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10.07.2012

15:23 Uhr

Kanzlerin Merkel

Deutsche Wirtschaft schwächt sich ab

Trotz einer Abschwächung ist die deutsche Wirtschaft auf dem Wachstumspfad. Die aktuelle Krise sei nicht so gravierend wie in 2008/09, so Kanzlerin Merkel. Sie zu bewältigen, werde aber noch einige Zeit dauern.

Angela Merkel: Wachstum dürfte sich 2012 abschwächen. dapd

Angela Merkel: Wachstum dürfte sich 2012 abschwächen.

Jakarta/BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel sieht die deutsche Wirtschaft trotz eines spürbaren Dämpfers auf gutem Kurs. "In diesem Jahr werden wir weiter ein Wachstum haben, aber es ist abgeschwächt", sagte die CDU-Politikerin am Dienstag auf ihrem Indonesien-Besuch in Jakarta. Gemessen an der großen Finanzkrise 2008/2009, als die Wirtschaftskraft um fünf Prozent einbrach, sei die aktuelle Krise weniger einschneidend.

Merkel interpretiert die Schuldenkrise ein Stück weit als Folge der Finanzkrise, die vor vier Jahren ihren Lauf nahm. Damals musste der Finanzsektor massiv von den Staaten gestützt werden. "Wir sind noch nicht aus der Krise 2008/2009 heraus", sagte sie. Die Kanzlerin äußerte sich zuversichtlich, dass Europa seine Krise bewältigt. Dies werde jedoch nicht mit einem einzigen großen Paukenschlag gelingen, sondern längere Zeit in Anspruch nehmen.

Das schreiben die „fünf Wirtschaftsweisen“ über ...

... die aktuelle Lage der Euro-Zone

„Der Euro-Raum sieht sich drei gravierenden und zugleich eng miteinander verbundenen Problemfeldern gegenüber: einer Staatsschuldenkrise, einer Bankenkrise und einer makroökonomischen Krise.“ (...)

„Die zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte unvermeidbaren Sparprogramme beeinträchtigen die ohnehin schwache Binnenkonjunktur in den betreffenden Ländern.“ (...)

„Das Finanzsystem ist aber gerade in den Ländern, in denen die hohe Auslandsverschuldung vor allem spekulative Entwicklungen im Immobiliensektor genährt hat, stark angeschlagen. Erhebliche Teile der seinerzeit vergebenen Kredite sind akut ausfallgefährdet und belasten die Bankbilanzen. Der dadurch ausgelöste 4 Zeit für eine dauerhafte Lösung der Euro-Krise Sachverständigenrat 2012 Vertrauensverlust ließ die privaten Kapitalflüsse aus dem Ausland versiegen.“

... das bisherige Krisenmanagement

Es sei gelungen, „mutige Schritte zur Konsolidierung der öffentlichen Finanzen einzuleiten“, ganz anders als in Großbritannien oder den USA. (...)

Dass Spanien und Italien mit Problemen bei der Kreditaufnahme zu kämpfen hätten, die USA und Japan aber etwa nicht, hänge mit der anders ausgerichteten Geldpolitik der Zentralbanken zusammen, bei der jedoch Geld- und Fiskalpolitik vermischt würden.

„Die besondere Exponiertheit der Problemländer gegenüber den Finanzmärkten resultiert zusätzlich daraus, dass ihre gesamte Verschuldung auf eine Währung lautet, die sie nicht selbst schaffen können. Das kann man prinzipiell als einen erwünschten Disziplinierungseffekt ansehen, es kann sich daraus aber auch ein destabilisierender Prozess ergeben (...)“

... die Ergebnisse des EU-Gipfel Ende Juni

Die Staats- und Regierungschefs hätten eine Aufgabenerweiterung der Rettungsfonds ESM und EFSF beschlossen. Der Sachverständigenrat wiederhole aber seinen Vorschlag eines Modells, das den Zugang zu gemeinschaftlichen Finanzierungsmechanismen von dem Erreichen der Ziele des Stabilitäts- und Wachstumspakts abhängig macht. Außerdem seien ESM und EFSF eigentlich zu klein, da sie nach Abzug der laufenden Programme und der geplanten Hilfen für spanische Banken nur noch ein Volumen von 400 Milliarden Euro hätten.

