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26.08.2013

09:59 Uhr

Kanzlerrennen

What is the Bundestagswahl?

Man stelle sich vor, in Deutschland wird gewählt, aber in den USA interessiert es keinen. Das amerikanische Volk kann mit deutscher Politik nichts anfangen – und Washington scheint es ziemlich egal zu sein, wer gewinnt.

Während des Berlin-Besuch des US-Präsidenten Barack Obama spricht SPD-Kanzlerkanditat Peer Steinbrück mit ihm – locker und entspannt. dpa

Während des Berlin-Besuch des US-Präsidenten Barack Obama spricht SPD-Kanzlerkanditat Peer Steinbrück mit ihm – locker und entspannt.

WashingtonBei seinem Berlin-Besuch im Juni traf US-Präsident Barack Obama auch den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Locker und entspannt sei das Gespräch gewesen, hieß es danach. Das Foto zur Begegnung zeigt zwei fröhlich lächelnde Männer. Hält man es in der amerikanischen Hauptstadt Washington Passanten vor, reagieren sie ratlos auf die Frage, mit wem ihr Präsident da zusammensitzt. Nie gesehen, nie von gehört. Steinbrück ist in Amerika schlicht kein Begriff.

Nicht, dass es an Interesse für Deutschland fehle. Mit Freude erzählen die Amerikaner über ihre Zeit in Heidelberg, Mannheim und Ramstein - oder wo sie sonst als Soldaten stationiert waren. Sie wissen auch einigermaßen über die Erfolge von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise Bescheid. „Geblieben ist der Eindruck, dass Merkels Führung eine wichtige Rolle gespielt hat“, sagt Charles Kupchan vom renommierten Außenpolitik-Institut Council of Foreign Relations. Deutschlands wirtschaftliche Stärke werde anerkannt.

Doch Schlagzeilen macht die Bundesrepublik eher, wenn der populäre Popsänger Justin Bieber sein Kapuziner-Äffchen „Mally“ am Münchner Flughafen verliert. Oder wenn der „Baywatch“-Star David Hasselhoff in Berlin demonstrieren geht. Aber ein Streit zwischen Merkel und Steinbrück über Mütterrente und Mietpreisbremse? Zwischen dem schrillen US-Wahlkampf, voll ausgerichtet aufs Fernsehpublikum, und dem eher sachlichen, viel kürzeren in Deutschland liegen eben Welten.

„Die meisten Amerikaner kennen den Wahlkampf nicht im Detail. Sie denken darüber nicht nach“, beobachtet auch Michael Haltzel, Experte für transatlantische Politik an der Johns Hopkins University in Washington. Das habe aber nichts mit Deutschland zu tun - bei den meisten anderen Ländern sei das auch nicht anders.

Kommentare (4)

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26.08.2013, 10:18 Uhr

Geht man davon aus, dass in Amerika festgestellt wurde, dass 40 Millionen Amerikaner Deutsche Wurzeln haben ist es schon
fragwürdig nichts über Deutschland zu wissen. Bekannt ist das im mittleren Westen die meisten Menschen nicht mal Europa kennen, warum also Deutschland Wahlen.

Nicht richtig ist, das Washington kein Interesse an unsere Wahl haben. Die Amerikaner die ein Weltweites Netz der Überwachung betreiben, wissen ja das sie in Deutschland jederzeit ein Veto einlegen können. Aber so zu tun ob es egal ist wer mit ihnen am liebsten in den Krieg zieht ist ihnen schon wichtig.

K.West

26.08.2013, 10:42 Uhr

Washingten kann es auch egal sein, weil sie amerikanisch handeln, wie kaum besser das Euro-Hawk-Beispiel und die Mentalitätsunterschiede zeigen: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-08/drohnen-dokumente-euro-hawk-deutschland-usa/komplettansicht

Im Zweifel wird ein ungeliebter Kandidat mit Wissen aus Sternwind bzw. Stellawind ( Prism, Tempora, ... ) mit unprüfbaren - aber personennahen Daten - aus dem Rennen im Wahljahr geräumt. Dies scheint in diesem Bundestagswahl 2013 ncht nötig zu sein. Die Deutschen sind keine Gefahr für die Interessen der Amerikaner.

Unter dem Hintergrund der Mentalitätsbeispiele, die viele kennen, die mit amerikanischen Projekten zusammengearbeitet haben, verwundert es dann auch, dass in Deutschland blindlings eine NSA-Politik auf einem Datenschutzniveau unterhalb der USA getraut wird.

Deswegen alleine braucht Deutschland ein starkes Europa. Isoliert - auch mit eigener Währung - ist dieses Land noch abhängiger als zuvor. Die Probleme des Euros müssen sicherlich angegangen werden und zwar mit Bedingungen, auch für die Südländer.

Ein "Südländer oder Euro-Raus!" ist keine Lösung, von der Deutschland profitieren kann, insbesondere als Exportnation und Dienstleistungsland. Von daher ist es zwar nicht verwunderlich, dass viele ältere Leute, sich der AfD annähern, jedoch weniger zielführend. Was macht diese Partei beispielsweise aus? Welche Kernkompetenzen hat sie? Den Piraten sagt man nach, sie seine chaotisch - nun, immer hin kann von Jung bis alt jeder, ob an Stammtischen, Piratenpads die Politik mitgestalten.

Diese neue Politik muss auch die Antwort sein: Mehr Transparenz bzgl. Euro-Ausgaben, Militärausgaben, Rentenkürzungen und Diätenerhöhung (ohne Gegenleistung), skandalösen Großprojekten ohne Konsequenz (Berliner Flughafen, Elbphilharmonie, Stuttgart21), unfairen Steuerbegünstigungen (Erleichterungen für Steuersünder), Umgang mit Datenschutz ( Abschaffung von Bankgeheimnis, Sammeln diverser Daten; Skandale projekt-datenschutz.de...

K.West

26.08.2013, 10:46 Uhr

Bzgl. Krieg sind mittlerweile - zum Glück - die meisten Amerikaner dagegen. Sie haben ihre Meinung etwas revidiert, nachdem sie die Bildertäuschung zum Irak-Krieg kennen lernten. Selbst bei einem nachgewiesenen Giftgasanschlag durch das Assad-Regime wären immer noch 50% der Amerikaner gegen den Krieg.

Das Politikdesinteresse schürt vermutlicherweise eher daran, dass sich Amerikaner nicht interessieren für ausländische Interessen. Es ist nicht ihr Superwahljahr und sie kümmert es nicht. Außenpolitik macht schließlich Obama, manchmal auch Frau Clinton.

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