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22.03.2011

18:00 Uhr

Kanzlerberater Klaus Töpfer

Merkels Atom-Orakel

Klaus Töpfer ist einer der weltweit renommiertesten Umweltpolitiker. Der ehemalige Bundesumweltminister leitet Merkels Ethik-Kommission zum Thema Atomkraft - und wird über die Ausrichtung nach dem Moratorium entscheiden.

Klaus Töpfer: der Ex-Umweltminister entscheidet über die Zukunft der Atompoltik. Quelle: dpa

Klaus Töpfer: der Ex-Umweltminister entscheidet über die Zukunft der Atompoltik.

Berlin/Frankfurt/DüsseldorfDie Atomkatastrophe in Japan hat ein überraschendes politisches Comeback ermöglicht: 24 Jahre nach seinem Amtsantritt als Umweltminister versucht sich Klaus Töpfer an der Beantwortung einer der heikelsten umweltpolitischen Fragen in Deutschland. Er wird Chef der Ethik-Kommission, die nichtweniger erarbeiten soll als die Grundlagen einer neuen Atompolitik.

Denn Bundeskanzlerin Angela Merkel vertraut in dieser zentralen Frage nicht nur den Ergebnissender technischen Überprüfung. Diese seien sicherlich wichtig, sagte die CDU-Vorsitzende am Dienstag, "sie führen aber noch nicht zu einem gesellschaftlichen Konsens."

Diese Aufgabe wird der Kommission unter Leitung des früheren Uno-Klimaexperten und Ex-Umweltminister Töpfer zuteil. Die Ergebnisse sollen neben die technische Reaktorsicherheitskommission gestellt werden. "Sie soll Risiken bewerten und einordnen." Die an das Kanzleramt angelehnte Kommission wird Gruppen wie Kirchen und Gewerkschaften sowie die Industrie umfassen.

Welche Richtung Töpfer dabei einschlagen will hat er schon angedeutet. So hat er sich bereits für die dauerhafte Stilllegung der sieben älteren deutschen Atomkraftwerke ausgesprochen. "Es ist mehr als sinnvoll, in diese Richtung zu gehen, zumal der Schritt möglich ist, ohne unsere Stromversorgung zugefährden", sagte Töpfer der "Frankfurter Rundschau".

Der Ex-Minister sagte, Deutschland könne schneller aus der Kernkraft aussteigen als bislang geplant. Davon sei er überzeugt, "und zwar nicht erst seit der Katastrophe in Fukushima". Die "Brücke ins Zeitalter der erneuerbaren Energien" könne kürzer angelegt werden als bisher geplant. Die damit verbundenen Herausforderungen seien erheblich, aber zu bewältigen. Deutschland sei das einzige Land, das Kernenergie nutze, indem aber zugleich eine allgemeine gesellschaftliche Übereinstimmung herrsche, dass dies keine Zukunftstechnologie sei. Die Kernenergie müsse dennoch zu Ende gebracht werden.

Töpfer lobte die Bundesregierung, die mit ihrem Atom-Moratorium eine mutige Entscheidung getroffen habe. "Wir haben bereits parteiübergreifend einen Konsens, dass die Kernenergie keine Zukunftstechnologie ist. Ob man sagt, wir brauchen sie noch zehn Jahre oder etwas länger, ist eine wichtige Frage. Aber wir sollten darüber nicht vergessen, dass dieser Konsens da ist" ,sagte er. Ein "Umfallen" im negativen Sinn kann er nicht erkennen: "Ich habe keinen Respekt vor denen, die sagen: Weil ich nicht umfallen will, weil ich mein Gesichtwahren will, kann ich meine Position auch bei anderen Informationen nicht ändern", erklärte er in ARD-Talkshow Beckmann.

Kommentare (6)

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klaus11

22.03.2011, 20:02 Uhr

Die Regierung kann machen was Sie will: die Opposition ist dagegen. Ich bin bestimmt - z.T. sehr - regierungs-/CDU-/FDP-kritisch. Was würde die Oppostion bloß machen, wenn die Regierungsparteien zu 100% auf ihre Linie einschwenken würden? Ich glaube, da wärem sie auch dagegen!

AndreAdrian

22.03.2011, 22:17 Uhr

ohne unsere Stromversorgung zu gefährden

Hr. Töpfer spricht ein grosses Geheimnis der Atomindustrie gelassen aus: Deutschland braucht den Strom aus den sieben alten Atomkraftwerken gar nicht. Keine Oma muss frieren, kein AKW-Gegner ohne Licht überwintern. Die Konzerne können nur nicht so viel Atomstrom aus Deutschland exportieren wie sie gerne möchten.
Hr. Töpfer und uns allen kann man nur Erfolg beim Atomausstieg und beim Einstieg in Desertec wünschen. Mit Desertec wird Afrika auf einmal wichtig für Europa: In Zukunft kommt unser Strom aus Afrika. Und wenn wir Europäer nicht wollen das frustierte Afrikaner uns den Stromhahn zudrehen, dann wäre es ganz gut wenn die Europäer dafür sorgen, dass es wenig frustierte Afrikaner gibt. Bis jetzt gehen uns ja, mit Verlaub, die Probleme von Afrika am Ar... vorbei.

Account gelöscht!

22.03.2011, 22:28 Uhr

"Maßnahmen der hessischen Landesregierung gegen den Reaktor wurden auf Weisung des Ministeriums insgesamt 72 Mal abgeschmettert, auch von Töpfers Nachfolgerin - Angela Merkel"

An ihren Taten sollt ihr sie messen.

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