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13.03.2014

13:57 Uhr

Katholische Kirche

Bischöfe wollen auf Wiederverheiratete zugehen

Katholiken in Zweitehen sind vom Abendmahl und anderen Sakramenten ausgeschlossen. Das sorgt bei vielen Gläubigen für Ärger. Nun macht der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz den Betroffenen neue Hoffnung.

Der frisch gewählte Vorsitzende der Bischofskonferenz macht Katholiken in Zweitehen Mut. dpa

Der frisch gewählte Vorsitzende der Bischofskonferenz macht Katholiken in Zweitehen Mut.

MünchenHoffnungsschimmer für geschiedene Katholiken, die neu geheiratet haben: Der frisch gewählte Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und andere führende Geistliche fordern mehr „Barmherzigkeit“ für die Betroffenen, die Sakramente wie das Abendmahl derzeit nicht empfangen dürfen und auch Nachteile im kirchlichen Arbeitsrecht haben.

Marx zeigte sich am Rande der Bischofs-Vollversammlung in Münster offen für Forderungen, diese Christen wieder zur Kommunion zuzulassen. Die Gläubigen erwarteten zu Recht, dass die Kirche auch jene Menschen begleite, deren Ehe gescheitert sei, sagte der Erzbischof von München und Freising in der ARD. „Da muss deutlich werden, dass wir als Kirche sagen: Ihr seid keine Christen zweiter Klasse. Es gibt auch die Chance für einen Neuanfang, und wir wollen das mitbegleiten. Das müssen wir positiv unterstützen und verstärken.“

Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke mahnte zu raschen Lösungen. „Die ganze Kirche steht unter einer Erwartungshaltung und einem Erwartungsdruck“, sagte er am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. „Das Thema brennt uns unter den Nägeln. Das muss mit aller Sorgfalt, Klugheit und in Abstimmung mit der Weltkirche angegangen werden. Wir müssen zu Lösungen kommen, die den Menschen Gottes Barmherzigkeit zeigen.“

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann sagte: „Wir hungern alle nach Lösungen.“ In einer Predigt erinnerte er daran, dass das Wort Vergebung in der Bibel eine große Rolle spielt. „Dies ist ein Wort, dass auch heute in unseren Diskussionen um die wiederverheirateten Geschiedenen seinen Platz hat.“ Weiter sagte er: „Wenn wir dies pastoral, spirituell und theologisch mehr einüben, dann könnten sich mehr Türen öffnen, als wir im Moment denken.“

Warum Bischöfe nicht mehr ihres Amtes walten

Amtsverzicht

Laut Kirchenrecht kann ein katholischer Bischof nicht eigenmächtig von seinem Amt zurücktreten. Er benötigt in jedem Fall die Zustimmung des Papstes.

Amtsverzicht aus Altersgründen

Im römisch-katholischen Kirchenrecht heißt es:

§1. „Ein Diözesanbischof, der das 75. Lebensjahr vollendet hat, wird gebeten, seinen Amtsverzicht dem Papst anzubieten, der nach Abwägung aller Umstände entscheiden wird.“

Amtsverzicht aus einem schwerwiegenden Grund

Im Kirchenrecht heißt es weiter unter §2:

„Ein Diözesanbischof, der wegen seiner angegriffenen Gesundheit oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund nicht mehr in der Lage ist, seine Amtsgeschäfte wahrzunehmen, wird nachdrücklich gebeten, den Amtsverzicht anzubieten.“

Ein solcher Amtsverzicht wird allerdings nicht zwangsläufig vom Papst angenommen. Ein „anderer, schwerwiegender Grund“ lag beispielsweise beim Rücktritt von Walter Mixa als Folge von Misshandlungs- und Veruntreuungsvorwürfen vor.

Amtsenthebung

Für die Amtsenthebung ist ein Verfahren notwendig, dass mit einem schriftlichen Beschluss beendet wird. Für die Enthebung führt das Kirchenrecht drei mögliche Gründe an:

Den Verlust des Klerikerstandes, den öffentlichen Abfall vom katholischen glauben oder von der Gemeinschaft der Kirche und den Versuch, eine Ehe zu schließen.

Absetzung

Die Absetzung ist eine schwere Strafe.

Möglich ist auch, dass der Bischof in eine andere Diözese versetzt wird. Das kann auch gegen den Willen des Amtsinhabers erfolgen. Dazu muss ein schwerwiegender Grund vorliegen.

Marx wies darauf hin, dass dieses Problem in Rom auch in Anwesenheit von Papst Franziskus erörtert worden sei. Kurienkardinal Walter Kasper habe dabei Wege aufgezeigt, wie eine Öffnung erreicht werden könne. Diesen Weg könne man allerdings in der Weltkirche nur gemeinsam gehen. „Aber ich kann da Hoffnung machen.“ Kasper hatte zuletzt mehrfach eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten empfohlen.

Marx, der als Vertrauter des Papstes gilt, war am Mittwoch zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt worden. Der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen beschäftigt viele Gläubige. Die Bischofskonferenz strebt hier zwar schon seit längerem neue Lösungen an, fasste dazu in Münster jedoch keine Beschlüsse.

Vielmehr sollen Papiere, die bislang dazu erarbeitet wurden, in den kommenden Wochen noch einmal gebündelt und zu einem Antrag für die Bischofssynode zum Thema Familie im Oktober im Vatikan gebündelt werden.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.03.2014, 08:20 Uhr

Das ausgrenzen vom kirchlichen Segnungen für Geschiedene, ist wie die Ehrenmorde der Muslime für stark Gläubige Katholiken zu sehen. Beides wird von Dummen Leuten betrieben , die geistig in die Welt des Mittelalters passen wo es noch Hexenverbrennungen gab. Das wird sich auch nie ändern selbst wenn auf dem Mars schon die ersten Städte stehen sollten.

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