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18.02.2011

13:08 Uhr

Kein Rücktritt

Guttenberg verzichtet auf Doktortitel

Karl-Theodor zu Guttenberg geht in die Offensive: Trotz der massiven Schummel-Vorwürfe will er Minister bleiben. Seinen umstrittenen Doktortitel gibt er aber zurück. Vorübergehend jedenfalls. Die SPD schäumt.

Befreiungsschlag nach Vorwürfen: Karl-Theodor zu Guttenberg. Quelle: dapd

Befreiungsschlag nach Vorwürfen: Karl-Theodor zu Guttenberg.

BerlinBundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit scharf zurückgewiesen. Er werde aber vorübergehend auf seinen Doktortitel verzichten, erklärte der CSU-Politiker am Freitag in Berlin. Einen Großteil der deutschen Medien schloss der Minister von seiner Erklärung aus. Guttenberg habe „ausgewählte Medienvertreter“ ins Verteidigungsministerium gelassen, teilte sein Sprecher Steffen Moritz mit. Die Hauptstadtpresse saß gleichzeitig in der Bundespressekonferenz. Deren Vorsitzender Werner Gößling rügte das Verfahren. Guttenberg entschuldigte sich, schloss aber einen Rücktritt aus.

Der Minister soll in seiner Dissertation zahlreiche fremde Textstellen verwendet haben, ohne sie korrekt anzugeben. Guttenberg war am Donnerstagabend im Kanzleramt, um mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über das weitere Vorgehen zu sprechen. Merkel (CDU) steht trotz der Schummel-Affäre zu ihrem Verteidigungsminister. Das ist ein Ergebnis des Gesprächs. Sie habe „volles Vertrauen“. Unklar blieb, ob Merkel Guttenberg zu einer Entschuldigung gedrängt hat.

Die CSU hält die Erklärung Guttenbergs für gut und ausreichend. Jetzt müsse die „überzogene Treibjagd“ auf den Minister beendet werden, forderte der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion, Hans Michelbach. „Die Fairness gegenüber zu Guttenberg wurde in beinahe beschämender Art und Weise durch Vorverurteilungen und Neidreflexe verletzt“, sagte Michelbach und versicherte, die Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion „stehen voll hinter den politischen Leistungen“ des Ministers. Die Opposition solle sich fragen, ob sie fehlerfrei sei. Denn klar sei: „Die Wahlkampf-Plattitüden der Opposition helfen dem Land in keinster Weise weiter.

Die SPD kam Michelbachs Forderung nicht nach. Sie fordert Konsequenzen. „Guttenberg sollte sich ein Beispiel an der Rücktrittsankündigung seines Showmaster-Kollegen Thomas Gottschalk nehmen“, sagte SPD-Fraktionsvorstandsmitglied Sebastian Edathy Handelsblatt Online. Guttenberg hatte die Plagiatsvorwürfe mit den Worten kommentiert: „Über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten.“ Er wehrte sich zugleich: „Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht.“ Edathy sagte dazu: „Der Versuch des Wandelns über Wasser hat das letzte Mal vor 2000 Jahren funktioniert. Dass der Verteidigungsminister eher ein Scheinheiliger als ein Heiliger ist, überrascht daher eigentlich nicht wirklich.“

Plagiatsjäger listen im Internet inzwischen mehr als 80 Textstellen auf, die Guttenberg abgekupfert haben soll, ohne korrekt darauf hinzuweisen. Im schlimmsten Fall kann dafür der Doktortitel aberkannt werden. Für die Opposition wäre das ein Rücktrittsgrund. Die Universität Bayreuth setzte ihm am Donnerstag eine Frist von zwei Wochen, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Gegen Guttenberg wurden inzwischen zwei Strafanzeigen gestellt. Bei der ersten gehe es um mögliche Verstöße gegen das Urheberrecht, sagte der Leitende Bayreuther Oberstaatsanwalt Thomas Janovsky der Nachrichtenagentur dpa. Sie sei an die Staatsanwaltschaft Hof weitergeleitet worden. Bei der zweiten Strafanzeige gehe es um den Vorwurf falscher eidesstattlicher Versicherung. Da aber die Promotionsordnung der rechtswissenschaftlichen Fakultät keine Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung vorsehe, „ist das auch kein Grund für Ermittlungen“, sagte Janovsky.

Kommentare (21)

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18.02.2011, 12:26 Uhr

Da bräuchte ich mal eine Erklärung, was mit "vorübergehend verzichten" gemeint ist.
Sich erst mal nicht mehr "Dr." nennen, bis Gras über die Sache gewachsen ist? Oder wie? So ein Käse.
Und das ganze wieder vor einem ausgewählten Kreis - armselig.
So ein bisschen hatte ich noch gehofft, er würde ein "yo, da hab ich selbst Mist gebaut" rauslassen. Dafür ist der große Mann dann wohl doch zu klein.
Schade, er hätte mich davon überzeugen können, doch was drauf zu haben - aber er reiht sich lieber in den Rest der Sesselkleber in Berlin ein.

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18.02.2011, 12:35 Uhr

Genial,

wäre praktisch wenn man auch politisch vergangene und kommende Fehlentscheidungen zurück geben könnte.

Das Politikerpac. ist mit allen Wassern gewaschen.

Als ob es nicht letzendlich das selbe wäre, den Doktortitel freiwillig abzugeben oder abgenommen zu bekommen.

Wer sonst sollte es besser wissen als er selbst, ob er diesen Titel verdient hat oder nicht. Er hat eine klasklare Aussage dazu getroffen.

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18.02.2011, 12:50 Uhr

Bei allem was hier an unsachlichen Beschimpfungen auf KTG geworfen wird, sollte man nicht vergessen: KTG ist der einzige in der Regierung, der es wagt, echte Reformen anzupacken: Bundeswehrreform mit Abbau von Planstellen und Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht. SPD und Grüne kleben da immer noch an veralteten Vorstellungen....

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