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20.11.2016

21:08 Uhr

Kanzlerkandidatur 2017

Merkels Verheißung

VonJan Hildebrand

Die Kanzlerin inszeniert sich als Stabilitäts-Garantin. Eine Vision für weitere vier Merkel-Jahre präsentiert sie aber nicht. Gut möglich, dass das für den Wahlsieg reicht – für das Land ist es zu wenig. Ein Kommentar.

Merkel auch nach 2017 Kanzlerin?

„Die Alternativen fehlen“

Merkel auch nach 2017 Kanzlerin?: Merkel auch nach 2017 Kanzlerin? – „Die Alternativen fehlen“

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BerlinAngela Merkel ist durchaus fähig zur Selbstironie. Auf die Frage, wann genau sie die Entscheidung getroffen habe, ein viertes Mal als Kanzlerkandidatin anzutreten, antwortete sie am Sonntagabend: „Bei mir ist das so: Ich brauche lange, und die Entscheidungen fallen spät.“ Es war eine Anspielung auf ihren Regierungsstil, mit dem sie nunmehr schon elf Jahre das Land prägt, der anfangs belächelt, dann vom politischen Gegner gefürchtet und zuletzt in der Flüchtlingskrise aber auch heftig kritisiert wurde.

Nun also hat Merkel nach Monaten der Spekulation am Sonntagabend für Klarheit gesorgt: Ja, sie kandidiert Anfang Dezember das neunte Mal als CDU-Vorstandsvorsitzende. Und ja, damit ist das auch die Entscheidung gefallen, dass sie zum vierten Mal als Kanzlerkandidatin der Union antritt.

Wie Merkel in den Wahlkampf ziehen wird, welche Vorstellung sie von einer möglichen vierten Amtszeit hat, das wird in dem Selbstverweis auf ihren Regierungsstil schon deutlich: Merkel wirbt vor allem mit Merkel. Das war der rote Faden ihrer Pressekonferenz: Die Inszenierung als Garantin für Stabilität.

Die Amerikaner haben den Polit-Polterer Donald Trump ins Weiße Haus gewählt, die Briten ihr Land aus der Europäischen Union katapultiert und überall in Europa sind die Populisten auf dem Vormarsch. „Überaus schwierige, man kann sagen unruhige Zeiten“ nennt Merkel das. Ihre Kandidatur ist Merkels Versprechen an die Deutschen, sie durch die Wirren zu führen. Immer wieder hebt sie an diesem Abend ihre „ganze Erfahrung“ hervor, die sie „in die Waagschale werfen“ will. Und wer noch mehr Gewissheit braucht, dem sagt die Kanzlerin zu: „Ich trete für die Legislaturperiode an.“ Nicht für den Wahlkampf, nicht für eine Halbzeit – nein, es gibt die Aussicht auf Merkel bis 2021.

Gut möglich, dass das im Wahlkampf zieht. Trotz Flüchtlingskrise ist die Mehrheit der Deutschen in den jüngsten Umfragen für eine weitere Amtszeit von Merkel. Die Bürger fühlen sich bei Merkel gut aufgehoben, nicht umsonst wird sie im politischen Betrieb „Mutti“ genannt.

Kommentare (39)

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Herr Holger Narrog

21.11.2016, 08:31 Uhr

Es ist erstaunlich dass Fr. Merkel und ihre Medien den Menschen Stabilität vorspielen.

Teilweise liegt es daran, dass sie den Schaden den sie anrichtet in die Zukunft verschoben hat. Die Kosten für umweltschädliche Windmühlen und Solaranlagen werden über 20 Jahre in die Zukunft verteilt. Die Alimentation Griechenlands wurde als Kreditbürgschaften verbucht. Der Schaden der exzessiven Geldschöpfung der EZB ist noch nicht als Inflation sichtbar. Die Kosten der Stilllegung (entschädigungslose Enteignung!) der mordernen Kernkraftwerke hat man den Versorgern und damit den Kommunen denen ein grosser Teil der Versorger gehört aufgehalst.

Andererseits sieht man den angerichteten Schaden der begonnenen Umvolkung im Strassenbild nahezu jeder Stadt.

Mal sehen wie träge der Stimmbürger ist.

Herr Peter Kastner

21.11.2016, 08:37 Uhr

Wenn deutsche Medien in der Welt nur noch Feinde sehen und was die andern alles falsch machen, wie z.Bsp. in Russland, Türkei, China, Polen, Ungarn, Großbritannien und jetzt auch Amerika,
dann sollten sie sich mal fragen, ob die deutschen nicht vielleicht die Falschfahrer auf der Autobahn sind. Soweit hat uns Merkel gebracht.

Herr Eduardo Lopez

21.11.2016, 08:46 Uhr

Gestern wurden folgende Kommentare in einem anderen Online-Dienst veröffentlicht, die ich sehr interessant fand - entgegen dem Kommentatoren-mainstream:

Vielleicht das geringste Übel
Wenn es den Menschen lange Zeit gut geht, aber nur wenig Veränderung eintritt, werden sie unzufrieden. Das Leben auf hohem Niveau ist aber nicht so schlecht, dass man ständig der nächsten Abwechslung hinterherjagen müsste. Im Fernsehen mag das wichtig sein, im Leben ist das Quatsch. Viele haben das noch nicht erkannt. Insofern begrüße ich diese Konstante. Und an alle ewig Meckernden sage ich, Ihr würdet auch mit einem anderen Kandidaten nicht zufriedener sein und auch nicht glücklicher werden - egal wer es ist, egal wer es macht.

Alternativ-für-Deutschland-los
Wer soll es denn sonst machen? Die Grünen, SPD und FDP haben jetzt ein Jahr klar zu machen warum sie mitregieren sollen. Die Linke scheint nicht regieren zu wollen und die AfD veranstaltet private Parteitage -- eine Partei ohne Transparenz, eine Sekte quasi braucht kein Mensch. Und alle Demokraten machen sich besser schlau wie man im postfaktischen Zeitalter Wahlen gewinnt.


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