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02.01.2013

06:27 Uhr

Kanzlergehalt

Grüne rüffeln Steinbrück

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie SPD bemüht sich nach der massiven Kritik an den Vorstellungen ihres Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zum Kanzler-Gehalt um Schadensbegrenzung. Doch nun regt sich auch bei den Grünen Unmut.

Peer Steinbrück. Reuters

Peer Steinbrück.

BerlinDie Äußerungen des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück über zu geringe Bezüge des Bundeskanzlers sorgen auch bei den Grünen für Irritationen. „Auch wenn der Hinweis richtig ist, dass in den Spitzenpositionen der Wirtschaft, selbst in Unternehmen der öffentlichen Hand  oft ein Vielfaches bis ins Astronomische gegenüber Spitzenfunktionen in Politik und Staat verdient wird, war der Eindruck, man fordere zuallererst eine Erhöhung des Kanzlergehaltes, etwas unglücklich“, sagte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagfraktion, Volker Beck, Handelsblatt Online.

Beck forderte Steinbrück auf, sich wieder auf die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner zu konzentrieren. „Steinbrück muss wieder auf Angriff gegen Schwarz-Gelb schalten und die soziale Schieflage der Politik der Regierung Merkel in den Mittelpunkt stellen“, sagte der Grünen-Politiker. „Wir Grünen haben das mit Vermögensabgabe, höherem Spitzensteuersatz, Mindestlohn und handlungsfähigen Kommunen längst auf der Agenda.“

Peer Steinbrück - seine Biographie

Gebürtiger Hamburger

Geboren am 10. Januar 1947 in Hamburg, verheiratet mit einer Studienrätin, drei Kinder. Den Namen Peer verdankt er seiner dänischen Großmutter.

Zwei Jahre Bundeswehr

1968 macht Steinbrück Abitur, danach ist er zwei Jahre bei der Bundeswehr.

Parteieintritt

1969 erfolgt der Eintritt in die SPD.

Studium

1970 - 1974 Volkswirtschafts-Studium in Kiel. Währenddessen lernt Steinbrück seine spätere Ehefrau kennen.

Erstes Treffen mit Helmut Schmidt

1974 - 1981 Tätigkeiten in Bundesministerien und im Kanzleramt. In dieser Zeit trifft Steinbrück auch zum ersten Mal den Bundeskanzler Helmut Schmidt. Heute spielen die beiden gelegentlich Schach. Schmidt über Steinbrücks Kanzlerkandidatur: „Er kann es“.

Zeit als Referent

1981 - 1985 Referent von Bundesforschungsminister Hans Matthöfer sowie in der SPD-Bundestagsfraktion

Büroleiter in Düsseldorf

1986 - 1990 Büroleiter von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau.

Staatssekretär in Kiel

Zurück nach Kiel: Zwischen 1990 und 1992 ist Peer Steinbrück Umwelt-Staatssekretär im Kabinett Engholm. Daraufhin Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, später selbst Minister im gleichen Ressort.

Als Minister zurück in NRW

1998 - 2000 Wirtschafts- und Verkehrsminister in NRW, anschließend für zwei Jahre Finanzminister im bevölkerungsreichsten Bundesland.

NRW-Ministerpräsident

Wolfgang Clement wechselt überraschend als Superminister nach Berlin. Ein Nachfolger ist noch nicht aufgebaut, eher durch Zufall wird Steinbrück zwischen 2002 - 2005 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

Finanzminister

Nach der verlorenen Landtagswahl wechselt er als Finanzminister der großen Koalition nach Berlin. In dieser Zeit (2005 - 2009) ist er stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender.

Vortragsredner

Seit 2009 ist er einfaches Mitglied des Bundestags. Als Vortragsredner reist er durchs Land. Über die Höhe der Honorare brach nach seiner Nominierung eine Debatte vom Zaun.

