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13.03.2017

15:08 Uhr

Kanzlerin trifft Trump

Was die Wirtschaft Merkel mit auf den Weg gibt

Ratschläge für ihre US-Reise gibt es für Kanzlerin Merkel in München. Dort loben die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft die Vorzüge von Freihandel und offenen Märkten – und vertrauen auf den Geschäftsmann Trump.

Bevorstehende USA-Reise

Merkel will Trump zeigen: Wir schaffen Jobs

Bevorstehende USA-Reise: Merkel will Trump zeigen: Wir schaffen Jobs

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MünchenFür dieses Gepäckstück sollte in der Kanzlermaschine noch Platz sein. Ein Paar Handschuh bekommt Angela Merkel vor ihrem Abflug in die USA überreicht. Handgefertigt. Allerdings keine Boxhandschuhe, um dem neuen US-Präsidenten Donald Trump Paroli bieten zu können, sondern das Erzeugnis eines kleinen Handwerkbetriebs aus dem Erzgebirge. Als Kälteschutz. Schließlich ist für Washington Schneefall angesagt.

Eher frostig denn heiter bis wolkig ist auch das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Europa seit die Trump-Regierung das Sagen hat. Es ruhen also große Hoffnungen auf dem Besuch der deutschen Kanzlerin in Washington. Sie muss ausloten, wie ernst es Trump mit seiner America-first-Politik ist.

Die Handschuhe bekommt Merkel bei ihrem Termin in München überreicht. Dort ist sie zu Gast bei den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft, dort holt sie sich das nötige Rüstzeug für ihre USA-Reise. Die deutschen Wirtschaftsvertreter geben ihr mit einem Plädoyer für Freihandel und offene Märkte Rückendeckung. Ihnen ist wie Merkel klar, dass die USA ein zentraler Handelspartner für Deutschland sind.

Wie wichtig die USA für die deutsche Wirtschaft sind

Handel

2015 wurden die USA der wichtigste Exportkunde der deutschen Unternehmen, nachdem über mehr als sechs Jahrzehnte Frankreich diese Position innehielt. 2016 behaupteten die Vereinigten Staaten ihre Spitzenposition: Waren im Wert von rund 107 Milliarden Euro wurden damals dorthin verkauft - vor allem Fahrzeuge, Maschinen und chemische Produkte. Das entspricht einem Anteil von etwa zehn Prozent an den gesamten Ausfuhren. Umgekehrt importierte Deutschland Waren im Wert von knapp 58 Milliarden Euro aus den USA, was sechs Prozent aller deutschen Einfuhren entspricht.

Jobs

Mehr als eine Million Jobs in Deutschland hängen direkt oder indirekt von den Exporten in die USA ab. Weitere 630.000 Arbeitsplätze gibt es in Betrieben, die von US-Firmen kontrolliert werden. Allein McDonald's Deutschland zählte 2015 etwa 58.000 Mitarbeiter, der Personaldienstleister Manpower 27.000 und die Ford-Werke gut 25.000. Umgekehrt schaffen deutsche Unternehmen in den USA ebenfalls Hunderttausende Stellen. Größter deutscher Arbeitgeber ist dort die Deutsche-Post-Tochter DHL mit aktuell mehr als 79.000 Mitarbeitern. Siemens beschäftigt in den USA rund 50.000 Frauen und Männer.

Investitionen

Die deutschen Unternehmen haben mehr als 271 Milliarden Euro an Direktinvestitionen in den USA - etwa Fabriken und Immobilien. Mehr als 3700 Unternehmen sind in den Vereinigten Staaten tätig. Allein die 50 größten deutschen Firmen dort kommen auf einen Jahresumsatz von 400 Milliarden Dollar. Auch US-Unternehmen haben erhebliche Beträge in Deutschland investiert: Der Bestand summiert sich auf rund 27 Milliarden Euro. 2015 wurden 252 neue Projekte hierzulande von US-Firmen gestartet, von Neuansiedlungen auf der grünen Wiese über Erweiterungen bis hin zu Standortwechseln. Nur chinesische Unternehmen waren aktiver. Die 50 größten US-Unternehmen kommen in Deutschland auf einen Jahresumsatz von rund 170 Milliarden Euro.

„Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein zentraler Handelspartner für die Bundesrepublik Deutschland, aber auch für die ganze Europäische Union“, sagt Merkel. „Dieser Handel ist für beide Seiten von Vorteil.“ Das werde sie auch Donald Trump sagen. Sie freue sich auf das Gespräch, um mit Trump genau über diese Punkte sprechen zu können. „Das direkte Gespräch ist immer viel besser, als wenn man übereinander redet. Miteinander reden statt übereinander reden – das wird mein Motto sein bei diesem Besuch, auf den ich mich ausdrücklich freue.“

Merkel verweist auf die engen wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen beiden Ländern. So gebe es in den USA „ungefähr 750.000 gesicherte Arbeitsplätze durch deutsche Unternehmen“. Das bedeute zudem, dass mehr als zwei bis drei Mal so viele Jobs von deutschen Firmen abhingen. Umgekehrt seien in Deutschland Hunderttausende Arbeitsplätze von US-Unternehmen abhängig. „Das sollten wir in den Mittelpunkt stellen.“

Die USA waren 2016 größter Absatzmarkt für Produkte „Made in Germany“. Washington stört sich aber schon länger am deutschen Handelsüberschuss von 49 Milliarden Euro. Mit Trump hat nun erstmals ein US-Präsident angedroht, protektionistisch dagegen vorzugehen.

Kommentare (47)

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Frau Edelgard Kah

13.03.2017, 15:08 Uhr

Sehr geehrter Herr Höpner,

so etwas abgehobenes und überirdisches wie die gemeinsame Erklärung der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft habe ich noch nie gelesen. Ich schlage vor, diese Erklärung zum Weltkulturerbe zu erheben.

Account gelöscht!

13.03.2017, 15:12 Uhr

Ach, ich glaube die Deutsche Wirtschaft wird sich mit der Trump Politik noch besser verstehen als unter Clinton und Obama dies der Falll war.
Solange die Deutschen Unternehmen Arbeitsplätze in den USA für US Arbeitnehmer schaffen ist das für Trump kein Problem. Und Trump kommt den ausländischen Investoren (Deutscher Wirtschaft usw.) auch mit einer Steuerreform (niedrige Unternehmenssteuern), weniger Bürokratie, geringe Energiekosten durch eine CO2 freundliche Politik (Kohle, Gas, Oel, Kernkraft) da gerne entgegen.
Trump spielt mit seiner Poltiik die Karte des Standortwettbewerb aus....er schafft mit seiner Poltiik ein Umfeld des wirtschaftlichen Wohlfühlen...geringe Steuern und Abgaben, weniger Bürokratie, Ausbau und Erneuerung der Infrastruktur und eine billige Energiepolitik. Hinzu kommt eine stabile Währungspolitik mit einen starken Dollar. Die Zulieferer von Deutschen Autokonzernen, Chemie, Maschinenbauer usw. werden sich dann ebenfalls im Umfeld der US Standorte niederlassen. Trump will die Besten in seinen Land haben...er will das Beste vom Besten in der Welt in den USA zusammenführen...was das für Deutschland und seinen Wirtschaftsstandort/Arbeiter und Bürger bedeutet...ich befürchte, dass die Deutsche Volkswirtschaft ausbluten wird, wenn diese Grün-Sozialistische überregulierte und Steuer-Abgaben fressende CO2 freie und illegale Einwanderungspolitik weiter an der Regierung verbleibt.

Herr Tomas Maidan

13.03.2017, 15:17 Uhr

Mit ihrer Kritk Frau Kah sprechen sie gewiss einigen Menschen aus dem Herzen! Genau so wird wohl auch Donald Trump diesen, einen völlig normalen Zeitungsartikel einer deutschen Tageszeitung empfinden. Das ist zu hoch für ihn. Die Zusammenhänge der Wirtschaft, des freien Handels und das manierliche Gespräch über politische Fakten werden sicherlich seinen Horizont überschreiten.

Wenn es nach dem Willen seiner Fans geht, wird Trump während des Gespräches wahrscheinlich aufstehen und den Vertretern der deutschen Wirtschaft "YOU ARE FIRED!" ins Gesicht brüllen.

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