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31.05.2017

15:50 Uhr

Kein Haftbefehl

Terrorverdacht gegen Syrer hat sich nicht bestätigt

Spezialeinsatzkräfte der Polizei in Brandenburg hatten einen jungen Syrer festgenommen. Angeblich plante der 17-Jährige einen Terroranschlag in Berlin. Doch jetzt nimmt der Fall eine überraschende Wendung.

Die brandenburgische Polizei hatte einen jungen Syrer aus der Uckermark unter Terrorverdacht in Gewahrsam genommen. dpa

Landkreis Uckermark

Die brandenburgische Polizei hatte einen jungen Syrer aus der Uckermark unter Terrorverdacht in Gewahrsam genommen.

PotsdamDer Terrorverdacht gegen einen 17-jährigen Syrer aus der Uckermark hat sich nicht bestätigt. Gegen den Mann werde kein Haftbefehl beantragt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Potsdam am Mittwoch. Er komme wieder auf freien Fuß. Der junge Mann war am Vortag unter Terrorverdacht in Gewahrsam genommen worden.

Die Ermittler waren dem Verdacht nachgegangen, der syrische Asylbewerber aus einer Flüchtlingsunterkunft könnte einen Selbstmordanschlag in Berlin geplant haben. Entsprechende Hinweise soll die Brandenburger Polizei von Ermittlungsbehörden aus Hessen und Berlin erhalten haben. Die Polizei hatte Hinweise, wonach der Mann sich per WhatsApp-Nachricht von seiner Mutter verabschiedet und angekündigt hatte, in den sogenannten Heiligen Krieg zu ziehen.

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Die Uckermark nordöstlich von Berlins gilt als idyllischer Landstrich – wurde hier ein Selbstmordanschlag geplant? Die Polizei in Brandenburg bekam genau dazu einen Tipp aus einem anderen Bundesland und griff zu.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist der Inhalt der Nachricht allerdings anders zu übersetzen als ursprünglich gedacht. Laut Bundesinnenministerium gab es keine unmittelbare Anschlagsgefahr. Die Behörden hätten frühzeitig reagiert, um ein Risiko für die Bevölkerung auszuschließen, hieß es bereits am Dienstag.

In den ersten Vernehmungen hatte sich herauskristallisiert, dass sich der junge Mann in den vergangenen Monaten im Jugendheim Gerswalde selbst radikalisiert habe. Spezialeinsatzkräfte nahmen ihn deshalb fest. Dabei leistete er nach Polizeiangaben keinen Widerstand.

Nach den ersten Erkenntnissen war er 2015 eingereist und wurde als Asylbewerber registriert. Der Mann lebte nach Polizeiangaben seit 2016 in einem Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Gerswalde östlich von Templin in der Uckermark.

Bekannte Islamisten in Deutschland

Pierre Vogel

Der Prediger und Ex-Profiboxer (38) aus dem Rheinland ist ein enger Weggefährte Sven Laus. In jüngster Zeit distanziert er sich ausdrücklich von der Terrormiliz Islamischen Staat (IS) und soll dafür sogar Morddrohungen erhalten haben. Kuriosum am Rande: Sein Vater ist Hells-Angels-Rocker.

Sven Lau

Der Ex-Feuerwehrmann aus Mönchengladbach ist eher ein Mann der leisen, emotionalen Töne. In der Szene ist er dafür zeitweise als „Weichei“ verspottet worden. Wohl zu Unrecht: Der Verfassungsschutz attestiert dem 35-Jährigen eine Radikalisierung. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, Terroristen unterstützt zu haben.

Ibrahim Abou-Nagie

Der Salafist wurde 2012 bundesweit als Initiator der umstrittenen Koranverteilungsaktion „Lies!“ bekannt. Er soll mehrfach Juden und Christen beschimpft haben. Das Amtsgericht Köln verurteilte ihn wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Bewährungsstrafe. Nagie hatte zu Unrecht 54.000 Euro Sozialleistungen kassiert.

Dennis Cuspert („Deso Dogg“)

Der 40-jährige Ex-Gangster-Rapper aus Berlin hat sich vor einigen Jahren in den Nahen Osten abgesetzt. Er wird als IS-Terrorist gesucht und steht auf der Terrorliste der Vereinten Nationen. Schon mehrfach wurde sein Tod kolportiert.

Bernhard Falk

Der 49-Jährige hat als Linksterrorist der Antiimperialistischen Zellen fast 13 Jahre hinter Gittern gesessen und ist zum Islam konvertiert. Falk bewundert die Taliban und distanziert sich vom Islamischen Staat. Er betreut bundesweit islamistische Gefangene – aber nur die, die schweigen und nicht mit den staatlichen Ermittlern kooperieren.

Metin Kaplan („Kalif von Köln“)

Als Anführer einer fundamentalistischen Bewegung war Kaplan 1992 in Deutschland Asyl gewährt worden. Als er 1996 zur Ermordung eines Gegenkalifen aufrief und der Mann in Berlin erschossen wurde, begannen Ermittlungen gegen den inzwischen 63-Jährigen. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht verurteilte Kaplan im Jahr 2000 zu vier Jahren Haft. 2004 wurde er in die Türkei abgeschoben, wo er wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt wurde und im Gefängnis sitzt. Er soll geplant haben, die Türkei in einen islamistischen Staat zu verwandeln.

Der am selben Tag wie der 17-Jährige Syrer festgenommene Mann in der Oberpfalz sitzt hingegen nun in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl gegen den 37-Jährigen sei vollzogen worden, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft München am Mittwoch. Die Polizei hatte den Verdächtigen am Dienstag bei einer Razzia festgenommen. Er soll Mitglied einer terroristischen Vereinigung sein.

Den Angaben nach soll der Mann, der türkischer Staatsangehöriger ist, der islamistischen Gruppe Junud al-Sham angehören. Er soll in Syrien an Waffen trainiert und auch gekämpft haben. Die Ermittler werfen ihm vor, in Deutschland Werbung für seine Organisation gemacht zu haben.

Ein zweiter Verdächtiger wurde nach der Durchsuchung auf freien Fuß gesetzt. Bei der Razzia hatten Beamte fünf Objekte in der Region Weiden sowie im Raum Linz und bei Innsbruck durchsucht.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Leo Löwenstein

31.05.2017, 17:30 Uhr

Da würde doch jetzt mal interessieren, wie man "in den heiligen Krieg ziehen" noch übersetzen kann.
Hoffentlich produzieren sie nicht wieder einen neuen Fall wie Amri. Den ließ man ja auch einige male durchschlüpfen.
Die Entwarnung kam aber sehr schnell....

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