Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2017

16:00 Uhr

Kanzlerkandidat Schulz

„Wahlkampf bis zur letzten Sekunde“

Aufbruchsstimmung in der SPD: Nach dem Rückzug von Sigmar Gabriel ist Martin Schulz nun der Kanzlerkandidat der Partei. Und der Genosse hat auch schon einen Plan für seinen Wahlkampf.

Kanzlerkandidat Schulz

„Die SPD hat den Anspruch, dieses Land zu führen“

Kanzlerkandidat Schulz: „Die SPD hat den Anspruch, dieses Land zu führen“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinDie SPD setzt nach den Worten des künftigen Parteichefs und Kanzlerkandidaten Martin Schulz bei der Wahl auf Sieg. Die Sozialdemokraten wollten, „in welcher Konstellation auch immer“, den Bundeskanzler stellen, sagte Schulz am Mittwoch nach einer Fraktionssitzung in Berlin. Bis zur Wahl werde seine Partei den Koalitionsvertrag mit der Union erfüllen. Aber die SPD werde im Wahlkampf auch eigene Akzente und Erfolge in der Regierung machen. Die SPD trete an, um die Bundesregierung anzuführen. „Da müssen sich unsere zukünftigen Koalitionspartner orientieren an unseren Inhalten“, sagte Schulz.

Die Aufgabe des künftigen Außenministers Sigmar Gabriel ist es laut Schulz, Europa zusammenzuhalten. Fraktionschef Thomas Oppermann machte deutlich, dass Vizekanzler Gabriel sich nun Schulz unterzuordnen hat: „Er wird im Wahlkampf eine dienende Rolle spielen“, so Oppermann. Schon bei Schulz´ Auftritt herrschte laut Oppermann „eine Aufbruchsstimmung in der Fraktion“. Er sprach von einem „erfolgreichen Startschuss für ein Wahljahr“. Schulz habe den vollen Rückhalt der Fraktion.

Dafür steht SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

Präsenz

Schulz verdankt seinen Aufstieg in Brüssel Eigenschaften, die ihm Freunde und Gegner gleichermaßen zuschreiben: Ehrgeiz, Arbeitseifer, klare Sprache, Machtbewusstsein. Vor allem als EU-Parlamentspräsident und als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der Europawahl 2014 schärfte er nicht nur sein eigenes Profil, sondern gab Europa eine starke Stimme. Der Christsoziale Manfred Weber würdigte Schulz zum Abschied aus Brüssel als kraftvollen und durchsetzungsstarken Europäer.

Klare Botschaften

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat gilt als Politiker, der Streit nicht aus dem Weg geht. Zuletzt übte er zum Beispiel heftige Kritik am EU-Mitgliedsland Ungarn und dessen Referendum zur Flüchtlingspolitik. Wachsenden Nationalismus und Rechtspopulismus verurteilte er scharf und verlangte Einsatz für das europäische Gesellschaftsmodell gegen die „Feinde der Freiheit“. Seine eigene Partei mahnt er, normalen Menschen zuzuhören und auf ihre Nöte einzugehen. Die Krise der EU trieb ihn um – wobei er gerne die Brüsseler Perspektive einnahm und vor allem den Streit der Mitgliedsstaaten kritisierte.

Anpacken

Obwohl das Amt als EU-Parlamentspräsident eher zeremoniell angelegt ist, präsentierte sich Schulz als Macher. Ein Beispiel: der Handelspakt Ceta mit Kanada. Im Herbst überzeugte er die vom Streit mit der Wallonie völlig entnervte kanadische Ministerin Chrystia Freeland, ihre Abreise zu verschieben und sich noch ein letztes Mal mit ihm zu treffen. Fernsehkameras standen bereit, das Überraschungsgespräch im Morgengrauen zu dokumentieren. Letztlich wartete Kanada die europäischen Kapriolen dann geduldig ab, und das Abkommen kam doch noch zustande.

Allianzen

In Brüssel und Straßburg stand Schulz für die informelle große Koalition mit der Europäischen Volkspartei und deren Vorsitzendem Weber. 2014 unterzeichneten beide einen Pakt, der Schulz bei der Wiederwahl zum Parlamentspräsidenten EVP-Stimmen sicherte. Dafür sollte er im Januar 2017 seinen Posten für einen EVP-Kandidaten räumen. Es ging aber nicht nur um Personal: Die beiden größten Fraktionen sahen den Pakt als Mittel, in Europa stabil und effizient Politik zu machen und der EU-Kommission zu Mehrheiten zu verhelfen.

