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18.09.2013

14:15 Uhr

Kita-Ausbau

Betreuungsquote steigt, Experte warnt vor Qualitätsverlust

Schon jetzt steigt die Betreuungsquote in Deutschland kräftig. Dabei stehen dem Bund noch weitere 800 Millionen Euro für den Kita-Ausbau zur Verfügung. Kritiker warnen vor gleichzeitigem Qualitätsverlust.

Die Nachfrage von Eltern nach Betreuung steigt weiterhin – insbesondere in Großstädten. dpa

Die Nachfrage von Eltern nach Betreuung steigt weiterhin – insbesondere in Großstädten.

Berlin/WiesbadenDie Kommunen kommen beim Kita-Ausbau gut voran. Die Betreuungsquote für unter Dreijährige ist auf inzwischen 40,3 Prozent gestiegen, wie das Bundesfamilienministerium am Mittwoch unter Berufung auf aktuelle Zahlen aus den Ländern in Berlin bekanntgab. Über 800 Millionen Euro an Bundesmitteln für den Ausbau seien bislang noch gar nicht abgerufen.

Seit dem 1. August haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen öffentlich geförderten Betreuungsplatz für ihre ein- und zweijährigen Kinder. Laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden lag die Quote für Kleinkinder im März 2013 noch bei 29,3 Prozent und ist bis zum Sommer um 11 Prozentpunkte gestiegen. Die meisten Betreuungsplätze geschaffen haben demnach in den vergangenen Monaten Nordrhein-Westfalen und Hessen. Bundesweit stehen im laufenden Kita-Jahr 822.000 Plätze für Unterdreijährige zur Verfügung.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) betonte, der Ausbau müsse weitergehen. Noch stünden 808 Millionen Euro an Bundesmitteln zur Verfügung. Die CDU-Politikerin machte sich darüber hinaus für einheitliche Kita-Qualitätsstandards stark.

Die wichtigsten familienpolitischen Leistungen – ein Überblick

Kindergeld und Kinderfreibetrag

Für die ersten beiden Kinder zahlt der Staat jeweils 184 Euro, für jedes dritte Kind 190 Euro und für jedes weitere Kind 215 Euro monatlich. Zusammen mit dem steuerlichen Kinderfreibetrag kostet das den Staat 38,8 Milliarden Euro jährlich (Angaben jeweils für das Jahr 2010). Zuletzt wurde das Kindergeld 2010 um 20 Euro erhöht.

Elterngeld

Bis zu 14 Monate nach der Geburt eines Kindes können Mütter und Väter Elterngeld bekommen. Es orientiert sich am bisherigen Einkommen und beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro im Monat. Nutzt nur einer der Partner die Elternzeit, wird die Leistung für maximal zwölf Monate gezahlt. Im Haushalt schlägt sie mit 4,6 Milliarden Euro zu Buche. Die Elternzeit ist den Analysen zufolge für Väter ein starker Anreiz, sich an der Betreuung zu beteiligen.

Ehegattensplitting

Das Ehegattensplitting, von dem vor allem Paare mit unterschiedlicher Einkommenssituation profitieren, kostet den Fiskus jährlich Einnahmen in Höhe von etwa 20 Milliarden Euro. Umstritten ist die Leistung, weil auch Ehepaare ohne Kinder profitieren.

Kinderbetreuung

Die Kinderbetreuung kostet die öffentliche Hand 16,2 Milliarden Euro. Über 15 Milliarden davon entfallen auf Tageseinrichtungen wie wie Krippe, Kindergarten und Hort. Seit August erhalten Familien, die ihre Kleinkinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr zu Hause betreuen, ein Betreuungsgeld. Für 2014 kalkulierte die Bundesregierung für diese Leistung mit Kosten von 1,2 Milliarden Euro.

