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03.04.2015

14:26 Uhr

Karl-Georg Wellmann

CDU-Politiker entschuldigt sich für Germanwings-Kritik

Seine heftige Kritik an Germanwings nach dem Flugzeugabsturz in Frankreich brachte ihm viel Kritik ein. Jetzt rudert der CDU-Bundestagsabgeordnete Wellmann zurück und bedauert seine „emotionale Reaktion“ auf das Unglück.

Für seine Kritik an Germanwings direkt nach dem Absturz der 4U9525-Maschine erntete CDU-Politiker Karl-Georg Wellmann viel Kritik auch aus den eigenen Parteireihen. dpa

Karl-Georg Wellmann

Für seine Kritik an Germanwings direkt nach dem Absturz der 4U9525-Maschine erntete CDU-Politiker Karl-Georg Wellmann viel Kritik auch aus den eigenen Parteireihen.

Mit drastischen Worten hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann nur einen Tag nach dem tragischen Absturz der Germanwings-Maschine das Unglück kommentiert und auf seiner Facebook-Seite eindringlich vor der Fluggesellschaft gewarnt.

Das brachte dem versierten Außenpolitiker und Russland/-Ukraine-Experten viel Kritik ein - auf seiner Facebook-Seite, aber auch im Bundestag. In der Unions-Fraktion war der Unmut über Wellmann so groß, dass er kurzerhand von der Rednerliste für eine Bundestagsdebatte über den Ukraine-Konflikt genommen wurde. Zu viele Fraktionskollegen hatten sich offenbar an dem Posting von Wellmann gestoßen.

Der CDU-Mann hatte geschrieben: „Vor Germanwings kann man nur noch warnen. Überalterte Maschinen und miserabler Service. Mit denen werde ich nicht mehr fliegen.” Auch Wellmann selbst reagierte, nachdem die Kritik immer lauter wurde. Der Politiker aus dem Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf löschte seinen umstrittenen Facebook-Kommentar und nahm kurz darauf auch sein komplettes Facebook-Profil offline.

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Etwas mehr als eine Woche später ist das Profil wieder online - mit einem neuen Kommentar von Wellmann zu der Germanwings-Katastrophe. Diesmal äußert der CDU-Politiker aber keine Kritik. Er nimmt vielmehr zu den Reaktionen auf seine Bemerkung zum Flugzeugabsturz Stellung: „Meine persönliche Betroffenheit wegen der 150 Todesopfer, darunter 16 Schulkinder, hat bei mir eine emotionale Reaktion ausgelöst, die zu Missverständnissen führen konnte. Das tut mir leid”, schreibt Wellmann. Und: „Ich wollte keinesfalls der Untersuchung der Absturzursache vorgreifen, noch eine juristische Schuldzuweisung vornehmen. Für mich gibt es aber nichts Schlimmeres als tote Kinder.”

Wellmann betont allerdings auch, dass nach einem Unglück wie dem Germanwings-Absturz in den französischen Alpen Fragen zugelassen sein müssten. Für ihn sei klar, schreibt der Vorsitzende der deutsch-ukrainischen Parlamentariergruppe, dass Kostendruck niemals zu einem Mangel an Sicherheit führen dürfe. Daher müsse gefragt werden, welche Auswirkungen der Kostendruck bei Billiglinien habe.

Wellmann zitiert einen Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, der in in den ARD-„Tagesthemen” gesagt habe, dass bei den Flugdienstzeiten „permanent an die Grenzen herangeplant“ werde und dies zu Situationen führen könne, „die von der Sicherheit eindeutig schlechter sind, als bisher“. Es werde überall gespart, was zu einem „Abbau der Sicherheitspolster“ führen könne.

„Wenn uns dies ein Berufspilot sagt, dürfen wir nicht zur Tagesordnung übergehen”, unterstreicht Wellmann. Und er fragt, ohne direkten Bezug zu dem jüngsten Absturz zu nehmen: „Waren Piloten überfordert? Werden Piloten regelmäßig auf psychische Auffälligkeiten oder Stress-Syndrome untersucht?”

Dann macht der CDU-Politiker deutlich, dass die jahrelange Erfahrung lehre, dass der Airbus ein sicheres Flugzeug sei und es bei Germanwings bisher nicht zu Unfällen gekommen sei. „Trotzdem muss sich jede Gesellschaft dem Diskurs über Flugsicherheit stellen.” Jeder entscheide zudem selbst, mit wem er fliegen wolle. „Ich selbst nutze bestimmte Fluglinien nicht mehr, will mich aber nicht für einen Boykott unserer Fluglinien aussprechen, auch nicht von Germanwings”, fügt Wellmann hinzu.

Von

dne

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