Die Idee der von den Regierungschefs propagierten gemeinsamen Bankenaufsicht begrüßen die Wirtschaftsweisen: „Allerdings benötigt die Etablierung von hinreichenden Aufsichts- und Eingriffsrechten nicht zuletzt geraume Zeit, die in der aktuellen Krise jedoch nicht zur Verfügung steht.“

„Insgesamt haben die Staats- und Regierungschefs der Länder des Euro-Raums damit den Problemländern lediglich zu einer Atempause verholfen.“

... noch benötigte Entscheidungen

Der Sachverständigenrat wiederholt die Empfehlung, einen „Schuldentilgungsfonds“ zu schaffen. Kriselnde Staaten dürften dabei gemeinschaftliche Anleihen mit anderen Staaten begeben und dabei von niedrigen Zinsen profitieren, müssten dabei aber Tilgungsverpflichtungen eingehen. Angesicht des Zusammenhangs von Staatsschulden- und Bankenkrise reiche das aber nicht aus. Es bedürfe eines Drei-Punkte-Plans.

... ihren Vorschlag eines „Drei-Punkte-Plans“

1. Die spanischen Banken müssen rasch rekapitalisiert werden aus EFSF und ESM und mehr Befugnisse für die Europäische Zentralbank, um die Lage des Bankensektors besser beurteilen zu können.

2. Es bedürfe einer besseren „Kapitalausstattung der Banken, um deren Risikotragfähigkeit zu erhöhen. Parallel dazu ist die Etablierung von Mechanismen zur Restrukturierung und Abwicklung von Banken erforderlich.“ Eine umfassende Lösung der Weichenstellungen für ein stabiles Finanzsystem werde „derzeit nicht zuletzt dadurch erschwert, dass es keine effektiven und europaweit abgestimmten Verfahren zur Restrukturierung und Abwicklung von Banken (...) gibt.“

3. „Keine Schnellschüsse hin zur Bankenunion: (...) Ein langfristiges System, bei dem Haftung und Kontrolle zusammenfallen, erfordert nicht zuletzt die Aufgabe nationaler Souveränitätsrechte. Dies wird somit zwingend einige Zeit in Anspruch nehmen; umso wichtiger ist es, die erforderlichen Änderungen der Regulierung jetzt auf den Weg zu bringen.“

Wer sind eigentlich die „fünf Wirtschaftsweisen“?

Die Mitglieder des Gremiums, das offiziell „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ heißt sind:

Wolfgang Franz (ZEW, Mannheim) ist der Vorsitzende. Die anderen vier Mitglieder sind Peter Bofinger (Uni Würzburg), Claudia Buch (Uni Tübingen), Lars Feld (Uni Freiburg) und Christian Schmidt (Uni Bochum, RWI-Präsident).

Die Bundesregierung rechnet für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent, nach rund drei Prozent 2011. Deutschlands Industrie- und Exportsektor hatte trotz der Konjunkturabkühlung und wachsender Unsicherheit jüngst auch positive Signale gesendet. Die Finanzierungssituation ist für die meisten Firmen derzeit entspannt, wie aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags hervorgeht: "Mehr als jedes vierte Unternehmen hat derzeit keinen Bedarf an externer Finanzierung und stemmt Investitionen aus eigener Kraft".

Auch die Unternehmen, die auf externe Finanzierung zurückgreifen, zeigen sich demnach weitgehend zufrieden. "Von diesen Betrieben bezeichnet dank guter Geschäftstätigkeit sowie steigender Eigenkapitalquoten und wachsenden Liquiditätsreserven fast die Hälfte ihren Zugang zu Finanzierung als gut (45 Prozent)." Rund 41 Prozent bewerteten die Situation als befriedigend. Nur 14 Prozent hätten Probleme: Für neun Prozent seien die Bedingungen schlecht, fünf Prozent der Unternehmen hätten keine Kredite bekommen.