Kinderzuschlag

Wenn Eltern wegen des Bedarfs ihrer Kinder in den Hartz-IV-Bezug zu rutschen drohen, haben sie Anspruch auf einen Kinderzuschlag. Die Leistung kann von Elternpaaren mit einem Mindesteinkommen von 900 Euro (Alleinerziehende 600 Euro) in Anspruch genommen werden. Die Höhe bemisst sich nach Einkommen und Vermögen der Eltern und der Kinder; er beträgt höchstens 140 Euro pro Monat. Das Familienministerium weist für die Leistung für das Jahr 2010 knapp 400 Millionen Euro aus.

Sozialversicherung

In der Kranken- und Pflegeversicherung sind nicht erwerbstätige Familienmitglieder beitragsfrei mitversichert. Dies verursacht Schätzungen zufolge allein bei den Krankenkassen Kosten von etwa 30 Milliarden Euro im Jahr. Für solche versicherungsfremden Leistungen gibt es einen Zuschuss des Bundes, der aber mit etwa elf Milliarden Euro deutlich geringer ausfällt. Die restlichen Kosten fangen alle Versicherten durch ihre Beitragszahlungen auf.

Arbeitslosenversicherung

In der Auflistung der Bundesregierung summieren sich die familienspezifischen Leistungen der Arbeitslosenversicherung auf gut 1,8 Milliarden Euro, darunter die Kinderkomponenten beim Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld. Quelle: dpa

Der Deutsche Städtetag forderte, Bund und Länder müssten sich weiter finanziell engagieren. Hauptgeschäftsführer Stephan Articus sagte: „Die Nachfrage von Eltern nach Betreuung wächst nach wie vor, gerade in größeren und großen Städten.“ Der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Wolfgang Stadler, kritisierte, der Ausbau gehe vielerorts auf Kosten der Qualität. Diese dürfe jedoch nicht vernachlässigt werden.

In Umfragen wurde ermittelt, dass im bundesweiten Durchschnitt 39 Prozent aller Eltern von Kindern unter drei Jahren ein Betreuungsangebot wünschen. Im Durchschnitt wurde dieser Bedarf mit 40,3 Prozent nun gedeckt, in vielen Großstädten liegt er aber beispielsweise weit höher, viele suchen weiter händeringend einen Betreuungsplatz. Bislang hielten sich die Eltern mit rechtlichen Schritten jedoch zurück, die befürchtete Klagewelle ist ausgeblieben.

Auch das Statistische Bundesamt in Wiesbaden legte am Mittwochmorgen Zahlen zur Betreuung vor, allerdings mit Stichtag 1. März 2013. Damit berücksichtigt das Amt keine Plätze, die erst danach geschaffen oder bewilligt wurden. Daraus geht hervor, dass schon vor dem Rechtsanspruch auf eine U3-Betreuung jedes dritte Kleinkind in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreut wurde. Bei den Zweijährigen war es sogar jedes zweite. In Ostdeutschland ist die Betreuungsquote fast doppelt so hoch wie in den westdeutschen Bundesländern

Von

dpa

Kommentare (2)

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Nachwuchs

18.09.2013, 18:39 Uhr

Seit langem geplant und trotzdem nur 40% erreicht. Wer ist für dieses Versagen verantwortlich und wird dafür bestraft? Wieso wurden 800 Mill. Euro nicht abgerufen? Nur weil es um deutsche Kinder geht? In Berlin z.B. fehlen massenhaft Schulplätze aber für Asylanten werden/wurden sofort neue Plätze eingerichtet.

Account gelöscht!

19.09.2013, 09:43 Uhr

Es fehlen vor allen SPA und Erzieherinnen, die ihre Ausbildung auch noch selber tragen müssen. Da fragt man sich, wie ernst ist es diesen Staat wirklich um die Kinder.

Da gibt es noch Subventionen für Tabakanbau in Deutschland ,was sicher wichtiger ist zu unterstützen als eine Erzieherausbildung. So müssen Hilfskräfte die Kinder mit betreuen ohne die geforderte Qualität und Ausbildung. Hauptsache es läuft. Armes Deutschland.

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