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10.01.2005

12:28 Uhr

"Keine glückliche Lösung"

Hilfsorganisationen lehnen Arbeitslosen-Einsatz in Asien ab

Führende deutsche Hilfsorganisationen haben den Vorschlag von CDU und FDP abgelehnt, zum Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe in Südostasien auch deutsche Arbeitslosen heranzuziehen.

HB BERLIN. „Die warten nicht darauf, dass deutsche Arbeitslose anrücken. Die können sich selber helfen“, sagte die Direktorin der Organisation „Brot für die Welt“, Cornelia Füllkrug-Weitzel, der Nachrichtenagentur Reuters. Es gebe in den Katastrophengebieten genügend Arbeitskräfte, darunter auch gut ausgebildete Fachleute. Deren Arbeit müsse finanziell unterstützt werden. „Entwicklungshilfe ist zum Scheitern verurteilt, wenn sie von außen aufgepfropft wird. Das funktioniert nur durch Selbsthilfe.“ Es sei auch nicht sinnvoll, tonnenweise Hilfsgüter einzuführen, die auch lokal oder regional produziert oder eingekauft werden könnten. „Dadurch wird der lokale Markt kaputt gemacht.“

Der Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, Hans-Joachim Preuß, sagte Reuters, der Einsatz deutscher Arbeitsloser in der Katastrophenregion sei „keine sehr glückliche Lösung“. Einfache Arbeiten, wie Aufräumarbeiten oder Bauarbeiten, könnten auf jeden Fall durch lokale Kräfte bewältigt werden. Dies sei auch für Menschen, die durch die Flut ihre Existenzgrundlage verloren haben, eine Möglichkeit, etwas Geld zu verdienen. Es sei wenig wahrscheinlich, dass viele deutsche Arbeitslose die benötigten Spezial- und Sprachkenntnisse hätten und zudem über Wissen über die Region verfügten.

Entwicklungshilfe weltweit verbessern

Füllkrug-Weitzel forderte die Bürger auf, zwei Wochen nach der Flutkatastrophe nun vermehrt an Entwicklungshilfeorganisationen zu spenden, die anders als Soforthilfe-Organisationen die Spendengelder auch langfristig einsetzen könnten. Soforthilfe-Organisationen müssten das gespendete Geld in einem engen Zeitrahmen von zwei bis drei Jahren verbrauchen. Es sei nicht klar, was mit dem Spendengeld geschehe, das in diesem Zeitraum nicht für Projekte ausgegeben werden könne. Um die Katastrophenregion nachhaltig wieder aufzubauen, sei aber jahrelange Unterstützung nötig. Nach Angaben der Hilfsorganisation Misereor schätzen Versicherungen den Bedarf an langfristiger wirtschaftlicher Hilfe für die von der Flutwelle betroffene Region zehn Mal so hoch ein wie die benötigte Soforthilfe.

Um ihre Möglichkeiten in der Entwicklungshilfe weltweit zu verbessern schlossen sich die Organisationen „Brot für die Welt“, „terre des hommes“, Misereor, „medico international“ sowie die Deutsche Welthungerhilfe zu einem Bündnis „Gemeinsam für Menschen in Not - Entwicklung hilft“ zusammen. Es gehe nicht nur um Soforthilfe, sondern auch um langfristige Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und zum Schutz der Menschenrechte. Bei der durch ein Seebeben ausgelösten Flut sind in Südostasien und Afrika mindestens 150 000 Menschen ums Leben gekommen.

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