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20.06.2013

14:47 Uhr

Keine Genehmigung für Castor-Lager

„Dann bricht der Atommüll-Konsens zusammen“

Sind die deutschen Atommülllager sicher genug? Ein Gericht meldet im Fall Brunsbüttel Zweifel am Schutz gegen Terrorangriffe an. Atomkraftgegner nennen das Urteil eine Backpfeife für die Autoren des Endlagersuchgesetzes.

Im Februar 2006 kam der erste Castor-Behälter ins Zwischenlager des AKW Brunsbüttel. dpa

Im Februar 2006 kam der erste Castor-Behälter ins Zwischenlager des AKW Brunsbüttel.

Berlin/KielDas Bundesamt für Strahlenschutz hat Sorgen wegen eines möglicherweise unzureichenden Schutzes für die Atommüll-Zwischenlager in Deutschland zurückgewiesen. Die Zwischenlager seien inzwischen auch ausreichend sicher gegen A380-Abstürze, sagte ein Sprecher. „Bei allen Zwischenlagern wurde der gezielte Flugzeugabsturz bereits in den Genehmigungsverfahren berücksichtigt und mit überprüft.“

Das Oberverwaltungsgericht Schleswig hatte am Mittwoch die Genehmigung für das Zwischenlager Brunsbüttel in Schleswig-Holstein aufgehoben, weil der Schutz gegen terroristische Angriffe wie gezielte Flugzeugabstürze bei der Genehmigung vor zehn Jahren nicht ausreichend geprüft worden sei. Der Atommüll soll trotz der Aufhebung der Betriebsgenehmigung vorerst dort bleiben. „Wo soll der Müll denn hin, wir können ihn doch nicht auf die Straße stellen“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD).

Albig sieht jetzt das Bundesamt für Strahlenschutz und die Bundesregierung in der Pflicht. Sollte die Entscheidung rechtskräftig werden, müsse der Bund in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt die rechtlichen und fachlichen Voraussetzungen für eine erneute Genehmigung zur Zwischenlagerung schaffen.

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Gorleben fällt für Castor-Transporte vorerst aus. Kein Problem, denn in Deutschland gibt es noch 14 weitere oberirdische Lager für hochradioaktiven Müll. Außerdem bietet sich Russland als Atom-Klo an – gegen Bezahlung.

Unklar ist, ob nun das geplante Gesetz für eine bundesweite Endlagersuche in Gefahr ist, dass eigentlich nächste Woche im Bundestag und am 5. Juli vom Bundesrat verabschiedet werden soll. Der jüngst zwischen Bund und Ländern gefundene Kompromiss sieht vor, die Unterbringung der 26 noch aus der Wiederaufarbeitung zurückkommenden Castor-Behälter bis Anfang 2014 zu klären. Da vorgesehen ist, diese Castoren nicht mehr wie bislang üblich nach Gorleben zu bringen, soll ein Großteil nach Brunsbüttel.

Für die Lagerung dieses hochradioaktiven Mülls ist ohnehin eine neue Genehmigung notwendig. In Fachkreisen hieß es, es gebe keinen juristischen und technischen Zusammenhang mit dem Urteil. Bislang durften auf dem Grundstück nur die Abfälle des AKW Brunsbüttel gelagert werden.

Kommentare (32)

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leon

20.06.2013, 15:15 Uhr

Die nächste Pleite für den Schwadröner Altmaier. Nichts, aber auch gar nichts kommt zustande, weder die dringend nötige Strompreisbremse, Zwischenläger, Aufräumung der Asse und Morsleben. Und das Enlagersuchgesetz, so ein Schwachsinn, scheitert mit Sicherheit, sobald infrage kommende Orte diskutiert werden. So wird der ganze Müll irgendwann im Ausland landen, für viel Geld. Über Jahrzehnte haben da alle Altparteien versagt, und zwar massiv. Der Gau wird kommen. Hat man in der Richtung eigentlich mal etwas von der EU erfahren? Oder beschäftigen die sich immer noch mit der Gurkenkrümmung?

desterix

20.06.2013, 15:23 Uhr

poseidon,
das Urteil ist weltfremd, denn danach müssten Chemiefabriken , Tanklagern Militärdepots etc und natürlich allen noch laufenden kkw`s die Betriebsgenehmigung entzogen werden. Wie sind die Richter zu ihrem Posten gekommen???

Ueberleger

20.06.2013, 15:42 Uhr

Immer wird mit dem günstigen Atomstrom argumentiert - was für ein Schwachsinn, wenn niemand eine Antwort darauf hat, wohin mit dem Zeug.

Es erschreckt mich, dass es immernoch Befürworter dieser Technologie gibt. Ob Leukämie bei Neugebohrenen auch etwas mit den radioaktiven Dosen zu tun haben könnten, die als "unbedenklich" eingestuft werden?

In Fukushima ist tonnenweise verseuchtes Grundwasser und niemand hat eine Antwort darauf, wohin damit.

Ist der Mensch wirklich so dumm?
Was denkt die Mehrheit der Menschen?
Berücksichtigt die Politik, was die Mehrheit der Menschen möchte und denkt?
Berücksichtigt die Politik was die Industrie möchte?
Wo wären wir bei erneuerbaren Energien, was Effizienz, Kosten, Leistungsfähigkeit betrifft, würden wir das Geld statt in Atomenergie, Kernforschung und die Suche nach Endlagern in erneuerbare Energien investieren und uns über ein globales Energiekonzept Gedanken machen - Nutzung der Sonne in Wüsten etc.?
Wie sicher ist Atomenergie - wenn wir berücksichtigen, dass der Mensch schon seit tausenden Jahren Brücken baut und diese auch heute noch einstürzen? Beherrschen wir diese Technologie?
Werden wir eigentlich nur belogen und wird uns nur etwas vorgegaukelt?
Wieviel Prozent der in Deutschland erzeugten Energie werden exportiert und würden wir keine Energie exportieren, bräuchten wir dann noch AKWs in unserem Land?

Wer kennt die wahren Antworten auf diese Fragen?

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