Nur noch jede siebte Firma bewertet die Finanzierung inzwischen als Risiko für das Geschäft. "Unsicherheit bei Verfügbarkeit und Preisentwicklungen bei Energie und Rohstoffen sowie fehlende Fachkräfte sind beispielsweise um einiges bedeutsamer (55 beziehungsweise 35 Prozent)", betonten die DIHK-Experten.

Von

rtr

Kommentare (3)

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observer

10.07.2012, 15:33 Uhr

hallo Frau Merkel, das ist doch Ihr wahrer auftrag. Nun hören Sie doch endlich mal mit ihren Lügen auf:

Um Europa billig aufkaufen zu können, muss es erst ruiniert werden. Eine einheitliche Währung, verbunden mit einer dramatischen Kaufkraftsenkung, war/ist dabei hilfreich.



Es ist der Plan der globalen Elite, die Welt zu beherrschen und ihre "eine Welt" oder ihre "Welt AG" zu etablieren. Sie wollen die Welt nicht unbedingt regieren, sondern sie total kontrollieren und besitzen. Sie wollen die weltumspannende Konzerndiktatur, wo sie dann den Vorstand bilden.

Crash des globalen Finanzsystems

Gerald Celente (Trend Reserach Institute New York) sieht den Totalzusammenbruch des globalen Finanzsystems kommen und mit ihm Hungersnöte, Revolutionen und Kriege. Da die US-Wirtschaft bisher etwa 25% der globalen Wirtschaftsleistung stellten, würde deren Zusammenbruch alle anderen Volkswirtschaften ebenso betreffen. Siehe: www.trendsresearch.com, Trends Journal, Autumn Issue 2010 (pdf) und www.trendsresearch.com, Trends Journal, Winter Issue 2010 (pdf)

Trendforscher: Die USA waren einmal der egalitärste Staat der Welt. Nun kontrollieren 10 Banken 80% der Geschäfte.



Account gelöscht!

10.07.2012, 15:37 Uhr

"In diesem Jahr werden wir weiter ein Wachstum haben, aber es ist abgeschwächt", sagte die CDU-Politikerin am Dienstag auf ihrem Indonesien-Besuch in Jakarta. Gemessen an der großen Finanzkrise 2008/2009, als die Wirtschaftskraft um fünf Prozent einbrach, sei die aktuelle Krise weniger einschneidend."

Soll das ein Witz sein? In welchen Spähren schwebt diese Lichtgestalt eigentlich? Das massive einbrechen der Wirtschaftskraft ist nur noch eine Frage der Zeit. Der Binnenmarkt ist seit Einführung des Euros tot (wenn da im Moment eine Steigerung zu verzeichnen ist, sehe ich das als Rettungsversuch des Geldes, welches sonst auf privaten Konten immer weniger werden würde). Den Export in die Eurozone hat die Dame selbst zerbröselt durch harte Sparpakete.

Glaubt sie, das die vermeintlich gute Lage mit Exporten nach Indonesien aufgefangen wird?

Account gelöscht!

10.07.2012, 16:00 Uhr

Schon lustig wenn man die Schlagzeilen eines Tages verfolgt:

"Rewe Touristik verbucht Umsatzplus"
"Schraubenhändler Würth auf Rekordkurs"
"Indonesien will offenbar deutsche Panzer kaufen"
etc., etc.

Doch Merkel's Deutsche Wirtschaft schwächelt. Meint sie vielleicht den Einzelhandel? Ja, der befindet sich im Sinkflug - weil immer mehr Leuten das Geld zum Einkaufen ausgeht.

Seit Euro Einführung ist das Lohnniveau gesunken, die Steuern gestiegen, das Sozial- und Gesundheitssystem abgebaut worden, die Arbeitslosenquote extrem gestiegen und die Staatsverschuldung explodiert! Der EURO war NIEMALS gut für Deutschland! Nur sehr wenige haben davon profitiert.

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