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27.02.2012

11:30 Uhr

Kandidatin im Porträt

Beate Klarsfeld wurde durch eine Ohrfeige berühmt

Medienwirksamer Auftritt: Während eines CDU-Parteitages in Berlin ohrfeigte Beate Klarsfeld 1968 den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger. Damit protestierte sie gegen Kiesingers frühere NSDAP-Mitgliedschaft.

Die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld wird von der Linke-Spitze bei der Bundespräsidentenwahl gegen Joachim Gauck ins Rennen geschickt. dpa

Die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld wird von der Linke-Spitze bei der Bundespräsidentenwahl gegen Joachim Gauck ins Rennen geschickt.

BerlinEine Ohrfeige machte sie weltberühmt: Während eines CDU-Parteitages in Berlin schlug Beate Klarsfeld am 7. November 1968 den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) ins Gesicht, um gegen dessen frühere Mitgliedschaft in der NSDAP zu protestieren.

„Am nächsten Tag war die Ohrfeige auf allen Titelseiten, und Kiesinger war als Nazi gebrandmarkt“, erklärte die damals 29-Jährige später. Durch den medienwirksamen Auftritt erfuhr erstmals eine breite Öffentlichkeit von der NS-Vergangenheit des Kanzlers. Eine zunächst gegen Klarsfeld verhängte Haftstrafe von einem Jahr wurde später zu vier Monaten auf Bewährung umgewandelt.

Die gebürtige Berlinerin Klarsfeld ging bereits 1960 als Au-Pair-Mädchen nach Paris, wo sie eine neue Heimat fand. Gemeinsam mit ihrem französischen Ehemann Serge machte sie das Aufdecken ungeahndeter Nazi-Verbrechen zu ihrer Lebensaufgabe: „Es muss Deutsche geben, die nicht einfach nur Gras wachsen lassen und alles unter den Teppich kehren.“ Der 73-Jährigen ist es unter anderem zu verdanken, dass der ehemalige Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, 1983 von Bolivien ausgeliefert und in Frankreich verhaftet wurde.

In Frankreich und Israel wurde Klarsfeld mehrfach ausgezeichnet, zuletzt vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Das Bundesverdienstkreuz wurde der Deutsch-Französin indes verwehrt.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Alfred_Neumann

27.02.2012, 12:05 Uhr

Die Frau mag ja schlagfertig sein, aber als deutsche Bundespräsidentin taugt sie sicherlich nicht. Es ist schade, dass sich die Linke wieder selbst ins Abseits stellt, anstatt proaktiv am politischen Dialog teilzuhaben. Denn wir brauchen ja gerade die Randparteien, weil die etablierten Parteien nur ihren eigenen Nabel - oder die eigene Karriere - betrachten und die Probleme, die unsere Gesellschaft bewegen , aussen vor lassen. Darin liegt ja gerade die grosse Hoffnung in den Kandidaten Gauck. Man muss nicht Sarazin's krause Thesen teilen um zu wissen, dass er eine gesellschaftlich ausserordentlich wichtige Diskussion angestossen hat, die zwar von den etablierten Parteien totgeschwiegen wird, die Bürger aber zutiefst berührt.

Anna

27.02.2012, 12:56 Uhr

Ganz sicher ist Beate Klarsfeld sehr viel geeigneter als ein ehemaliger DDR-Pfarrer, der als Behördenleiter schon im Sommer 1990 seine eigene Akte zuerst einsehen (und verschwinden lassen) konnte. Logisch, dass eine Anti-Nazi-Frau aber weniger Chancen hat in meinem Nazi-Deutschland; Gauck ist wenigstens offen linksfeindlich, das passt doch viel besser in dieses Land. Viel Spass, Herr Pfarrer; vielleicht können Sie von Ihrem neuen Gehalt irgendwie spenden für die elenden Hartz-IV-Blagen, die Sie so verachten.

Account gelöscht!

27.02.2012, 13:19 Uhr

Die Linke unter der Lötzsch hat sich selbst zerlegt.
Die alte PDS hatte gute Leute, der Fehler war, mit den Linken Heinis West zusammen zu gehen und dann noch diese Lötzsch als Vorsitzende zu installieren.
Schade, die Partei hätte die Möglichkeit gehabt, was zu werden, diese Chance hat sie vertan

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