Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.09.2011

07:02 Uhr

Kein Wechselfieber in Berlin

Wowereit nimmt Kurs auf dritte Amtszeit

Dass die Grünen Renate Künast ins Rennen gegen Klaus Wowereit schickten, klang vielversprechend. Doch kurz vor der Wahl ist die Luft raus. Die SPD ist obenauf. Nur mit wem sie künftig regieren wird, ist noch offen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit Renate Künast. dpa

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit Renate Künast.

BerlinVor einem Jahr hatte sie die Nase vorn. In Umfragen übertrumpfte Renate Künast Berlins Regierenden Bürgermeister schon, bevor sie überhaupt erklärt hatte, dass sie gegen Klaus Wowereit antreten wolle. Die Aussicht, die Grünen könnten mit ihrer Fraktionschefin im Bundestag als Zugpferd nach der Wahl am 18. September 2011 die Nach-Wowereit-Ära einläuten, verlieh der Partei Flügel.

Zu sehr hatte der SPD-Regierungschef (57) an Ansehen eingebüßt - durch Lustlosigkeit, Flapsigkeit und mangelnde Präsenz. Doch inzwischen gilt es als unwahrscheinlich, dass Künast (55) ihm das Rote Rathaus abjagen wird. Wowereit, der im Juni sein zehnjähriges Dienstjubiläum feierte, läuft sich für seine dritte Amtszeit warm.

Er tourte in den vergangenen Monaten durch die Bezirke, suchte das Gespräch mit Bürgern, engagierte sich im Flugrouten-Streit oder kümmerte sich um den Verkehrskollaps bei der S-Bahn. Zuletzt herzte er sogar neugeborene Schweine im Tierpark.

Der Berliner Wahlforscher Oskar Niedermayer sieht jeden Konkurrenten des Amtsinhabers als chancenlos an. „Solange Wowereit kandidiert, kann ihm niemand gefährlich werden, solange er keine dramatischen Fehler macht.“ Wowereits Popularität, gepaart mit seiner Verwurzelung in seiner Heimatstadt und seiner Ausstrahlung als lockerer und weltoffener Repräsentant des neuen Berlin, seien kaum zu schlagen.

Auch für die Bundes-SPD wäre ein Sieg in der Hauptstadt der erhoffte Abschluss eines für die Partei durchweg erfolgreichen Superwahljahres. Nach den Erfolgen in Hamburg und Bremen könnte sie sich als führende Metropolen-Partei präsentieren. Mit Blick auf die Bundestagswahl 2013 käme den meisten Spitzengenossen Rot-Grün an Spree durchaus gelegen. Dagegen würde ein Bündnis mit der CDU die neue SPD-Macht im Bundesrat schwächen.

Mit einiger Sicherheit wird Wowereit im noch offenen Rennen um die SPD-Kanzlerkandidatur nach einem Sieg zu Hause wieder ins Gespräch kommen. Seine Berliner Parteifreunde oder Vertreter der SPD-Linken dürften argumentieren, anders als mögliche Mitkonkurrenten habe der SPD-Bundes-Vize erneut gezeigt, dass er Wahlen gewinnen könne. Dass es am Ende auf ihn hinausläuft, ist aber eher unwahrscheinlich.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Wolle

12.09.2011, 09:07 Uhr

Bei Umfragen ca. 31% für die SPD, da muß man einfach fragen warum:
1. Berlin hat die höchste Arbeitslosenzahl in Deutschland.
2. Im Bildungssystem ist die Hauptstadt das Schlußlicht
von allen Bundesländern.
3. Unter der SPD ist der Schuldenanstieg auf 60 Milliarden
Euro gestiegen.
4. Wowereit verspricht die Zahl der Polizisten konstand zu
halten. Leider wurde vergessen mitzuteilen, dass er in
seiner Amtszeit 4000 Stellen abgebaut hat.
Wer kann da mit ruhigem Gewissen SPD wählen?

Zum Schluß noch ein kleiner Hinweis an das HB: Gesamtdeutsche Haupstadt war Berlin auch schon vor dem Mauerbau!!!

Rene

12.09.2011, 09:15 Uhr

Ganz deiner Meinung. Die Wirtschaft ist ein Desaster. Wer redet sich das denn schön? Und die "rosige" Zukunft propagieren die linken Parteien nur, zur Umsetzung in der Lage ist sie nie gewesen.

Spiegel-Berlin

12.09.2011, 09:50 Uhr

Ob Berlin gut damit beraten ist, ist sehr die Frage. Vielleicht hat das auch mit ihm mehr zu tun, dass auch die „Piraten“ erst Einzugschancen bekommen, und dass die Stadt ein Bild abgibt, wo mehr die Lücken gesehen werden. Jedenfalls bringt man ihn nicht mit Dimension oder Expansion in Berlin in Verbindung. Unter Herrn Wowereit ist Brandenburg abgerückt, das „größte Infrastrukturprojekt Ostdeutschlands“, Neubauflughafen, lässt bei Lufthansa Umdenken entgegen ursprünglicher Planung aufkommen: baut München aus. Man wundert sich auch, wie wenig Berlin mit seiner politischen Repräsentanz von der Bundesregierung wahrgenommen wird. Und scheinbar geht das auch nur mit Herrn Wowereit in der Art zu machen, dass man ihn als Kanzlerkandidaten vor den Berlinern „hochstilisiert“ und gleichzeitig in der Region Bonn aktiv ist gegen das Normalste von der Welt: Dass der Minister der Parlamentsarmee am Sitz des Parlaments, Sitz des Außenamts, Sitz des KANZLERS sitzen will.
Die Berliner sollten sich vor dem dritten Mal Herrn Wowereit klar machen, dass hier nicht IM GRUNDE alles bereits erledigt ist, und hier nur noch Durchwinken drin ist, als sei damit „Erprobt“ verbunden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×