Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.08.2011

12:16 Uhr

Kindesentführer

Staatsanwaltschaft fordert neun Jahre Knast

Der Kindesentführer von Kleinmachnow soll neun Jahre ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet die Tat als niederträchtig und verabscheuungswürdig.

Kindesentführer Carsten W. am Morgen im Gericht mit seinem Anwalt. Quelle: dpa

Kindesentführer Carsten W. am Morgen im Gericht mit seinem Anwalt.

PotsdamWegen erpresserischen Menschenraubes soll der Kindesentführer von Kleinmachnow nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für neun Jahre ins Gefängnis. Der Mann habe sich zudem der besonders schweren räuberischen
Erpressung schuldig gemacht, sagte Staatsanwalt Jörg Möbius am Freitag im Landgericht Potsdam. Das Strafmaß für Entführungen liegt zwischen 5 und 15 Jahren. Verteidiger Karsten Beckmann verwies auf mildernde Umstände und verlangt eine Strafe von höchstens sechseinhalb Jahren.

Der 45-jährige Geschäftsmann hatte am ersten Prozesstag eingeräumt, am 10. Februar in Kleinmachnow bei Berlin ein vierjähriges Mädchen entführt und von den Eltern 60.000 Euro erpresst zu haben. Als Motiv gab er Geldsorgen an. Er habe wegen seiner schlecht laufenden Läden in Berlin 36.000 Euro Schulden gehabt. Möbius sagte, 36.000 Euro Schulden seien kein allzu großer Betrag. Der Angeklagte hätte andere Möglichkeiten gehabt, das Problem zu lösen. Er habe jedoch keine Hilfe in Anspruch genommen. Stattdessen habe er die Idee verfolgt, mit einer Kindesentführung schnelles Geld zu machen.

Ängste und Traumata ausgelöst

Der Angeklagte habe sich dazu eine völlig unbescholtene Familie ausgesucht, betonte der Staatsanwalt. Dass es auch jede andere Familie hätte treffen können, sei besonders erschreckend. Der Täter habe mit der Entführung Ängste und Traumata ausgelöst. Die kleine Carolina habe nach der Tat Aggressionen entwickelt. „Sie bekommt lebenslänglich“, sagte Möbius mit Blick auf mögliche psychische Folgen der Entführung. Es sei besonders verwerflich, niederträchtig und verabscheuungswürdig, sich an einem Kind zu vergreifen, fügte Möbius hinzu. Strafverschärfend wertete der Staatsanwalt auch, dass der Täter die Mutter des Kindes mit einer Sichel und damit mit einem gefährlichen Werkzeug bedroht hat. Damit sei die räuberische Erpressung ein besonders schwerer Fall und allein schon mit etwa drei Jahren Haft zu ahnden. Beckmann sprach von einem „fatalen Entschluss“ seines Mandanten, ein Kind zu entführen. Aus der Perspektive der Eltern von Carolina könne die Strafe nicht hoch genug ausfallen. Sein Mandant wisse, dass er nicht viel Verständnis erwarten könne. Ihm Plädoyer des Staatsanwalts vermisse er jedoch die Ausgewogenheit.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Nachwuchs

05.08.2011, 19:48 Uhr

Das ist Deutschland. Ich als deutscher Arbeitsloser erhielt nicht Hartz IV, da ich mit einer Deutschen verheiratet bin. Wäre ich doch nur, wie die Politiker es wollen, kriminell geworden, dann hätte ich auch mildernde Umstände erhalten und würde noch belohnt werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×