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25.09.2013

19:11 Uhr

Kenia trauert um Tote

Forensiker sollen Identität der Geislnehmer klären

Erneut erklärt Kenias Präsident die Geiselnahme für beendet, das Land ist in Staatstrauer. In London wurde ein Verdächtiger festgenommen. Die Regierung geht davon aus, dass im Schutt noch einige Geiseln verschüttet sind.

Ihr 33jähriger Sohn starb in der Westgate Mall: Drei Tage Staatstrauer sind von der Regierung verordnet. ap

Ihr 33jähriger Sohn starb in der Westgate Mall: Drei Tage Staatstrauer sind von der Regierung verordnet.

NairobiDie kenianischen Sicherheitskräfte haben laut Präsident Uhuru Kenyatte die Geiselnahme von Nairobi erfolgreich beendet. „Der Einsatz ist jetzt vorbei", sagte Kenyatta am Dienstagabend in einer Fernsehansprache. Die mutmaßlichen Mitglieder der somalischen Al-Schabaab-Miliz seien besiegt worden. Nach der von Kenyatta gezogenen Bilanz kamen seit Beginn der Auseinandersetzungen am Samstag mehr als 70 Menschen zu Tode Experten durchkämmten das teilweise eingestürzte Einkaufszentrum Westgate, um mögliche weitere Leichen unter den Trümmern zu bergen. Zu den Forensikern, die am Mittwoch die kriminaltechnischen Untersuchungen aufnahmen, gehörten auch Spezialisten aus Deutschland, den USA, Großbritannien, Kanada und Israel, sagte Innenminister Joseph Ole Lenku am Nachmittag.

„Wir haben es den Angreifern gezeigt und sie besiegt", sagte Kenyatta in seiner Fernsehansprache. 61 Zivilisten und sechs Angehörige der Sicherheitskräfte seien während der vier Tage dauernden Schießereien getötet worden. Auf Seiten der Angreifer, bei denen es sich um Mitglieder der islamistischen Al-Schabaab-Miliz aus Somalia handeln soll, habe es fünf Tote und elf Gefangene gegeben. Kenyatta wollte Geheimdienstberichte nicht bestätigen, wonach unter den Angreifern, die der Al-Kaida nahestehen, mehrere US-Bürger und eine Britin sind. Gerichtsmediziner arbeiteten daran, die Toten zu identifizieren.

Kenias Präsident Uhuru Kenyatta. A ngeklagt ist auch sein Stellvertreter William Ruto dpa

Kenias Präsident Uhuru Kenyatta. Angeklagt ist auch sein Stellvertreter William Ruto

„Das Haupt unserer Nation ist zwar blutig, aber ungebeugt", sagte Kenyatta. Er ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Wild um sich schießend und Handgranaten werfend hatten die Islamisten das bei Ausländern und wohlhabenden Einheimischen beliebte Einkaufszentrum am Samstag gestürmt. Sie wollten damit der Forderung nach einem Abzug der kenianischen Truppen aus Somalia unterstreichen. Das hatte Kenyatta, der bei der Geiselnahme einen Neffen verlor, bereits am Wochenende abgelehnt. Die zu einer Friedenstruppe der Afrikanischen Union gehörenden Soldaten haben die somalischen Milizen in den vergangenen zwei Jahren immer mehr zurückgedrängt. Kenyatta bestätigte in seiner Fernsehansprache Befürchtungen, dass mehr als die zunächst genannten 62 Menschen getötet wurden. Die Angaben der Regierung stehen im Kontrast zu den Zahlen Al-Shahaab. Diese gibt an, im Zeitraum der Belagerung 137 Geiseln getötet zu haben.

Die kenianischen Behörden hatten seit Samstag immer wieder ein Ende der Geiselnahme erklärt, was die Angreifer per Kurzmitteilung immer wieder bestritten. Noch Stunden vor der Fernsehansprache Kenyattas war sporadisches Gewehrfeuer zu hören, auch eine Explosion ereignete sich. Ein Geheimdienst-Offizier bestätigte, dass sich in dem Gebäude noch Kämpfer aufhielten.

Somalias Ministerpräsident Abdi Farah Shirdon forderte vor Journalisten in Genf mehr internationale Unterstützung zur Bekämpfung der Al-Schabaab. Der UN-Sondergesandte für Somalia, Nicholas Kay, sagte, die AU-Soldaten benötigten dringend zusätzliche Ausrüstung. Derzeit hätten sie zum Beispiel keinen einzigen Militärhubschrauber zur Verfügung, und das in einem Land, das so groß sei wie Afghanistan. Womöglich seien auch zusätzlich Soldaten nötig, sagte Kay.

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