Die Sprecherin der Landesgruppe der Südwest-Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, ging auf Distanz zu Steinbrück und erklärte auf ihrer Facebook-Pinnwand: "Mein Vorsatz für 2013: Kein Wahlkampf für Steinbrück!" Und: "Jeder in diesem Land kann mit Fug und Recht eine Debatte über das KanzlerInnen-Gehalt anstoßen - außer dem Kanzerkandidaten!" Ex-Grünen-Chef Reinhard Bütikofer ätzte bei Twitter: "Wahlkampfgenie #Steinbrück besucht zwanghaft die Fettnäpfchen und dann flattert der aufgeregte #SPD-Hühnerhof - ein wirklich starkes Team!"

Mit der Debatte um das Kanzlergehalt steht Steinbrück zum zweiten Mal wegen Geldforderungen in der Kritik. Bereits seine Kür zum Spitzenkandidaten gilt wegen der gleichzeitigen Debatte um seine millionenschweren Redehonorare als verstolpert. Am Wochenende hatte der ehemalige Finanzminister erklärt: "Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt." Nahezu jeder Sparkassendirektor verdiene mehr.

Die Atrium-Talks der Stadtwerke Bochum

29. Februar 2008

Premiere des Atriumtalks – eine lockere Gesprächsrunde, die weder Interview noch Talk-Show sein soll. Der Chef der Stadtwerke will damit ein Leuchtturm-Projekt für Bochum schaffen. Und zur Premiere kann er Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker präsentieren. Musikalisch begleitet der für die Tatort-Titelmelodie und den „Das Boot“-Soundtrack bekannte Jazz-Musiker Klaus Doldinger den Abend.

Weizsäckers Büro teilte Handelsblatt Online mit: „Herr von Weizsäcker hat für die Veranstaltung am 29. Februar 2008 ein vorab vereinbartes Honorar erhalten. Eine Verabredung über die Verwendung erfolgte nicht. Der Betrag wurde, wie üblich, wohltätigen Zwecken zugeleitet, zu allermeist der Marianne von Weizsäcker Stiftung Integrationshilfe für ehemals Suchtkranke e.V. in Hamm.“

14. November 2008 - kurzfristig abgesagt

Eigentlich hatte Schauspieler Mario Adorf ins Ruhrgebiet reisen sollen. Doch ein Tauchunfall wenige Tage zuvor macht sein Kommen unmöglich.

6. März 2009

Wie beim ersten Atriumtalk moderiert auch diesmal der bekannte Arzt Dietrich Grönemeyer die Veranstaltung. Als Gast ist Ex-Außenminister Joschka Fischer gekommen.

13. November 2009

Peter Maffay wird im Herbst 2009 nicht nur befragt von Grönemeyer. Der Sänger greift auch zur Gitarre und trägt aus seinem Repertoire vor.

6. März 2010

Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, ist zu Gast beim Atriumtalk – und es gibt eine Premiere. Zum ersten Mal moderiert der Schauspieler Peter Lohmeyer (u.a. „Das Wunder von Bern“) die Veranstaltung.

11. Dezember 2010

Eigentlich war für die zweite Veranstaltung mit Moderator Lohmeyer ein besonderer Gast eingeplant – Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Dessen mögliche Einladung hatten die Stadtwerke schon der Lokalpresse gesteckt, doch daraus wurde nichts. In dem Bericht heißt es: „Normalerweise muss ein Gastgeber fünfstellige Eurobeträge blättern, um Promis dieser Klasse zu buchen. Aber die Stadtwerke regeln das anders, wie [Stadtwerksprecher Thomas] Schönberg sagt. Die Protagonisten bekämen persönlich keinen Cent: ,Sie verzichten auf ihr Honorar zugunsten einer Stiftung, die ihnen nahesteht.' So habe Uli Hoeneß das Geld für eine Kinderkrebsklinik gespendet und Peter Maffay sein Honorar einer Israel-Stiftung zukommen lassen.“

Statt Schröder kommt schließlich der damalige Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Joachim Gauck. Musikalischer Gast war die Sängerin Katja Ebstein.

