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10.05.2013

06:43 Uhr

Kanzlerin in Afghanistan

Merkel muntert Truppe in Masar-i-Scharif auf

Eine Stippvisite führt Bundeskanzlerin Angela Merkel zur deutschen Truppe nach Masar-i-Scharif. Die Soldaten beklagen den Tod eines Kameraden – an der Afghanistan-Strategie der Regierung ändert der Todesfall aber nichts.

Afghanistan

Merkel muntert Truppen auf

Afghanistan: Merkel muntert Truppen auf

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Masar-i-ScharifKnapp eine Woche nach dem Tod eines deutschen Elite-Soldaten in Afghanistan ist Bundeskanzlerin Angela Merkel dort zu einem Truppenbesuch eingetroffen. Die Kanzlerin landete am frühen Freitagmorgen in Begleitung von Verteidigungsminister Thomas de Maizière im Bundeswehr-Hauptquartier in Masar-i-Scharif. Nach ihrem Eintreffen im Feldlager Kundus besuchte Merkel den Ehrenhain, wo sie der getöteten deutschen Soldaten gedachte.

Am vergangenen Samstag war erstmals ein Elite-Soldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Afghanistan getötet worden. Der Hauptfeldwebel geriet bei einer gemeinsamen Operation mit afghanischen Kräften in einen Hinterhalt der Taliban und wurde erschossen. Die Merkel-Reise war schon vor dem Todesfall geplant, hat dadurch aber noch einmal eine zusätzliche Bedeutung erlangt. Der 32-Jährige war der erste Bundeswehrsoldat seit fast zwei Jahren, der in Afghanistan getötet wurde.

Merkel sprach den Soldaten aber nicht nur Mut zu, sie mahnte auch weitere Reformen in Afghanistan vor dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014 an. „Wir werden ein Auge darauf haben, dass der politische Prozess hier vorangeht“, sagte sie am Freitag. Als anstehende Aufgaben nannte Merkel die Vorbereitung der Präsidentschaftswahl im April 2014 und den Aufbau der Wirtschaft. „All das vollzieht sich zum Teil mühselig, zum Teil etwas langsamer als wir uns das wünschen“, sagte Merkel. „Aber es ist unabdingbar dafür, dass der militärische Einsatz nicht alleine stehenbleibt, sondern dass er wirklich Erfolg hat.“

Bei dem Truppenbesuch bekräftigte die Kanzlerin den Willen der Bundesregierung, sich nach dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes Ende 2014 weiter militärisch in Afghanistan zu engagieren. Sie ermunterte andere Länder, das ebenfalls zu tun. „Die Bundeswehr hat hier im gesamten Gebiet natürlich auch gezeigt, wie internationale Kooperation gut funktionieren kann.“ Der multinationale Einsatz in Nordafghanistan wird von Deutschland geführt.

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Es ist Merkels fünfter Afghanistan-Besuch seit 2007. Erstmals flog die Kanzlerin direkt mit einem Regierungs-Airbus von Berlin nach Masar-i-Scharif. Bei den vorangegangenen Reisen musste sie aus Sicherheitsgründen im usbekischen Termes in eine Militärmaschine mit Raketenabwehrsystem umsteigen. Von Masar-i-Scharif aus flog die Kanzlerin per Hubschrauber weiter nach Kundus. Vor wenigen Tagen waren zwei Bundeswehr-Hubschrauber in Afghanistan von Aufständischen beschossen worden. Niemand kam zu Schaden.

Die Bundesregierung hatte nach dem Tod des KSK-Soldaten erklärt, unverändert an ihrer Afghanistan-Strategie festhalten zu wollen. Dazu gehört das Angebot, auch nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes ab 2015 bis zu 800 Soldaten für Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee zur Verfügung zu stellen. Deutschland hat damit als erstes Nato-Land einen konkreten Vorschlag für eine längerfristige Präsenz am Hindukusch gemacht. Die radikalislamischen Taliban hatten der Bundeswehr daraufhin mit gezielten Angriffen gedroht.

In Kundus wollte Merkel auch mit KSK-Soldaten zusammenkommen. Die Bundeswehr will das Feldlager in Kundus im Herbst an die Afghanen übergeben und den verlustreichen Einsatz in der Unruheprovinz dann nach knapp zehn Jahren beenden. Derzeit sind rund 4300 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stationiert. Der Einsatz kostete bislang 53 deutsche Soldaten das Leben. 35 davon starben bei Angriffen und Anschlägen. Merkel hatte die deutschen Soldaten in Afghanistan zuletzt im März 2012 besucht.

Deutscher Soldat in Afghanistan getötet

Video: Deutscher Soldat in Afghanistan getötet

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Kommentare (21)

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Einzelkaempfer

10.05.2013, 07:52 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

10.05.2013, 08:05 Uhr

EIN BLICK IN DIE LANDKARTE LEHRT:

An keiner Stelle Deutschlands gibt es territoriale Berührungspunkte zu Afghanistan.
Und nichts läge mir ferner, als zu sagen, dass Frau Merkel in der afghanischen Wüste fehl am Platze wäre. Nein!
Jeder einzelne gefallene deutscher Soldat in Afghanistan tut mir in der Seele weh. Gleicher Schmerz erzeugt sich in mir, wenn ich die Versorgung der psychisch kranken Soldaten hier in Deutschland berichtet bekomme.
Veteranen mit posttraumatischen Belastungsstörungen, denen ihr Dienstherr außer Behandlungslosigkeit und Verweigerung der klinischen Versorgung nichts aber auch gar nichts zu bieten hat.
Solange Merkel noch Kanzlerin ist, tut sie gut daran, in deutsche BW-Kliniken sich umzutun, anstatt Theaterbühnen der Bundeswehr am Hindukusch zu besuchen.

SO SIEHTS AUS!

Account gelöscht!

10.05.2013, 08:22 Uhr

Stimmt natürlich. Aber gehört es nicht zum schrecklichen Berufsrisiko eines Elitesoldaten?

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