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09.01.2014

14:56 Uhr

Kinderarmut

Worauf arme Kinder verzichten müssen

VonMaike Freund

Die Zahl der armen Kinder in Deutschland ist erschreckend hoch. Ihre Armut wirkt sich konkret aus, denn sie müssen auf vieles verzichten – nicht nur auf den Kinobesuch oder neue Möbel.

Wenig Platz, wenig Freizeitaktivitäten: Arme Kinder müssen auf vieles verzichten. dpa

Wenig Platz, wenig Freizeitaktivitäten: Arme Kinder müssen auf vieles verzichten.

2.446.000. Das ist die Zahl der Kinder in Deutschland, die armutsgefährdet sind. Das heißt: 18, 9 Prozent der Kinder in Deutschland müssen verzichten. Einige auf warme Winterkleidung (knapp zehn Prozent in den alten und zwölf Prozent in den neuen Bundesländern) oder ein eigenes Zimmer. Andere auf neue Möbel oder Zahnersatz. Vor allem aber auf soziale Aktivitäten wie Urlaub, Kino oder auch nur darauf, Freunde zum gemeinsamen Essen zu Hause einzuladen. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Forscher Eric Seils und Helge Baumann der Hans-Böckler-Stiftung. Die Autoren werteten für ihre Studie den Mikrozensus aus dem Jahr 2012 sowie Befragungen für das Panel Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung (PASS) aus dem Jahr 2011 aus.

Auch in den Genuss von Internet oder einem DVD-Player kommen arme Kinder weniger häufig. Andere Dinge sind auch in armen Haushalten vorhanden, zum Beispiel ein Bad oder eine Toilette, ein Fernseher oder eine Waschmaschine, so die Studie. Doch es gibt bei den angefragten Gütern deutliche Unterschiede zwischen Ost und West: Kinder im Osten müssen deutlich öfter auf bestimmte Gebrauchsgegenstände verzichten.

Wo die meisten armen Kinder leben

Nordrhein-Westfalen

Die meisten armen Kinder leben in Nordrhein-Westfalen – und zwar 636.000. Doch es ist nicht das Land mit der höchsten Armutsgefährdungsquote für Kinder, denn in NRW liegt die bei 21,8 Prozent. Das Land auf dem traurigsten letzten Platz ist mit rund 33 Prozent Bremen.

Die Gewinner

Bayern (11,7 Prozent), Baden-Württemberg (13,2 Prozent) und Schleswig-Holstein (15,6 Prozent) kommen ganz gut weg, denn diese Länder liegen in Sachen Kinder-Armutsquoten unter dem bundesweiten Schnitt. Die wenigsten armen Kinder gibt es in der Oberpfalz in Bayern mit 9,9 Prozent.

Die Verlierer

Der traurige Spitzenplatz geht an Bremen mit 33,7 Prozent, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (33,5 Prozent).

Der Osten

Vor allem im Osten sind die Quoten besonders hoch. An erster Stelle Mecklenburg-Vorpommern (33,5 Prozent), gefolgt von Sachsen-Anhalt und Sachsen (29,2 Prozent). Doch es gibt auch erfreuliche Beispiele im Osten Deutschlands. Zum Beispiel Thüringen. Dort ist die Entwicklung besonders positiv: Das Armutsrisiko ging seit 2005 stetig zurück – von 29,2 auf 21 Prozent.

Beispiel monatlicher Restaurantbesuch: 77 Prozent der armen Kinder in Westdeutschland müssen darauf verzichten (Zahlen aus 2011), im Osten sind es 88 Prozent aller armen Kinder. Doch insgesamt ist das ein Punkt, auf den am ehesten verzichtet wird, nicht nur in armen Familien. Betrachtet man alle Kinder in Westdeutschland, verzichten immer noch 59,3 Prozent auf ein Essen im Restaurant, im Osten sind es 62,5 Prozent. Jedes elfte arme Kind im Westen und jedes siebte im Osten lebe in einer Wohnung mit feuchten Wänden.

Anders ist das beispielsweise beim einer Zahnfüllung oder einer Brille, die die Krankenkasse nicht bezahlt. 34,5 Prozent der armen Kinder im Westen müssen darauf verzichten, 27,6  Prozent der armen Kinder im Osten.

Kommentare (26)

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pizzarro53

09.01.2014, 15:14 Uhr

Wir mussten als Kinder in den 60er Jahren auch auf vieles verzichten. Ich kann das Gejammere nicht mehr hören. Ich habe mi 14 in den Ferien im Supermarkt gejobbt, damit ich mir Wünsche erfüllen konnte. Heute soll es der Steuerzahler richten. Es gibt nun mal Ärmere und Reichere. Basta.

DerAlteFritz

09.01.2014, 15:18 Uhr

Alte Möbel gehören zur Armut?
Meine Möbel sind zu großen Teil über 200 Jahre alt, und ich erfreue mich noch immer täglich an ihnen. Wenn ihnen alte Möbel nicht gefallen, sollen sie doch im Sperrmüll nach Möbeln suchen, die erst ein paar Jahre alt sind.

Account gelöscht!

09.01.2014, 15:23 Uhr

Kinder müssen auf Urlaub verzichten. Was für ein Drama.

Wenn das unsere Definition von Armut ist, dann haben wir keine.

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