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09.05.2011

15:27 Uhr

Kanzlerkandidaten

SPD-Retter mit Hang zur Selbstbeschädigung

VonPeter Dausend
Quelle:Zeit Online

Gabriel, Steinbrück, Steinmeier: Diese drei Mächtigen der SPD könnten einmal für das Kanzleramt kandidieren. Das Problem dabei: Statt im Stimmenfang üben sie sich lieber in der Kunst sich selbst zu schaden.

Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier und der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück sollen der SPD wieder zu alter Stärke verhelfen. Quelle: dapd

Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier und der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück sollen der SPD wieder zu alter Stärke verhelfen.

Drei Dinge braucht der Mann, der die SPD retten will: Emotionalität, Seriosität und eine Wirkungsmacht, die weit über eine Partei im Selbsthader hinausweist. Emotional muss dieser Mann sein – Erlöserinnen sind nicht in Sicht, weder in Düsseldorf noch im Willy-Brandt-Haus –, weil Sozialdemokraten immer erst begeistert werden müssen, bevor man sie retten darf; seriös, weil Kompetenz und Berechenbarkeit sich vom schwarz-gelben Regierungswirrwarr so werbewirksam abheben; und wirkungsmächtig, weil die SPD als Partei selbst es nicht (mehr) ist.

Das kleinere Problem der SPD besteht darin, dass sich Emotionalität, Seriosität und Wirkungsmacht nicht in einer Person bündeln, sondern auf drei Akteure verteilt sind, auf Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück. Und das größere, dass diese drei derzeit vor allem eins gemeinsam haben: den Hang zur Selbstbeschädigung. Alle drei wirken gerade wie Retter, die man vor sich selbst retten muss.

SPD-Chef Gabriel hat es soeben fertiggebracht, sich und seiner Partei durch einen einzigen Versuch des Krisenmanagements gleich doppelten Schaden zuzufügen. Das erste Mal, als er beschloss, Thilo Sarrazin parteiamtlich aus der SPD werfen zu lassen, was sowohl die Anhänger der Sarrazinischen Thesen vom integrationsunfähigen Migranten verärgerte als auch die Verteidiger des Rechts auf wirre Meinungsäußerung. Und das zweite Mal, als Gabriel das Ausschlussverfahren stoppen ließ, was nun all jene Sozialdemokraten empört, die mit einem wie Sarrazin nicht in einer Partei sein möchten. Die doppelte Beschädigung wird langsam SPD-Methode. Mit der Agenda-Politik hatten die Sozialdemokraten einst ihre Traditionalisten in die Arme eines rachsüchtigen Oskar Lafontaine getrieben – und mit der Revision derselben trieben sie ihre Modernisierer Jahre später in die Verzweiflung.

Steinmeier kommt manchmal daher wie eine Kompromissmaschine

Dabei hatte sich Sigmar Gabriel durchaus Respekt mit der Art und Weise erworben, in der er im September letzten Jahres den angestrebten Rauswurf Sarrazins in einem Beitrag für die ZEIT begründete, auch bei vielen, die ihn eher für eine munter parlierende Kreuzung aus Windmacher und Luftikus hielten. Den Populisten Sarrazin hatte der unter Populismusverdacht stehende Gabriel damals mit intellektueller Schärfe und rhetorischer Brillanz in seine Einzelteile zerlegt. Der politische Ernst und das Gewicht, das Gabriel aus dieser Auseinandersetzung erwuchs, verspielt er nun, ganz beiläufig, ganz der Alte.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

14.05.2011, 22:25 Uhr

Ich wette, wenn die Schröder zurück holen und der offen und ehrlich sagt, dass die Agenda 2010, so wie er sie installiert hat, nicht in Ordnung war und dies geändert werden müsse, und er außerdem endlich auch mal klar sagen würde, dass der Rettungsschirm Mist ist, sich zudem auch vom Gutmenschentum was MultiKulti betrifft löst, die Massen hätte er wieder hinter sich.
Denn eines muß man ihm bei aller Kritik lassen, er hat Charisma und er weiß, wie er die Massen hinter sich scharen kann.
Wenn der in den Wahlkampf ziehen würde, da sähe Merkel aber ganz alt aus.
Wenn er zudem noch mit einem guten Konzept für eine Steuervereinfachung für den Mittelstand kommt und einer guten Krankenversicherungs-Reform die den Namen verdient, er wäre der King und hätte alle hinter sich
Ein Politiker, der auch mal Fehler zugibt, kommt sicher mehr an, als die ganzen Fuzzis die uns ständig belügen.
Gabriel ist zu sehr auf linker Gutmenschenlinie und es fehlt ihm irgendwie doch das wirklich Intellektuelle, er ist irgendwie dem Kleinbürgertum nie entkommen
Steinmeier zu bürokratisch, der hat einen Scharm wie eine Büroklammer

Prenden

15.05.2011, 00:31 Uhr

Gähn, wenn ich diese Gestalten sehe muss ich an Heinz Erhardt denken, also zumindest bei Steinmaier. Der Prototyp eines Beamten. Die anderen sind auch nur graue Panther. Leute, bitte denkt dran, ich musst nicht wählen gehen wenn es nicht wirklich jemanden gibt dem ihr eure Stimme spenden wollt. Macht die Wahlzettel für eine Registrierung als Nichtwähler einfach ungültig!

Account gelöscht!

15.05.2011, 06:08 Uhr

Die alten Böcke kleben an ihrem Stuhl und an ihren Posten !
Die FDP wusste wann es zeit ist , die SPD hat den Generationen wechsel längst Verschlafen !
Wir können weder den Steinmeier noch (oder erst recht nicht )den Steinbrück sehen , Gabriel jedoch setzt dem die Krone auf .

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