5. Mai 2011

Diesmal kommt zum Gespräch mit Moderator Peter Lohmeyer eine Schauspiel-Kollegin, die vor allem durch Fernsehfilme bekannte Senta Berger.

26. November 2011

Eine Ikone des Ruhrgebiets, Sportmoderator Werner Hansch, moderiert die 7. Veranstaltung, die fast ein Jahr später bundesweit für Schlagzeilen sorgt. Der Ex-Finanzminister und derzeitige designierte Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, ist zu Gast. Sein Honorar beträgt 25.000 Euro – eine Absprache über eine mögliche Spende des Betrages gibt es nicht, bestätigen die Stadtwerke auf Drängen Steinbrücks im November 2012.

26. Oktober 2012

Bei der jüngsten Ausgabe des Atrium-Talks ist wieder Peter Lohmeyer als Moderator geladen. Gast ist Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Musikgast ist die Sopranistin und Musical-Sängerin Anna Maria Kaufmann.

Kommentare (43)

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Account gelöscht!

02.01.2013, 07:35 Uhr

Es ist schon beachtlich, was sich Politiker weltweit in diesen Tagen so alles leisten. Kim Jong Un stellt fest, dass man mit Südkorea auf Schmusekurs gehen soll, kündigt Wirtschaftsreformen an, will Armut in seinem Land bekämpfen. Kann er der Welt auch mal erklären, wovon er das machen will, sprich bezahlen will?

In Amiland sitzen (fast) ausschließlich Millionäre in der Politik, die sich natürlich nicht gerne ins Konto greifen lassen und nun Zähneknirschend die Steuererhöhung für Menschen ab 400.000 Einkommen hingenommen haben, aber wohl auch nur, um die noch anstehende Entlastung des Mittelstandes wiederum zu boykottieren. Was da in Amiland gewonnen wurde, erschließt sich mir nicht.

Bei uns wird gerade die Weltmeisterschaft im Fettnäpfchentreten ausgefochten. Unser sogenannter Wirtschaftsminister will das Tafelsilber verscherbeln, Altmeier verkauft den Stillstand von Doha als Erfolg und Steinbrück hat grad die Vortragsentlohnung ausgestanden und sichert sich jetzt für die Zukunft ab und mosert rum, dass das Kanzlergehalt viel zu niedrig ist mit fast 17.000 €/Monat. Er hat natürlich Recht, wenn er dieses Gehalt mit den Bängstern vergleicht. *ironieon … aber er war ja noch human und hat die Sparkassendirektoren genommen und nicht die Hedgefondmanager *ironieoff

Ob sich schon bis zu ihm herumgesprochen hat, dass wenn man sich um einen Job bewirbt, es im Vorstellungsgespräch nie gut ankommt, wenn man schon vor der Einstellung über das Gehalt meckert? Will er überhaupt gewählt werden? Oder war es nur ein selten dämlich gewählter Vergleich? Vielleicht hat er aber auch die Sparkassendirektoren genommen, weil er nicht gleich wieder im Millionenbereich landen wollte. *gg

Kann mir mal einer verraten, was für gottserbärmliche Stümper dieser Mann als Berater hat? Gehören die im geheimen der FDP an? In einem haben die Grünen Recht, sie sollten sich wirklich überlegen, ob sie mit der SPD regieren wollen. <b>Vor allem</b> sollte sich dies die SPD sehr genau überlegen. Denn

ichwillmehrpeer

02.01.2013, 07:41 Uhr

P€er St€inbrück macht dort weiter, wo Clement aufgehört hat. Projekt 18.

Republikaner

02.01.2013, 07:48 Uhr

Im Prinzip ist er auch nur ein "Abnickonkel" der Merkelschen Vorgaben, mit einem Ego das im diametralen Verhältnis zu seinen Fähigkeiten steht, dazu gepaart mit Raffzahn-Eigenschaften. Einfach Widerlich!

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