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06.03.2014

09:39 Uhr

Katholische Arbeitnehmer-Bewegung

KAB-Chef tritt wegen Kinderpornos zurück

VonTobias Döring

Die Katholische Kirche hat ihren nächsten großen Skandal: Der Chef der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) hat eingeräumt, auf Kinderporno-Seiten gesurft zu haben. Ein Ermittlungsverfahren läuft.

Der zurückgetretene KAB-Chef Georg Hupfauer: Moralisch verwerfliches Verhalten, das seiner christlichen Überzeugung widerspreche. KAB

Der zurückgetretene KAB-Chef Georg Hupfauer: Moralisch verwerfliches Verhalten, das seiner christlichen Überzeugung widerspreche.

KölnGeorg Hupfauer war seit zehn Jahren Bundesvorsitzender der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Der Sozialverband hat 120.000 Mitglieder, trotzdem war Hupfauer der Öffentlichkeit kaum ein Begriff. Seit Mittwochabend ist das anders. Gegen den 59-Jährigen wird wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material ermittelt, Hupfauer ist vom Vorsitz der KAB zurückgetreten.

„Ich trete von meinem Amt zurück, damit die KAB nicht noch weiteren Schaden nimmt“, sagte Hupfauer der „Bild“-Zeitung, die zuerst über den Kinderporno-Verdacht berichtet hatte. Hupfauer räumte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) ein, auf Internet-Seiten mit Kinderpornografie gesurft zu haben. Er nannte sein eigenes Verhalten moralisch verwerflich und entgegen einer christlichen Überzeugung.

Im Interview mit dem „Express“ sagte Hupfauer, er habe „über Jahre hinweg im Internet frei zugängliche, pornografische Seiten querbeet besucht“. Darunter habe sich auch Kinderpornografie befunden. „Ich habe nicht gezielt danach gesucht, aber ich war auf diesen Seiten“, sagte er der Zeitung.

Das Ermittlungsverfahren gegen Hupfauer laufe seit einer Strafanzeige im März 2013, teilte die Staatsanwaltschaft Aachen mit. Vor einem Jahr seien das Privathaus des KAB-Chefs durchsucht und verschiedene Datenträger, darunter Festplatten und USB-Sticks, beschlagnahmt worden. Sie würden derzeit ausgewertet.

Der Fall Edathy

Oktober 2013

Die kanadische Polizei gibt laut Medienberichten nach dreijährigen Ermittlungen gegen einen internationalen Kinderporno-Ring Hinweise an das Bundeskriminalamt, dabei fällt auch der Name Edathy. BKA-Chef Jörg Ziercke informiert laut „Bild“ den Staatssekretär des damaligen Innenministers Hans-Peter Friedrich (CSU). Letzterer wiederum informiert am Rande der Koalitionsverhandlungen SPD-Chef Sigmar Gabriel, dass mögliche Ermittlungen anstehen. Gabriel erzählt Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier davon, auch Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann wird eingeweiht. Oppermann lässt sich die Information telefonisch vom BKA-Präsidenten bestätigen. Der dementiert dies aber.

Ende November 2013

Der innenpolitische SPD-Fraktionssprecher Michael Hartmann spricht Oppermann darauf an, dass es Edathy gesundheitlich schlecht geht.

Dezember 2013

Oppermann informiert seine Nachfolgerin Christine Lambrecht über den Verdacht gegen Edathy. Spätestens im Dezember scheint auch Edathy etwas mitbekommen zu haben: Laut NDR und „SZ“ soll sich ein von Edathy beauftragter Anwalt bei mehreren Staatsanwaltschaften nach bevorstehenden Ermittlungen erkundigt haben.

Anfang Januar

Edathy meldet seiner Fraktion, dass er krankgeschrieben ist.

Freitag, 7. Februar

Edathy legt nach 15 Jahren sein Bundestagsmandat nieder und nennt dafür gesundheitliche Gründe.

