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12.01.2015

11:11 Uhr

Karikaturisten gegen Islamkritiker

„Pegida, verschwinde!“

Pegida macht mobil: In mehreren Städten wollen die Islamkritiker an diesem Montag wieder demonstrieren – erstmals seit den Anschlägen von Paris. Französische Karikaturisten wehren sich mit ihren eigenen Mitteln.

„Vereinnahmung durch Rechtsextreme“ – „Halt' dich etwas zurück, Jürgen“. Illustration des Künstlers Jean-Marc Couchet alias Giemsi. (Für Vollansicht klicken) dpa

„Vereinnahmung durch Rechtsextreme“ – „Halt' dich etwas zurück, Jürgen“. Illustration des Künstlers Jean-Marc Couchet alias Giemsi. (Für Vollansicht klicken)

DüsseldorfAnhänger der islamkritischen Pegida-Bewegung wollen am Montag wieder bundesweit auf die Straße gehen – erstmals nach den Terroranschlägen von Paris. In Dresden, wo die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ vor einer Woche 18.000 Menschen mobilisierten, sowie in vielen anderen Städten sind Gegenaktionen geplant. Dabei wollen Bürger für Weltoffenheit eintreten und dagegen protestieren, Terror islamistischer Extremisten gegen Zuwanderer und gegen den Islam zu instrumentalisieren. Anti-Pegida-Demos sind unter anderem in Hannover, Düsseldorf, Schwerin, Hamburg, München und Berlin geplant.

In Dresden wollen die Pegida-Anhänger wegen der Terroropfer von Paris mit Trauerflor aufmarschieren. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) reagierte auf die entsprechende Ankündigung mit Empörung und forderte die Pegida-Organisatoren auf, ihre Demonstration abzusagen. „Die Opfer haben es nicht verdient, von solchen Hetzern missbraucht zu werden“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Dass ausgerechnet diese Bewegung, die bei ihren Veranstaltung regelmäßig über „die Lügenpresse“ rede, jetzt die Karikaturisten von „Charlie Hebdo“ ehren wolle, sei „geradezu abenteuerlich“, sagte der Co-Vorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, am Montag dem Nachrichtensender n-tv.

Die Alternative für Deutschland (AfD) stellte sich erneut schützend vor die Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida). Die Vorsitzende der AfD-Fraktion im sächsischen Landtag, Frauke Petry, sagte dem Fernsehsender Phoenix: „Ihnen per se zu unterstellen, sie seien fremdenfeindlich und rassistisch, halte ich für nicht legitim.“

Die Köpfe der Pegida-Bewegung

Köpfe und Wortführer

Wer sind die Köpfe und Wortführer der islamfeindlichen Pegida-Demonstrationen in Dresden und anderswo? Einige Beispiele:

Kathrin Oertel

Sie ist die einzige Frau im zwölfköpfigen Organisationsteam von Pegida Dresden, die öffentlich in Erscheinung tritt. Laut Medienberichten ist sie 36 Jahre alt und arbeitet als Wirtschaftsberaterin. Neuerdings fungiert sie als Pegida-Sprecherin und Schatzmeisterin – und trat als Gesicht von Pegida bei Günther Jauch auf. In ihren Ansprachen schlägt Oertel vergleichsweise moderate Töne an, persönliche Angriffe überlässt sie anderen.

Sebastian Nobile

Veranstalter der Kögida-Demo in Köln und Pressesprecher der Pegida NRW, nennt sich „freiheitlich-christlicher Patriot“. Medienberichten zufolge war er Aktivist der „German Defence League“, die islamfeindlich und rechtsextrem ist. Laut Polizei hat er mehrfach Demos mit rechtsradikalen Anliegen angemeldet.

Melanie Dittmer

Sie organisierte zuletzt die Bonner „Bogida“-Demos. Medienberichten zufolge war die 36-Jährige im Landesvorstand der NPD-Nachwuchsorganisation „Junge Nationaldemokraten“. Dem „Spiegel“ sagte sie jüngst, es sei für sie unerheblich, ob es den Holocaust gegeben habe. Dittmer sitzt im Vorstand von Pro NRW. Pegida NRW teilte am Dienstag mit, wegen „inhaltlicher Differenzen“ sei die Zusammenarbeit mit Dittmer beendet.