Machtanspruch

Kleinere Parlamentsfraktionen wie die Grünen oder Linken fühlten sich in der Ära Schulz an den Rand gedrängt und ignoriert. Auch wurden Schulz Eigenmächtigkeiten vorgeworfen – sowohl inhaltlich, wenn er für das Parlament sprach, als auch bei der Besetzung von Spitzenposten im Haus. Etliche Abgeordnete zeigen sich nun erleichtert, dass neue Zeiten anbrechen.

Der bisherige EU-Parlamentspräsident unterstrich, dass unter seiner Führung das Schicksal Europas, der Kampf gegen Rechtspopulisten und für die Demokratie einen großen Stellenwert einnehmen sollen.

Schulz selber hatte noch nie ein Regierungsamt. Umso bemühter war er, seine Erfahrungen als Bürgermeister seiner Heimatstadt Würselen und als Fraktionschef im Europa-Parlament hervorzuheben. Er rief außerdem seine Partei auf, trotz schlechter Umfragen selbstbewusst in den Bundestagswahlkampf zu ziehen. „Wenn wir Sozis den Menschen zeigen, dass wir an sie denken, dann gewinnen wir die Wahl“, sagte er. Es gebe viele Menschen, die sich erst ganz zum Schluss vor der Wahl entscheiden würden, was sie wählen. Daher lohne sich ein Wahlkampf bis zur letzten Sekunde, wurde Schulz von Teilnehmern zitiert. Außerdem soll er um Unterstützung gebeten haben. „Ich hoffe, dass wir die vor uns liegenden Monate gemeinsam gehen“, sagte der 61-Jährige demnach. „Ihr könnt auf mich bauen.“

Martin Schulz – ein Politikerleben

Startschuss

1974 tritt Martin Schulz in die SPD ein.

Bürgermeister

1987 bis 1998 war der gelernte Buchhändler Bürgermeister der Stadt Würselen bei Aachen.

EU-Parlament

Ab 1994 war Martin Schulz Mitglied des Europäischen Parlaments.

In der Partei

Seit 1999 gehört er dem SPD-Parteivorstand und dem Parteipräsidium an.

In Straßburg und Brüssel

Von 2004 bis 2012 ist Schulz Vorsitzender der Sozialistischen Fraktion im Europaparlament.

Präsident

Seit 2012 stand er als Präsident dem EU-Parlament vor – im November 2016 kündigt er seinen Wechsel in die Bundespolitik an.

Spitzenkandidat

Nach dem Rückzug von Parteichef Sigmar Gabriel soll Schulz die SPD in den Bundestagswahlkampf 2017 führen.

SPD-Linke setzen für eine Regierungsmehrheit nach der Bundestagswahl am 24. September auf ein Bündnis mit Grünen und der Linkspartei. Der scheidende SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte auch die Möglichkeit einer Ampelkoalition von SPD, FDP und Grünen ins Gespräch gebracht.

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Grutte Pier

25.01.2017, 16:20 Uhr

gut zu wissen, dass Schulz schon einen "Plan" für den Wahlkampf hat.

Während seiner elitären "Tätigkeit" bei der EU, hat er auf allen wichtigen Themenfeldern (z.B. EU, €uro, Schulden, "Flüchtlinge" usw.) keinen "Plan", zumindest zum Vorteil der Bürger, erkennen lassen.

Da kann es ja nur noch "besser" werden......

Herr San Yukon

25.01.2017, 16:31 Uhr

Die SPD bzw. Gabriel suchte für die Wahl 2017 einen Sündenbock und hat ihn mit Schulz gefunden. Ein "trockener Alkoholiker" als Kanzlerkandidat, na dann Prost.

Herr Max Marx

25.01.2017, 16:37 Uhr

Diese Lachnummer wird dort landen, wo sie hin gehört ... auf den Boden.
Die ROTEN sind fertig ... ruiniert von GazProm Gerd & Peter Hartz.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×