Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2015

21:35 Uhr

Kaum noch Teilnehmer

Pegida stirbt aus

Die abgetretene Pegida-Führung will weiter Politik machen, doch ihre Bewegung ebbt stark ab. Das größte Erbe sind die Anti-Pegida-Demos. Denn die Bürgerproteste gegen die Islamkritiker gehen in vielen Städten weiter.

Anti-Pegida-Demonstranten dominieren auch in Frankfurt auf den Straßen. dpa

Das Erbe

Anti-Pegida-Demonstranten dominieren auch in Frankfurt auf den Straßen.

Dresden/KasselAuch nach der Spaltung der Dresdner Pegida-Bewegung sind Gegendemonstranten in mehreren deutschen Städten zu Tausenden auf die Straße gegangen. Allein in München beteiligten sich am Montagabend 15.000 Menschen an einer Lichterkette für Frieden und Toleranz. Auch in Kassel und Frankfurt versammelten sich Demonstranten zu größeren Kundgebungen gegen religiösen Fanatismus, Rassismus und Antisemitismus.

Während in Kassel die Aktion mit rund 2000 Teilnehmern vor dem Rathaus friedlich verlief, war die Stimmung in Frankfurt zwischen den rund 90 Pegida-Aktivisten und etwa 1200 Gegen-Demonstranten aufgeheizt. Es flogen vereinzelt Böller und Flaschen. Es habe einige Festnahmen, aber keine größere Zwischenfälle gegeben, sagte ein Polizeisprecher.

Die Pegida-Bewegung hatte sich in der vergangenen Woche am Ursprungsort Dresden gespalten. Für diesen Montag waren die „Spaziergänge“ der selbst ernannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ deshalb ausgesetzt worden. In der Elbestadt gingen aber erneut Hunderte vorwiegend junge Leute gegen Intoleranz und für Weltoffenheit auf die Straße.

Die Pegida-Aussteiger um Ex-Sprecherin Kathrin Oertel wollen sich mit einem neuen Verein rechts von der CDU positionieren, der islamkritischen Bewegung aber keine Konkurrenz machen. „Wir sind keine Gegenveranstaltung zur Pegida“, sagte Oertel bei der Vorstellung des Vereins „Direkte Demokratie für Europa“ in Dresden. Daher seien auch keine zeitgleichen Montagsdemonstrationen mit Pegida geplant. Stattdessen kündigte Oertel für kommenden Sonntag eine Kundgebung vor der Dresdner Frauenkirche mit bis zu 5000 Teilnehmern an.

Pegida von Kopenhagen bis Prag

Viele Pegida-Ableger in Europa

Die islamfeindliche Pegida-Bewegung hat in Dresden und anderen deutschen Städten in den vergangenen Monaten Zulauf erhalten. Aber auch im europäischen Ausland stoßen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf Sympathie: In mehreren Ländern gibt es inzwischen Ableger der Bewegung. Von einer Teilnehmerzahl wie in Dresden am Montag vergangener Woche, als 25.000 Menschen auf die Straße gingen, waren die ersten Pegida-Proteste im Ausland allerdings weit entfernt. Nachfolgend eine Auswahl der europäischen Ableger.

Tschechien

In der tschechischen Hauptstadt Prag demonstrierten am vergangenen Freitag etwa 600 Menschen gegen den Islam. Es war die erste islamfeindliche Demonstration in Tschechien, wo Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Muslime leben. Lediglich rund 20 Gegendemonstranten gingen auf die Straße. Die Organisatoren schlossen einen Zusammenschluss mit den Gleichgesinnten im nur 150 Kilometer entfernten Dresden nicht aus.

Dänemark

In Kopenhagen war für Montagabend der erste Protestzug des dänischen Pegida-Ablegers geplant. 300 Menschen hätten im Online-Netzwerk Facebook ihr Kommen zugesagt, sagte der Organisator des Protests, der Schulpsychologe Nicolai Sennels.

Norwegen

Am Montag vergangener Woche folgten in der norwegischen Hauptstadt Oslo rund 200 Menschen dem Aufruf des örtlichen Pegida-Ablegers. Man wolle die Aufmerksamkeit auf die Probleme im Zusammenhang mit der Einwanderung von Muslimen lenken, sagte der Organisator des Marschs, Gymnasiallehrer Max Hermansen. Auch Ausländer waren unter den Demonstranten, die ohne Zwischenfälle um das Osloer Rathaus herummarschierten. Nur eine Handvoll Gegendemonstranten stellten sich dem Protest entgegen.

