Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2015

18:38 Uhr

Kathrin Oertel tritt ab

Pegida droht der Zerfall

Pegida gehen die Führungsleute aus. Frontfrau Kathrin Oertel und vier weitere Mitglieder haben alle Ämter niedergelegt. Die für Montag geplante Kundgebung wurde abgesagt.

Pegida-Mitbegründerin Kathrin Oertel will nicht mehr – und legt alle Ämter in der Protestbewegung nieder. dpa

Pegida-Mitbegründerin Kathrin Oertel will nicht mehr – und legt alle Ämter in der Protestbewegung nieder.

DresdenDie islamkritische Pegida-Bewegung steht vor einer Zerreißprobe. Eine Woche nach dem Rücktritt von Pegida-Gründer Lutz Bachmann wegen ausländerfeindlicher Äußerungen hat auch Sprecherin Kathrin Oertel ihr Amt niedergelegt. Mit ihr zogen sich weitere Mitglieder aus dem Organisationsteam der islamkritischen Bewegung zurück, so dass nun die halbe Führungsriege des Pegida-Vereins fehlt. Die für Montag geplante Kundgebung der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in Dresden wurde abgesagt.

Anlass der Führungskrise ist nach Worten von Vereinsvize René Jahn vor allem, dass Bachmann im Orga-Team verbleiben wolle. Der „Bild“-Zeitung sagte Jahn, deswegen sei er mit Oertel, Achim Exner, Bernd-Volker Lincke, Thomas Tallacker zurückgetreten. „Mit diesem Nazi-Zeug und den rechten Äußerungen möchte ich nichts zu tun haben.“

Der Wirtschaftsberater Lincke sagte der Deutschen Presse-Agentur zu seinem Rücktritt: „Ich kann und will mich mit den Äußerungen von Lutz Bachmann nicht identifizieren.“

Pegida von Kopenhagen bis Prag

Viele Pegida-Ableger in Europa

Die islamfeindliche Pegida-Bewegung hat in Dresden und anderen deutschen Städten in den vergangenen Monaten Zulauf erhalten. Aber auch im europäischen Ausland stoßen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf Sympathie: In mehreren Ländern gibt es inzwischen Ableger der Bewegung. Von einer Teilnehmerzahl wie in Dresden am Montag vergangener Woche, als 25.000 Menschen auf die Straße gingen, waren die ersten Pegida-Proteste im Ausland allerdings weit entfernt. Nachfolgend eine Auswahl der europäischen Ableger.

Tschechien

In der tschechischen Hauptstadt Prag demonstrierten am vergangenen Freitag etwa 600 Menschen gegen den Islam. Es war die erste islamfeindliche Demonstration in Tschechien, wo Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Muslime leben. Lediglich rund 20 Gegendemonstranten gingen auf die Straße. Die Organisatoren schlossen einen Zusammenschluss mit den Gleichgesinnten im nur 150 Kilometer entfernten Dresden nicht aus.

Dänemark

In Kopenhagen war für Montagabend der erste Protestzug des dänischen Pegida-Ablegers geplant. 300 Menschen hätten im Online-Netzwerk Facebook ihr Kommen zugesagt, sagte der Organisator des Protests, der Schulpsychologe Nicolai Sennels.

Norwegen

Am Montag vergangener Woche folgten in der norwegischen Hauptstadt Oslo rund 200 Menschen dem Aufruf des örtlichen Pegida-Ablegers. Man wolle die Aufmerksamkeit auf die Probleme im Zusammenhang mit der Einwanderung von Muslimen lenken, sagte der Organisator des Marschs, Gymnasiallehrer Max Hermansen. Auch Ausländer waren unter den Demonstranten, die ohne Zwischenfälle um das Osloer Rathaus herummarschierten. Nur eine Handvoll Gegendemonstranten stellten sich dem Protest entgegen.

Schweden

Der schwedische Pegida-Ableger zählt auf Facebook mehr als 8100 Anhänger. Die Gruppe verweist in zahlreichen Einträgen auf ihre Vorbilder in Dresden.