Montag, 10. Februar

Die Staatsanwaltschaft Hannover lässt die Wohnungen Edathys im niedersächsischen Rehburg und Berlin sowie weitere Büros durchsuchen. Die Ermittler machen aber keine Angaben, was sie ihm zur Last legen. Laut SPD-Kreisen hält sich der 44-Jährige zu diesem Zeitpunkt schon in Dänemark auf. Fraktionsgeschäftsführerin Lambrecht betont, dass sie die Ermittlungsgründe nur aus Medienberichten kenne – die SPD sieht keinen Widerspruch dazu, dass Lambrecht bereits über den Verdacht informiert war.

Dienstag, 11. Februar

Edathy weist in einer Erklärung den Verdacht auf Besitz von Kinderpornografie zurück.

Mittwoch, 12. Februar

Edathy erhebt Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft Hannover. Die Razzien in seinen Wohnungen und Büros seien unverhältnismäßig und widersprächen rechtsstaatlichen Grundsätzen. Ermittler durchsuchen ein weiteres Büro Edathys in Rehburg.

Donnerstag, 13. Februar

Überraschend rückt die SPD-Spitze mit der Information heraus, bereits seit Oktober über mögliche Ermittlungen gegen Edathy im Bilde zu sein. Die Durchstecherei aus dem Bundesinnenministerium stößt bei den Ermittlern in Hannover auf heftige Kritik. „Das grenzt an Strafvereitelung“, sagt ein Vertreter der Ermittlungsbehörden. Bei den Durchsuchungen stellte die Polizei laut übereinstimmenden Medienberichten nur einen intakten Computer und Reste zerstörter Festplatten sicher.

Freitag, 14. Februar

Die Staatsanwaltschaft äußert sich erstmals zu den Vorwürfen. Es gehe um einen Grenzbereich zur Kinderpornografie. Fröhlich zeigt sich „fassungslos“, dass die SPD-Spitze schon seit Oktober Bescheid wusste. Bundesagrarminister Hans-Peter Friedrich (CSU) erklärt zunächst, er wolle im Amt bleiben und erst dann zurücktreten, wenn Ermittlungen gegen ihn eingeleitet werden. Am Nachmittag tritt er dann doch zurück.

Die KAB-Führung habe „mit Bestürzung und Fassungslosigkeit“ von den Vorwürfen erfahren, teilte der Verband mit. „Den angebotenen Rücktritt von Georg Hupfauer haben wir umgehend angenommen und respektieren die persönliche Entscheidung“, sagte Regina-Dolores Stieler-Hinz, seit drei Monaten ebenfalls Bundesvorsitzende der KAB. „Wir müssen uns nun darauf konzentrieren, die anstehenden Aufgaben zu bewältigen, um Schaden von der KAB abzuwenden.“ Der Bundespräses der KAB, Johannes Stein, gab sich zuversichtlich, dass „unsere 120.000 Mitglieder unterscheiden werden – zwischen den Ermittlungen gegen eine Privatperson und dem sozialpolitischen Auftrag der KAB“.

Nach Sebastian Edathy ist Hupfauer der zweite aufsehenerregende Fall, in dem es um den Verdacht des Besitzes von kinderpornografischen Materials geht. Gegen den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Edathy wird wegen des Verdachts ebenfalls ermittelt. Sein Fall hatte im Februar zum Rücktritt des CSU-Ministers Hans-Peter Friedrich und danach zu einer schweren schwarz-roten Koalitionskrise geführt, die bis heute andauert. „Nach Herrn Edathy bin ich ab heute der zweitbekannteste Mann Deutschlands“, sagte Hupfauer dem „Express“. „Mir ist bewusst, dass es das bisherige Leben des Georg Hupfauer nicht mehr geben wird.“

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

06.03.2014, 13:23 Uhr

Das wäre doch jetzt ein Fall für Annette Schavan.

Die ist vor kurzem aber Vatikan-Botschafterin geworden und hat mit dem ganzen Schlamassel hier nichts mehr zu tun.

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