Udo Ulfkotte

Ex-Journalist und Autor des Bestsellers „Gekaufte Journalisten“, gibt den „Lügenpresse“-Rufern Futter und sieht auch schon seit langem Europa von fanatischen Muslimen bedroht. Schon 2003 erschien dazu sein Buch „Der Krieg in unseren Städten“. In diese Richtung argumentierte auch das Buch „Heiliger Krieg in Europa“.

Karl Schmitt

Er organisiert in Berlin die Bärgida-Bewegung. Der promovierte Ingenieur (60) war 14 Jahre bei der CDU kommunal aktiv, trat 2008 aus und gründete die rechtspopulistische Partei „Die Freiheit“ mit. Die CDU habe zu wenig Distanz zur Linken gezeigt und die Gefahr der muslimischen Parallelgesellschaft in Deutschland nicht erkannt. Die „Freiheit“ verließ Schmitt auch nach einem Jahr.

Lutz Bachmann

Er war das Gesicht von „Pegida“ in Dresden: Bachmann rief die Facebook-Gruppe ins Leben, die das islamkritische Bündnis begründete. Er sei kein Rassist, betonte der wegen Diebstahls und Drogendelikten vorbestrafte 41-Jährige stets – doch er musste zurücktreten, da gegen ihn wegen Volksverhetzung ermittelt wird. Zuvor waren ein Foto Bachmanns mit Hitler-Bart und ausländerfeindliche Facebook-Einträge öffentlich geworden.

Französische und frankophone Karikaturisten veröffentlichten unterdessen am Sonntag ein Flugblatt mit dem Titel „Pegida, verschwinde!“ (zum Facebook-Auftritt). „Wir lehnen es ab, dass Pegida das Gedenken an unsere Kollegen vereinnahmen will“, sagte ein Mitorganisator der Deutschen Presse-Agentur. Pegida stehe für all das, was die ermordeten Kollegen der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ durch ihr Werk bekämpft hätten. „Wir, die französischen und frankophonen Zeichner, sind entsetzt über die Ermordung unserer Freunde. Und wir sind angewidert, dass rechte Kräfte versuchen, diese für ihre Zwecke zu instrumentalisieren“, heißt es in dem Flugblatt.

„Was ärgert Pegida am meisten?“ – „Ich leide unter Rassismus gegen Rassisten“. Karikatur des französisch-burkinischen Künstlers Damien Glez. dpa

„Was ärgert Pegida am meisten?“ – „Ich leide unter Rassismus gegen Rassisten“. Karikatur des französisch-burkinischen Künstlers Damien Glez.

In Leipzig, wo Tausende zu mehreren Gegendemos gegen den ersten Legida-Aufmarsch erwartet werden, traf die Stadtverwaltung im Lichte des Terrors von Paris eine umstrittene Entscheidung. Sie erließ eine Auflage, wonach Legida keine Mohammed-Karikaturen zeigen dürfe. „Nach Paris muss man davon ausgehen, dass die Mohammed-Karikaturen eine Provokation sind“, sagte ein Stadtsprecher. Ziel sei ein friedlicher Verlauf der Demonstration. Ein FDP-Stadtrat kritisierte das Verbot als Zensur und unzulässige Einschränkung der freien Meinungsäußerung.

Kommentare (125)

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Herr Rene Benedikt

12.01.2015, 08:40 Uhr

schon bedenklich das man jetzt darauf kommt, das Mohammend verarschungen, Moslem provoziert.... das jetzt verbieten will. Genau dafür sind die Franzosen aber gestorben!

Gestern Steinmeier mit versteinerten Gutmenschen- ausdrucksminie in der ersten Reihe, (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Herr Teito Klein

12.01.2015, 09:03 Uhr

Pegida verschwinde ...
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tönt es aus Frankreich. Hier setzen einige Karikaturisten Pegida mit Nazis gleich. Da sind sie aber nicht allein. Auch deutsche Politiker blasen ins gleiche Horn.
Vor allem Merkel, Steinmeier, Gabriel, Jäger, Maas, Özdemir und natürlich Die Linke.

Maas (SPD) reagierte auf die entsprechende Ankündigung mit Empörung und forderte die Pegida-Organisatoren auf, ihre Demonstration abzusagen. „Die Opfer haben es nicht verdient, von solchen Hetzern missbraucht zu werden“.

Herr Peter Delli

12.01.2015, 09:09 Uhr

Nachdem gestern die eigentlichen Verursacher gegen die Gewalttat in Paris demonstriert haben, gehe ich davon aus, dass das Regime jetzt eine bessere Bewaffnung der Polizei braucht, um die Bürger vor Pegida zu schützen.

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