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05.01.2011

22:15 Uhr

Kernkraftwerke

Neue Reaktoren werden weltweit geplant – und gebaut

VonJürgen Flauger

Was in Deutschland undenkbar wäre, ist in Großbritannien gern gesehen. Hier sollen an bis zu zehn Standorten Kernkraftwerke gebaut werden. Eine Ausnahme ist das Königreich dabei nicht: Neue Reaktoren werden derzeit wieder weltweit geplant.

Das Kernkraftwerk Sizewell in Suffolk: Weltweit werden wieder neue Reaktoren geplant. Reuters

Das Kernkraftwerk Sizewell in Suffolk: Weltweit werden wieder neue Reaktoren geplant.

Dann eben Großbritannien. Hier wollen die Chefs von Eon und RWE, Johannes Teyssen und Jürgen Großmann, ihre nuklearen Träume endlich ausleben. Dort haben die beiden Konzerne, die sich sonst einen erbitterten Konkurrenzkampf liefern, die Gemeinschaftsfirma Horizon Nuclear Power gegründet. Bis zum Jahr 2025 soll die Firma fünf oder sechs Reaktoren bauen und bis zu 17 Milliarden Euro investieren. Die erste Anlage soll 2020 in Betrieb gehen.

Neue Kernkraftwerke? Auf dem deutschen Heimatmarkt ist das undenkbar. Zwar haben die Energiebosse mit ihrer Lobbyarbeit jetzt eine Revision des 2002 unter Rot-Grün besiegelten Atomausstiegs erreicht. Die Laufzeiten der 17 aktiven Reaktoren werden verlängert. Aber: „Kein Mensch redet von Neubau in Deutschland“, sagt Großmann.

Zu groß ist die Ablehnung in der Bevölkerung. Die Laufzeitverlängerung hat die alten Fronten sogar noch verhärtet: Die Anti-Atom-Bewegung versteht das neue Energiekonzept als Kriegserklärung. 50 000 Bürger demonstrierten vor wenigen Wochen gegen den Castor-Transport nach Gorleben und blockierten den Transport tagelang. „Das ist erst der Anfang“, kündigen die Aktivisten von „Ausgestrahlt“ an. SPD und Grüne wollen per Gericht oder spätestens nach der nächsten Bundestagswahl die Laufzeitverlängerung rückgängig machen.

In Großbritannien hingegen sind Eon und RWE willkommen. Dort wurde vor drei Jahren eine Kehrtwende in der Energiepolitik beschlossen. Neben Windrädern sollen auch wieder Kernkraftwerke gebaut werden. Bis zu zehn Standorte mit jeweils mehreren Reaktoren sind geplant.

Renaissance der Kernenergie?

Und Großbritannien ist keine Ausnahme. Weltweit werden – fast ein Vierteljahrhundert nach der Katastrophe von Tschernobyl – wieder neue Kernkraftwerke geplant. Die Atomlobby ruft seit Jahren schon die „Renaissance der Kernenergie“ aus. Und in der Tat sind die Zahlen beeindruckend. Die Berater von Arthur D. Little zählen 170 Projekte mit rund 560 Reaktoren. Zum Vergleich: Aktuell sind 440 Anlagen am Netz.

Getrieben werden die Planungen vom stetig wachsenden Energieverbrauch und dem steigenden Ölpreis. Seit wenigen Jahren haben die Befürworter aber noch ein neues Argument: den Klimaschutz. Schließlich produzieren die Anlagen CO2-frei Strom.

Die Atomgegner halten die Renaissance zwar für eine Illusion. Das seien nur Ankündigungen, die wenigsten Projekte seien in einem konkreten Stadium. Was wirklich gebaut werde, sei unklar. Tatsächlich gingen in den kommenden Jahren ja viele alte Anlagen vom Netz, argumentieren die Atomgegner. Die Kernkraftwerke seien schließlich selbst den Befürwortern viel zu teuer. Und selbst in Finnland, wo das seit vielen Jahren erste neue Kernkraftwerk in Europa entsteht, hätten sich die Bauarbeiten ja auch extrem verzögert, sagen die Kritiker.

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