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29.01.2014

13:39 Uhr

Kinderreichtum von Muslimen

Kardinal Meisner bedauert seine Wortwahl

Vor konservativen Katholiken sagte der Kölner Kardinal Meisner: „Eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien.“ Kritik kommt von allen Seiten – nun rudert der Kardinal zurück.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat mit einer Äußerung über Muslime Aufsehen erregt. dpa

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat mit einer Äußerung über Muslime Aufsehen erregt.

KölnDer Kölner Kardinal Joachim Meisner (80) bedauert, mit einer Äußerung über Muslime Irritationen ausgelöst zu haben. „Es war keineswegs meine Absicht, Menschen anderen Glaubens damit zu nahe zu treten“, versicherte er am Mittwoch in einer Stellungnahme. „Meine Wortwahl war in diesem Fall vielleicht unglücklich.“ Und weiter: „Ich habe schon verschiedentlich gesagt, dass muslimische Familien unserer überalternden Gesellschaft in manchem ein Beispiel geben.“

Meisner hatte vor Mitgliedern einer konservativen katholischen Bewegung, die für ihren Kinderreichtum bekannt ist, gesagt: „Ich sage immer, eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien.“

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, wertete dies gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwochsausgabe) als Versuch des scheidenden Kardinals, „sich mit Sarrazin-ähnlichen Äußerungen über Muslime einen rustikalen Abgang zu sichern“.

Meisner bediene Ressentiments und islamfeindliche Stimmungen, „die wir so von der katholischen Kirche und besonders vom neuen Papst nicht kennen“, sagte Mazyek. Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union Ditib sagte dem Blatt: „Man stelle sich vor, ein muslimischer Würdenträger in vergleichbarer Position würde diesen Satz formulieren – ein Empörungsschrei ginge durch die Gesellschaft.“

Wo die meisten armen Kinder leben

Nordrhein-Westfalen

Die meisten armen Kinder leben in Nordrhein-Westfalen – und zwar 636.000. Doch es ist nicht das Land mit der höchsten Armutsgefährdungsquote für Kinder, denn in NRW liegt die bei 21,8 Prozent. Das Land auf dem traurigsten letzten Platz ist mit rund 33 Prozent Bremen.

Die Gewinner

Bayern (11,7 Prozent), Baden-Württemberg (13,2 Prozent) und Schleswig-Holstein (15,6 Prozent) kommen ganz gut weg, denn diese Länder liegen in Sachen Kinder-Armutsquoten unter dem bundesweiten Schnitt. Die wenigsten armen Kinder gibt es in der Oberpfalz in Bayern mit 9,9 Prozent.

Die Verlierer

Der traurige Spitzenplatz geht an Bremen mit 33,7 Prozent, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (33,5 Prozent).

Der Osten

Vor allem im Osten sind die Quoten besonders hoch. An erster Stelle Mecklenburg-Vorpommern (33,5 Prozent), gefolgt von Sachsen-Anhalt und Sachsen (29,2 Prozent). Doch es gibt auch erfreuliche Beispiele im Osten Deutschlands. Zum Beispiel Thüringen. Dort ist die Entwicklung besonders positiv: Das Armutsrisiko ging seit 2005 stetig zurück – von 29,2 auf 21 Prozent.

Der religionspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Volker Beck, forderte eine Entschuldigung von Meisner. „Seine Äußerungen gefährden den öffentlichen Frieden“, kritisierte Beck in Berlin. Das Christentum fordere „von uns Respekt vor allen Menschen“.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), sprach gegenüber dem „Kölner Stadtanzeiger“ von der „persönlichen Meinung eines katholischen Würdenträgers“, die sie nicht kommentiere, „auch wenn ich sie nicht verstehe“.

Meisner machte seine Aussagen laut Domradio, dem Sender des Erzbistums Köln, Ende Januar bei einer Veranstaltung des „Neokatechumenalen Wegs“, einer geistlichen katholischen Bewegung. Der Kardinal habe mit seinen Worten die Bereitschaft der Bewegung zur Gründung großer Familien als Glaubenszeugnis würdigen wollen, so die Interpretation des Bistumssenders.

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