlich routiniert formulierten sie ihre Botschaften an die eigene Partei, an Deutschland und die Welt. Das große Bewerberaufkommen für die Doppelspitze hatte die Grünen-Führung in die Zwickmühle gebracht. Nun sollen die rund 60.000 Mitglieder per Urwahl darüber abstimmen, welches aus einem Mann und einer Frau bestehende Duo den Wahlkampf 2013 anführen darf.

15 Bewerbungen auf einen der beiden Wahlkampf-Posten waren eingegangen – aber nur zehn Aspiranten waren der Einladung in die niedersächsische Landeshauptstadt gefolgt. Das Frage-und-Antwortspiel des ersten „Urwahlforums“ – per Livestream übertragen im Internet – war der Auftakt zu einem Marathon mit insgesamt elf solcher Veranstaltungen. Bis zum 30. Oktober dann kann jedes Mitglied in Briefwahl mitentscheiden, wer am besten geeignet ist, die Wähler von den grünen Politikzielen und der Richtigkeit einer Neuauflage der 2005 gescheiterten rot-grünen Koalition zu überzeugen.

Die vier Polit-Profis Claudia Roth, Renate Künast, Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt maßen sich in Hannover mit sechs reichlich unbekannten männlichen Grünen-Mitgliedern. Denen ging erkennbar rasch die Luft aus, wenn es um komplexe Themen wie Eurokrise oder Syrien-Konflikt ging. Wie ein Hahn im Korb thronte Routinier Trittin in der Mitte der Bühne, eingerahmt von Roth und Künast. Zwei Stunden lang versuchte der Fraktionschef sichtlich angestrengt das, was ihm so gar nicht liegt: zuhören.

Fraktionschefin Künast kokettierte mit ihrer Bekanntheit: „Ich bin dann mal so frei und sage, ich heiße Renate.“ Roth kritisierte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) als „Drosselbart“, um dann rasch zu ihrem Leib- und Magenthema Menschenrechte zu kommen – etwa, dass deutsche Panzer nichts in Saudi-Arabien zu suchen hätten. Göring-Eckardt beugte sich lustig den Regeln: „Ein bisschen ist das hier wie Speed-Dating.“ Trittin räumte Fehler der damaligen rot-grünen Regierung ein, um zugleich die schwarz-gelbe Koalition als „Gurkentruppe“ und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als „Gurkenkönigin“ zu verspotten.

Die auf Fairness bedachte Parteiregie hatte alles genau geregelt: Jeder bekam zum Auftakt Zeit für ein dreiminütiges Statement, in einer zweiten Runde wurden dann ausgeloste Fragen der Mitglieder im Saal gestellt. In einer weiteren Runde kamen über's Internet gestellte Fragen zum Zug, die ebenfalls ordentlich nach Proporz auf alle Kandidaten verteilt wurden. So kam die Versammlung zwar von Hölzchen auf Stöckchen, aber alle lächelten zufrieden ob so viel Basisdemokratie. Die Laien unter den Bewerbern hatten anders als die Profis Probleme mit der großen Bandbreite der Fragen, die Grünen-Promis wiederum bemühten sich um eine Mischung aus Ernsthaftigkeit und Lockerungsübungen.

Den Zuhörern gefiel's und am Ende lobte der Moderator vor allem das Publikum für „pfiffige Fragen“ und die Kandidaten mit der Feststellung, es habe auch „inhaltsschwere Antworten“ gegeben. Die Gastgeberin und niedersächsische Grünen-Landesvorsitzende Anja Piel sah das ähnlich positiv: „Ich nenne das Demokratie on tour und es gibt einen Erkenntnisgewinn.“ Dieser kann nun in zehn weiteren Veranstaltungen vertieft werden.

Von

afp

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