Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.02.2016

14:09 Uhr

Karneval in Köln

Kölns OB Reker hat „nicht die geringsten Bedenken“

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat keine Sicherheitsbedenken für die anstehenden Karnevalstage in der Domstadt. Es werde „grundlegende Veränderungen geben, was die Präsenz von Sicherheitspersonal angeht“.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker kündigt für die Karnevalstage besondere Sicherheitsmaßnahmen an. Reuters

Henriette Reker

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker kündigt für die Karnevalstage besondere Sicherheitsmaßnahmen an.

BerlinDie parteilose Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker glaubt nach den Vorfällen aus der Silvesternacht am Hauptbahnhof der Domstadt an sichere Karnevalsfeiern in Köln. Auf die Frage, ob sie vorbehaltlos empfehlen könne, in Köln Karneval zu feiern, sagte Reker der Zeitung „Die Welt“ (Montagausgabe): „Ja. Da habe ich nicht die geringsten Bedenken“.

Die Stadt sorge gemeinsam mit der Polizei für mehr Sicherheit.

Um die am Donnerstag beginnenden Feiern in Köln zu sichern, würden „viel mehr Polizisten eingesetzt“ und mehr Kräfte des Ordnungsamtes unterwegs sein, sagte Reker weiter. Am Montag will die Oberbürgermeisterin zudem ein Maßnahmenpaket für die Karnevalstage vorstellen. Außerdem werde es über die Karnevalszeit hinaus „grundlegende Veränderungen geben, was die Präsenz von Sicherheitspersonal angehe“.

Stimmen zu den Übergriffen in Köln

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker...

... bezeichnete die Vorfälle im „Kölner Stadt-Anzeiger“ als „ungeheuerlich“. Es könne nicht sein, dass Besucher, die nach Köln kämen, Angst haben müssten, überfallen zu werden. „Wir können nicht tolerieren, dass hier ein rechtsfreier Raum entsteht“, sagte die parteilose Politikerin der Zeitung. Polizei und Bundespolizei seien „dringend gefordert“. Es müssten Schritte unternommen werden, um „insbesondere Frauen vor solchen Übergriffen zu schützen“. Möglicherweise müsse man auch die Video-Überwachung im Hauptbahnhof ausweiten.

NRW-Innenminister Ralf Jäger...

... (SPD) reagierte scharf auf die Ereignisse. „Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen“, zitierten der Kölner „Express“ und der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Dienstag) den Minister. „Deshalb ist es notwendig, dass die Kölner Polizei konsequent ermittelt und zur Abschreckung Präsenz zeigt.“

Die FDP-Landtagsfraktion...

... forderte, dass Innenminister Ralf Jäger im Innenausschuss Ende Januar Rede und Antwort zu den Übergriffen stehen müsse. „Wenn es selbst mit einem aufgrund der Silvesternacht bereits verstärkten Aufgebot an Einsatzkräften der Polizei nicht mehr gelingt, Straftaten mit Nachdruck zu unterbinden und Täter unverzüglich festzusetzen, gerät unser Rechtsstaat ins Wanken“, sagte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Marc Lürbke, laut Mitteilung.

Der GdP-Landesvorsitzende Arnold Plickert...

... sagte, erst als zwischen 1 und 1.30 Uhr bei der Kölner Polizei und Bundespolizei die ersten Anzeigen erstattet wurden, habe die Polizei von dem „massiven Vorgehen“ erfahren. Die Vorfälle hätten eine neue Qualität. „Das ist im Prinzip ein organisiertes Vorgehen, was wir da festgestellt haben“, sagte Plickert. Es müsse ermittelt werden, wie es eigentlich möglich gewesen sei, „dass diese Tausend nach Köln gekommen sind und sich da getroffen haben“.

Bundesjustizminister Heiko Maas...

... hat einen besseren Schutz vor Gewalt in den Städten verlangt. „Die feigen und abscheulichen Übergriffe werden wir nicht hinnehmen", erklärte er. „Das ist offenbar eine völlig neue Dimension organisierter Kriminalität." Alle Täter müssten ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen in unseren Städten blanker Gewalt schutzlos ausgeliefert sind."

Polizeipräsident Wolfgang Albers...

... bezeichnet die Vorfälle als „Straftaten einer völlig neuen Dimension. Es ist ein unerträglicher Zustand, dass mitten in der Stadt solche Straftaten begangen werden“, sagte er am Montag.

CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach...

... fordert eine Befassung des Bundestags mit den Gewalttaten in der Silvesternacht in Köln. „Es wäre sinnvoll, wenn sich der Innenausschuss des Bundestags mit den Vorgängen in Köln in der Silvesternacht beschäftigen würde, weil der Bahnhof und das Bahnhofsgelände in der Verantwortung der Bundespolizei liegt", sagte Bosbach der „Rheinischen Post". Die Bundespolizei sei dort für Gefahrenabwehr und die Aufklärung von Straftaten verantwortlich. „Im Bahnhofsumfeld ist die Landespolizei NRW zuständig. Es stellen sich zwei Fragen: Hatten wir genügend Kräfte und wie läuft die Kooperation zwischen Bundespolizei und Landespolizei?"

CDU-Politiker Jens Spahn...

... fordert einen erneuten gesellschaftlichen „Aufschrei“. „Wo ist eigentlich d #aufschrei, wenn es wirklich einen braucht? Bei Dirndlwitzen lautstarke Helden überall, jetzt aber betretenes Schweigen“, twitterte Spahn am Dienstag. Mit dem Hashtag #Aufschrei berichteten vor rund zwei Jahren Internetnutzer von Sexismus-Erfahrungen und Belästigungen im Alltag. Ausgelöst hatte die Debatte damals eine Dirndl-Bemerkung des FDP-Politikers Rainer Brüderle zu einer Journalistin.

Die Oberbürgermeisterin geht nicht davon aus, dass Bürger und Besucher Köln aufgrund der Silvesternacht grundsätzlich als unsicherer empfänden als vorher. „Ich persönlich glaube sogar, dass jetzt wesentlich mehr Stellen in der Stadt sicherer sind“, ergänzte Reker.

Sollte es an Karneval keine größeren Zwischenfälle geben, hofft Reker, dass die Stadt aus dem Krisenmodus kommt. „Ich möchte gern, dass die Silvesterwolke, die einen solchen dunklen Schatten auf Köln geworfen hat, wegzieht“, sagte die Kommunalpolitikerin der Zeitung.

In der Silvesternacht war es rund um den Kölner Hauptbahnhof zu massenhaften sexuellen Übergriffen auf Frauen sowie zu Raubdelikten gekommen. Bei den Tätern soll es sich überwiegend um Zuwanderer aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum handeln.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×