Österreich

Der österreichische Ableger, der auf Facebook mehr als 10.000 Sympathisanten zählt, bedauerte die Absage der Dresdner Pegida-Demonstration am Montag infolge von Anschlagsdrohungen. Ebenso wie die Dresdner Bewegung rief Pegida Österreich ihre Anhänger auf, anstelle des Protests am Montagabend eine Kerze ins Fenster zu stellen und die Landesflagge aus dem Fenster zu hängen.

Schweiz

In der Schweiz tauchte vergangene Woche auf Facebook ein örtlicher Pegida-Ableger auf und erhielt mehr als 3000 Unterstützer. Die Gruppe rief für den 16. Februar zu einem Protestmarsch gegen den Islam auf. Der Ort der Demonstration wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Auch die Mitglieder wurden nicht namentlich genannt, mit Ausnahme von Sprecher Ignaz Bearth. Dieser ist Chef der Direktdemokratischen Partei Schweiz, die enge Verbindungen zur rechtsextremen französischen Front National pflegt. Zuvor gehörte Bearth der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) an.

Belgien

In Belgien tauchte auf Facebook die Gruppe Pegida Vlaanderen auf, die sich mit der deutschen Pegida solidarisch erklärte. „Von Flandern aus unterstützen wir die Pegida-Bewegung in Deutschland“, heißt es in dem Eintrag der Gruppe. Rund 4500 Nutzer klickten auf die Sympathie-Bekundung „Gefällt mir“. Die Gruppe regte eine Demonstration in Antwerpen am kommenden Samstag an, legte aber keinen Termin fest.

Spanien

Auch in Südeuropa hat die Pegida-Bewegung Sympathisanten. In einem Eintrag im Kurzbotschaftendienst Twitter hieß es vergangene Woche, der spanische Ableger sei am 8. Januar gegründet worden – einen Tag nach dem islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris.

Bachmann, bis dato das Gesicht der Bewegung, war über ein Foto mit „Hitler-Bärtchen“ und Facebook-Posts mit menschenverachtenden Beleidigungen von Ausländern gestolpert. Am Mittwoch vergangener Woche hatte er sein Amt als Vereinsvorsitzender niedergelegt.

Bachmann sagte der „Süddeutschen Zeitung“, Oertel sei zurückgetreten, weil sie aus Antifa-Kreisen massiv bedroht worden sei. Weder Oertel noch er stünden künftig für Vorstandsposten zur Verfügung. Nach einer Mitteilung des Pegida-Organisationskomitees soll „in den nächsten Tagen“ ein neuer Vorstand in einer Sondersitzung gewählt werden.

Franz Müntefering im Interview

„Die Pegida ist erschreckend“

Franz Müntefering im Interview: „Die Pegida ist erschreckend“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Seit Oktober 2014 gehen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ meist montags in Dresden auf die Straße. Zuletzt nahmen nach Polizeiangaben am vergangenen Sonntag mehr als 17.000 Menschen an der Kundgebung vor der Semperoper teil und damit weniger als noch in den Wochen zuvor.

Kommentare (56)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Marcel Europaeer

28.01.2015, 14:25 Uhr

.. je eher diese peinliche Sache in Dresden ein Ende hat, je besser.

Es gibt genug Probleme in Deutschland. Wir können nicht auch noch jeden Querkopf aus dem Tal der Ahnungslosen pampern. "

Sie verteidigen religiöse Werte, an die sie selbst nicht glauben, gegen Menschen, die es bei ihnen nicht gibt, von denen aber in Medien berichtet wird, die sie wiederum für Lügner halten. Irre." Christian Ehring .. EXTRA3

Herr Phillip Schneider

28.01.2015, 14:44 Uhr

Zitat: "Es gibt genug Probleme in Deutschland. Wir können nicht auch noch jeden Querkopf aus dem Tal der Ahnungslosen pampern."

Sie gehen aber etwas hart mit sich selbst ins Gericht Herr Europaeer

Herr C. Falk

28.01.2015, 14:48 Uhr

Im Spiegel ist zu lesen, dass es sich wahrscheinlich um ein taktisches Manöver von Oertel handelt, um Herrn Bachmann endgültig los zu werden.

Im Moment alles nur Gerüchte ohne Bestätigung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×