Schweden

Der schwedische Pegida-Ableger zählt auf Facebook mehr als 8100 Anhänger. Die Gruppe verweist in zahlreichen Einträgen auf ihre Vorbilder in Dresden.

Österreich

Der österreichische Ableger, der auf Facebook mehr als 10.000 Sympathisanten zählt, bedauerte die Absage der Dresdner Pegida-Demonstration am Montag infolge von Anschlagsdrohungen. Ebenso wie die Dresdner Bewegung rief Pegida Österreich ihre Anhänger auf, anstelle des Protests am Montagabend eine Kerze ins Fenster zu stellen und die Landesflagge aus dem Fenster zu hängen.

Schweiz

In der Schweiz tauchte vergangene Woche auf Facebook ein örtlicher Pegida-Ableger auf und erhielt mehr als 3000 Unterstützer. Die Gruppe rief für den 16. Februar zu einem Protestmarsch gegen den Islam auf. Der Ort der Demonstration wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Auch die Mitglieder wurden nicht namentlich genannt, mit Ausnahme von Sprecher Ignaz Bearth. Dieser ist Chef der Direktdemokratischen Partei Schweiz, die enge Verbindungen zur rechtsextremen französischen Front National pflegt. Zuvor gehörte Bearth der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) an.

Belgien

In Belgien tauchte auf Facebook die Gruppe Pegida Vlaanderen auf, die sich mit der deutschen Pegida solidarisch erklärte. „Von Flandern aus unterstützen wir die Pegida-Bewegung in Deutschland“, heißt es in dem Eintrag der Gruppe. Rund 4500 Nutzer klickten auf die Sympathie-Bekundung „Gefällt mir“. Die Gruppe regte eine Demonstration in Antwerpen am kommenden Samstag an, legte aber keinen Termin fest.

Spanien

Auch in Südeuropa hat die Pegida-Bewegung Sympathisanten. In einem Eintrag im Kurzbotschaftendienst Twitter hieß es vergangene Woche, der spanische Ableger sei am 8. Januar gegründet worden – einen Tag nach dem islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris.

Auch in Braunschweig demonstrierten am Montag Hunderte Menschen gegen die islamkritischen Pegida-Ableger. In Sichtweite der Gegendemo versammelten sich zeitgleich etwa 150 Pegida-Anhänger. In Düsseldorf, Magdeburg und Suhl hatten ebenfalls Bürgergruppen zu Protesten gegen die lautstarken Islamkritiker aufgerufen. In Wien bot sich ein ähnliches Bild: Dort versammelten sich am Montag etwa 5000 Menschen, um den ersten Aufzug von rund 250 österreichischen Pegida-Freunden in den Schatten zu stellen.

Die Pegida-Bewegung demonstriert seit Monaten regelmäßig montagabends in Dresden und mobilisierte dort zeitweise bis zu 25 000 Teilnehmer. Auch für kommenden Montag ist eine Kundgebung angekündigt. Zuletzt hatte der Zulauf allerdings merklich nachgelassen, nachdem Pegida-Gründer Lutz Bachmann nach Bekanntwerden eines „Hitler-Selfies“ und menschenverachtender Beleidigungen gegen Ausländer vom Vereinsvorsitz zurückgetreten war.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Teito Klein

02.02.2015, 21:10 Uhr

Pegida stirbt aus
-------------
behaupten jedenfalls ihre Gegner von der Antifa und der extremen Linken.
Aber Pegida steht nicht nur für die Ablehnung des Islamismus, sondern auch gegen die Ablehnung des Sozialmissbrauches und die organisierte Kriminalität.
Und das sind die Sorgen der Bürger, welche aber seitens der Politik ignoriert werden.

Herr Alexander Knoll

03.02.2015, 10:26 Uhr

R.I.P Pegida. Du hast eins erreicht - die Mehrzahl der Bürger aufzurütteln (hier als ANTIFA und extreme Linke verschriehen) und Politiker aller Couleur gezwungen Überlegungen über die derzeitige Innenpolitik Deutschlands nachzudenken. Dafür danke ich dir. Ansonsten hast Du uns aber auch leider gezeigt, wie viel politische Dummheit unser Bildungssystem produziert hat, wie viele Ressentiments Menschen haben und wie wenig nachgedacht wird. Wenn 30 000 Menschen in Dresden Rattenfängern auf den Leim gehen ist das erschreckend und traurig.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×